Schatzkästchen 59: IRAH – Into Dimensions

Elfe ausgebüxt! Direkt in die Neonlichter eines Großstadtmärchens hinein! Hochhäuser mit großen Glasfassaden stehen Spalier, säumen einen Pfad des Staunens. Schritt für Schritt gleiten ihre nackten Füße über den glitzernden Asphalt, wandert sie durch die Fantasie von einer Nacht. Abgekämpfte Nachtschwärmer strömen noch ganz in Trance aus Szenetempeln, abenteuerselige, begierige Gestalten schielen sehnsüchtig in plüschige Etablissements. Jede zwielichtige Gestalt scheint der verwunderten Elfe einen Blick wert. Das verschmuste, in seinem Glück aufgehende Pärchen beim Laternenmast ebenso. Mit pochendem Herzen setzt sie ihren Streifzug fort, Eindruck um Eindruck prasselt auf ihre Augen ein. Taxis wischen an ihr vorbei, wieseln um die Ecke. Schaufensterpuppen drehen sich nach ihr um. Hydranten dackeln gleich Kobolden dahin. Die ganze Szenerie lebt, alles wirkt neu und aufregend. Die Stunden im Häusermeer vergehen wie im Flug, bis dann irgendwann die Sonne über die Dächer kriecht, der Tag mit einem Knall anbricht. Die Helle flutscht in jede Ritze, prallt auf Glasscheiben, wird von Metall reflektiert. Im Licht der Sonne geht der Elfe endgültig das Herz auf. Gerät der Ausflug in die Stadt zum Triumph der Neugier. Und sie lächelt und lächelt…

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Schlaglicht 52: Mikko Joensuu

Eine Country-Ballade, die fast schon als religiöse Hymne durchgeht, und ein Americana-Track, der um Erlösung ringt, könnten die Zutaten für ein verdammt frömmelndes, auf Hörer aus dem Bible Belt abstellendes Album sein. Zumindest aber würde man ohne Zögern den Allerwertesten darauf verwetten, dass ein Singer-Songwriter mit dieser thematischen Stoßrichtung nordamerikanischen Gefilden entstammt. Spätestens dann, wenn man erfährt, dass das Album auf den Titel Amen 1 lautet. Weit gefehlt! Der Finne Mikko Joensuu hat mir bereits in der Vergangenheit große Freude gemacht, 2014 hat der erhaben psychedelische Vangelis-Verschnitt Land of Darkness begeistert. Wenn man sich den Song rückblickend nochmals zu Gemüte führt, sticht die religiöse Komponente noch mehr ins Auge. Und deshalb scheint Amen 1 durchaus konsequent. Und mutig. Denn gerade im Europa dieser Tage ist Religion nicht hoch angesehen, vielmehr Sündenbock für alles Übel, mit allen Geboten eher Feind individueller Freiheit. Lediglich diffuse Spirualität wird aufgrund ihrer Harmlosigkeit geduldet. Feng Shui, aber hallo! Umso irritierender fällt der westernhafte Americana von Closer My God aus. Auch weil solch ein Redemption Song eigentlich nach einem knorrigen Vortrag schreit. Stattdessen gibt Joensuu den fragilen Crooner. Warning Sign dagegen erwächst aus sachter Country-Süße zur feierlichen, chorverbrämten Hymne. Eine Pedal-Steel-Gitarre und ein andächtiges Piano wirken hier prima zusammen, Streicher tun ihr Übriges. Speziell letzteren Song könnte man sich ebenso gut in einer abgespeckten Interpretation des seligen Johnny Cash vorstellen. Schlaglicht 52: Mikko Joensuu weiterlesen

Buddeln nach den eigenen Wurzeln – Ashia Bison Rouge

Durch die Jahrhunderte war Herkunft mit einer Schicksalshaftigkeit belegt, aus der es kaum ein Entrinnen gab. Zumindest in der westlichen Welt hat sich dies in den letzten 100 Jahren stark gewandelt. Herkunft ist nicht länger allein Last, Verpflichtung oder Privileg, sie kann als kleiner, feiner Teil der eigenen Identität wieder kultiviert werden. Nichts anderes macht Ashia Bison Rouge auf ihrer neuen Platte ODƎR. Über die im polnischen Breslau geborene, in den USA in Seattle und Portland aufgewachsene und nun in Berlin lebende Sängerin und Cellistin Ashia Grzesik habe ich bereits mehrfach geschrieben, ihr letztes Album Diesel vs Lungs derart gewürdigt: „Ihr kammermusikalischer, stets mit omnipräsentem Cello ausgestalteter Pop bekennt sich daher zur osteuropäischen Pro­ve­ni­enz, offenbart sich burlesk bis surreal, kreuzt Chanson mit dem Charme des Cabaret, scheut schließlich auch vor manch slawischer Ballade nicht zurück.“ Viel davon findet sich auch bei ODƎR wieder.

