Wohin mit der Wut? – Du Blonde

Wenn O-Töne eines Pressetextes nahelegen, dass Wut der Motor dieser Platte ist, dann bereitet mir das Kopfzerbrechen. Wut treibt Menschen auf die Straße und Revolutionen an, sie macht aber auch kopflos, sie blockiert konstruktive Gedanken. Nur wohldosierte Wut macht Sinn. Im Falle von Beth Jeans Houghton wurde aus einer vielversprechenden Vertreterin von folkigem Chamber Pop eine Aggro-Indie-Rock-Tante namens Du Blonde. Die Umfirmierung fällt radikal aus, Houghton mutiert zur Bitch-Göre, die sich um Ästhetik und Niedlichkeit einen Dreck schert, niemandem mehr gefallen möchte. Doch was ist es, dass sie mit ihrer Vergangenheit brechen ließ? Welche Wut treibt sie an? Im Pressetext findet sich folgendes Zitat: “What am I pissed off about? In no particular order: the free wheeling judgement of faceless accusers online, every man and his dog giving me advice on how to live my life, what to wear, what not to say, how to write songs. Being asked if I’m on my period in business meetings. Being told to ‘just deal with’ misogyny. It’s clear that the message for young girls, in music, business and relationships, is still ‘shut up, do what you’re told and be thankful’.”. Du Blonde will sich so von allen Bevormundungen und Vorurteilen befreien, Frustrationen gleich einem Schlosshund rausheulen. Das Resultat Welcome Back To Milk besticht über weite Strecken durch einen ungehobelten, rohen Sound. Und doch wächst in mir das Gefühl, dass sich die Mittzwanzigerin nicht so anstellen soll. Jedes Alter kennt seine Schattenseiten. “Jungen Dingern” werden vielleicht bevormundet, Endvierzigerinnen dagegen gleich das Existenzrecht abgesprochen. Niemand ist in irgendeinem Lebensabschnitt wirklich frei, das zu tun, was er oder sie tun möchte.

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So stylish wie nötig, so undergroundig wie möglich – Icky Blossoms

Das Trio Icky Blossoms ist eine Art Electro-Pop-Indie-Rock-Hybrid aus dem doch recht beschaulichen Omaha im US-Bundesstaat Nebraska. Aus musikalischer Sicht ist Omaha allerdings ein Hotspot, was nicht zuletzt am tollen Indie-Label Saddle Creek liegt. Natürlich sind auch Icky Blossoms bei diesem Label angedockt. Dieser Tage wird mit Mask ihr zweites Album veröffentlicht. Mir scheint die Mischung aus herbem E-Tanz-Pop und wuselndem, superlärmigem Gitarren-Sound bei einigen Tracks sehr, sehr gelungen. Zumindest wenn man Hyperaktivität präferiert.

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Grey’s Anatomy Soundtrack: Folge 1103 Irrtum ausgeschlossen- Streams + Mp3s

Grey’s Anatomy

Staffel 11
Folge 11×01

“Irrtum ausgeschlossen”

OT: “Got to Be Real

Aller guten Dinge sind drei – dieses Sprichwort hält nicht immer, was es verspricht. Nun, da gibt’s ja einiges an Scheußlichkeiten in Staffel 11. Jhene Aiko ist freundlich ausgedrückt, nun überhaupt nicht mein Fall. Die Grieves eher so langweilig. Nur Banks mag mir hier gefallen. Meine Hass-Liebe zur einst so geliebten Krankenhaus-Soap zementiert sich immer mehr und ich frag mich vor dem Beginn jeder Staffel, ob sich unsere Wege nun denn nicht lieber trennen sollten. Dann wiederum hab ich so fantastische Künstler wie Dark Dark Dark durch die Serie entdeckt, in der Hoffnung ein weiteres Mal fündig zu werden, grabe ich mich also weiter ganz Trüffelschwein-mäßig durch den Soundtrack. Falls ihr die erste beiden Episoden der Staffel 11 nachhören wollt, hier geht’s lang:

11×01 Im Wind verloren und 11×02 Das fehlende Puzzleteil findet ihr, wenn ihr auf den Episoden-Namen klickt. Grey’s Anatomy Soundtrack: Folge 1103 Irrtum ausgeschlossen- Streams + Mp3s weiterlesen

Grey’s Anatomy Soundtrack: Folge 1102 Das fehlende Puzzleteil – Stream

Grey’s Anatomy

Staffel 11
Folge 11×01

Das fehlende Puzzleteil

OT: “Puzzle with a Piece Missing”

Naja, nun gut, ich hatte euch im Post zu Folge 11×01 versprochen, dass ihr nun erstmal keine weiteren grässlichen 80er-Cover-Versionen erdulden müsst. Nicht versprochen hatte ich hingegen, dass ihr keine grässlichen Original-80er-Songs auf die Ohren bekommt. Grey’s Anatomy Soundtrack: Folge 1102 Das fehlende Puzzleteil – Stream weiterlesen

Grey’s Anatomy Soundtrack: Folge 1101 Im Wind verloren – Streams + Mp3s

Grey’s Anatomy

Staffel 11
Folge 11×01

“Im Wind verloren”

OT: “I Must Have Lost It On The Wind”

 

Frei nach dem Motto: “Wenn’s kommt, dann kommt’s dicke” sendet Pro7 zum Auftakt der Staffel 11 gleich neue 3 Episoden. Folge 1 Im Wind verloren, Folge 2 Das fehlende Puzzleteil und Folge 3 Irrtum ausgeschlossen. Also, puh… was die Programmplaner sich bei sowas denken, ich weiß es nicht. Für mich bedeutet’s jetzt mal ‘ne Runde schnell in die Tasten hauen, hab ich doch das Ende der Winterpause hier fast verpasst und muss noch kurz vor knapp die Tradition gewordenen Grey’s Anatomy Soundtrack Lobhudeleien verfassen. Zum Glück – und dies ist eine echte Erleichterung für mich, wurde nun endlich dieses Unsägliche 80er-Cover-Gedöns wieder eingestellt. Heute daher, feine Töne u.a. mit den sehr geliebten Correatown und einer Dame, welche uns in den vergangenen Jahren vor allem an Weihnachten beglückte. Grey’s Anatomy Soundtrack: Folge 1101 Im Wind verloren – Streams + Mp3s weiterlesen

Großes Besteck, Inkonsequenz und Höchstform – Rocko Schamoni & L’orchestre Mirage

So eine Hommage ans Früher, vorgetragen mit großem Besteck, also samt auf Bossa Nova und Swing getrimmtem Orchester, solch eine Huldigung kann ungemein schick klingen. Oder aber Platzangst verursachen, weil ganz schön viel Orchester in einem Fahrstuhl untergebracht werden muss. Denn jene Chose läuft natürlich auch Gefahr, als Easy Listening die Lifte der Republik zu beschallen. Im Falle von Rocko Schamoni & L’orchestre Mirage scheint Fahrstuhlmusik gänzlich ausgeschlossen, schließlich traut man Herrn Schamoni jedwede Doppelbödigkeit zu – erwartet sie sogar. Wenn es nach Trash tönt, dann ist das wohl so gewollt. Schamoni kann sich Trivialitäten leisten, man würde sie als Absurditäten wahrnehmen. Sein Album Die Vergessenen will als Revue zu Unrecht vergessener, deutscher Lieder verstanden werden. Es leistet sich den Luxus aus der Zeit zu fallen, dabei aber eben nicht unsäglich elegant und gestrig zu wirken oder der Authentizität revolutionärer Epochen in den Hintern zu kriechen. Zusammen mit Bandleader und Arrangeur Sebastian Hoffmann wurde vielmehr ein Sound kreiert, der auch schon mal Pornobalkenästhetik aufwartet. Dieses Projekt karikiert ab und an das eigene Unterfangen, beschädigt dabei jedoch nicht die Lieder, die es würdigen will.

Rocko Schamoni: und orchestre mirage, die vergessenen; foto:kerstin behrendt
Photo Credit: Kerstin Behrendt

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Schlaglicht 15: Aurora

Aurora soll wohl die neue Lorde oder Birdy werden. Warum auch nicht? Meinen Segen hat die junge Norwegerin. Wobei es natürlich zu vermerken gilt, dass ihre erste Single Running With The Wolves geradezu mit der Brechstange auf Mainstream getrimmt ist. Dies macht den Song freilich zu keinem schlechten Lied. Welches Potential in Aurora schlummert, zeigt jedoch erst die Unplugged-Version des Tracks, die dergestalt an eine gewisse Ane Brun erinnert. Hier ist eine blutjunge Stimme tatsächlich noch Singer-Songwriterin und eben nicht das nächste Pop-Prinzesschen. Wo beim Original schrille Synthies den Refrain zukleistern, siegt in der akustischen Ausgabe die Emotion über Pop-Hysterie. Vielleicht steckt hinter diesen zwei Varianten von Running With The Wolves gar kein Kalkül, vielleicht ist Aurora gar nicht bewusst, dass das Unplugged wohl für die künstlerische Eigenwahrnehmung steht, während die reguläre Single auf die Bedürfnisse des Radio-Mainstream ausgelegt scheint. Es kommt nicht so oft vor, dass uns ein aufstrebender Act unabsichtlich hinter die Fassade blicken lässt. In diesem Fall verbirgt sich dahinter ein großes Talent. (via Nicorola)

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Soul für zarte Seelen – Barbarossa

In den letzten Jahren habe ich bereits mehrfach über Barbarossa geschrieben. Hinter diesem sehr aussagekräftigen Decknamen verbergen sich der Londoner James Mathé und sein Faible für melancholischen Electro-Soul. Barbarossa steht für gefühlsversunkene Zärtlichkeit, die von Electro-Pop oder feingesponnener Electronica ummantelt wird. Nun gilt es also, sein neues Werk Imager zu würdigen. Herr Rotbart hat nämlich wieder sehr vieles richtig gemacht, eine ätherische-soulige Stimmung aus dem Hut gezaubert, die bei eingehender Betrachtung ausnehmend gefällig tönt, richtiggehend verfängt. Mathé schenkt dem Soul eine rare Behutsamkeit.

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Zur Überwindung von Zeit – Slagr

Zeit, so glauben wir, sei schon aufgrund Ihrer Messbarkeit eine Konstante des Seins. Dabei ist Zeit allein ein Produkt unserer Wahrnehmung. Zeit existiert dadurch, dass wir diesem Konstrukt aus Sekunden, Minuten, Stunden und Tagen vertrauen. Diesen Umstand sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn wir der Aussage eines Pressetextes nachspüren, die einem Trio namens Slagr attestiert, dass es der Zeit einen Klang gibt. Wie nur würdigt man Zeit auf Albumlänge? Slagr können ja schwerlich John Cage und seinem auf über 600 Jahre angelegten Projekt ORGAN²/ASLSP nacheifern. Slagr geben Zeit nicht etwa der Lächerlichkeit preis, indem sie ein Projekt in seinen Proportionen hoffnungslos aufblähen. Slagrs Zugang ist weniger ein technischer, vielmehr ein geschichtlicher. Ihr Album Short Stories holt das Gestern ins Heute, wenn es geradezu archaische Melodien erzählt, Klänge aus Epochen anbietet, als Zeit noch nicht ökonomisiert und rationalisiert war. Das norwegische Trio, bestehend aus Anne Hytta (Hardanger Fidel), Amund Sjølie Sveen (Vibraphon) und Sigrun Eng (Cello), vermengt überlieferte folkloristische Traditionen mit avangardistischem Minimalismus. Und so entsteht eine Platte, die tief aus der Vergangenheit schöpft, kontemplative Skizzen entwirft, in der Entschleunigung ein Stück Ewigkeit kreiert. Short Stories wirkt auf mich wie ein steter Tropfen, der ins Wasser fällt, und immer wieder kreisförmige Wellen wirft.

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Photo Credit: Geir Dokken

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Chic, Charme & Melancholie – Céline Tolosa

Jedes Land mag seine musikalischen Meriten haben. Im Falle Frankreichs wäre das nicht nur, aber ganz speziell der luftige Chic, welchen bereits Generationen von Chanteusen versprühen. Die anmutigsten Vertreterinnen dieser Zunft vermögen mal aufreizend, mal sentimental zu intonieren, immer jedoch schwebt der Gesang mindestens einen Fußbreit über allem Irdischen. Das gilt auch für die Pariserin Céline Tolosa, deren Debüt-EP Cover Girl dieser Tage erschienen ist. Jene vier Lieder umfassende Miniatur präsentiert uns eine Sängerin, die hauchzartem French Pop im lieblichen Geiste der 60er-Jahre zugeneigt ist. Von Melancholie bis hin zu keckem Charme reicht die Bandbreite dieses Werks.

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