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Photo Credit: Nadja Bülow

Der Charme dieses Werks liegt in seinem stets eleganten Fluss, der die strömende Oder verkörpert. Entlang des Stroms begibt sie sich auf die Reise in die Vergangenheit, wie anhand der Songtitel unschwer zu erkennen ist. Dig in Our Roots ist nicht nur Motto des Albums, sondern zugleich einer der markantesten Tracks. Es geht darum, die eigenen Ursprünge zutage zu fördern. Gegen ein Vergessen anzukämpfen, welches unvermeidlich scheint, wenn man sich nicht rechtzeitig von Eltern und Großeltern ihre Geschichten und die ihrer Ahnen erzählen lässt. A Life Forgotten thematisiert dies auf dramatisch-wehmütige Weise. We Travelled Above legt die Hand auf ein Grab, in wohliger Erinnerung verfangen. So melancholisch die Klänge auch sind, tänzeln sie mindestens ebenso leichtfüßig, geradezu fröhlich und dankbar. Indem Grzesik ihr Chello mal zupft, dann streicht, ab und an auch eine Violine zur Verstärkung holt, entwickelt sich eine herrlich pittoreske Aura, die Klassik mit Folklore vermengt. Der großartige gesangliche Vortrag kann seine amerikanische Sozialisation nicht verhehlen. Der Geist des Great American Songbook trifft hier auf eine Regina Spektor. So wird eine Brücke zwischen dem Früher und der Moderne geschlagen. Ein Song wie My Rock ist emotional reich bebildert, verströmt schüchterne Schönheit voll melodramatischer Akzente. Edel fällt vor allem The Flood aus, das mit cellobasiertem Americana zu faszinieren weiß. So sehr Ashia Bison Rouge auch die Wurzeln an den Gestaden der Oder betont, ist die amerikanische Prägung doch ein essentieller Bestandteil dieses Albums. Dennoch steht außer Zweifel, dass die kulturelle Herkunft keine romantische Spinnerei bedeutet. Wenn Grzesik bei Odra in polnischer Sprache singt, werden alle Intentionen plötzlich wahr. ODƎR ist in seiner Mitte angekommen. Der Hang zu osteuropäischer Schwermut wird unverfälscht ausgelebt, Cello und Gesang ergänzen sich perfekt. Wie das Cello in den Solopassagen aufwallt, selbst voll getragenem Temperament zu erzählen beginnt, gehört zu den eindrücklichen Moment des Werks. Gegen Ende entpuppt sich Jakob’s Lacrymosa als weiteres Highlight, es gerät zum tränenschweren Requiem, wie die Zeilen „Lacrimosa dies illa/ Qua resurget ex favilla/ Judicandus homo reus.“ belegen. Die bereits erwähnten Stile werden dabei von bester klassischer Kirchenmusik einfasst. Es fügt sich in den Kontext der Platte wohl als sämtliche Vorfahren umfassende Totenklage.

Das Buddeln nach den eigenen Wurzeln mag in unserer gegenwartsfokussierten Zeit eher unzeitgemäß wirken. Vermutlich ist es das überhaupt nicht. In den von nie dagewesener Mobilität und globalen Migrationsbewegungen geprägten letzten 100 Jahren scheint es sogar schlüssig, dass sich viele Menschen auf die Sprache und Heimat der Eltern oder Großeltern rückbesinnen. Wenn man so wie Ashia Bison Rouge die eigenen Wurzeln nicht als lästiges Anhängsel begreift, eben weil Herkunft nicht länger Bürde sein muss, kann am Ende eine Platte wie ODƎR stehen. Eine Platte, die mehr über Identitätsfindung aussagt, als dies die üblichen Nabelschauen von Singer-Songwriterinnen tun. Eine Platte, die die eigene Biografie nicht mit der Geburt beginnen lässt. Eine Platte, die im Blick auf die Vergangenheit auch die eigene Vergänglichkeit begreift. Eine Platte, die sich selbst an Gräbern und bei aller Melancholie eine bewundernswerte Leichtigkeit bewahrt. Eine Platte halt, bei der thematische Ambition und künstlerische Fertigkeit Hand in Hand gehen. Ich bin beeindruckt!

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ODƎR ist am 19.02.2016 auf Jaro Medien erschienen.

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Offizielle Webseite

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SomeVapourTrails

Schlaglicht 51: Programm

Bereits letztes Jahr habe ich auf die Formation Programm hingewiesen, die EP Like The Sun mit Lob überschüttet. Nun möchte ich die Gelegenheit nutzen, auf das letzte Woche erschienene Debüt A Torrid Marriage of Logic and Emotion hinzuweisen. Der Titel mag sperrig anmuten, die Musik jedoch ist edel, wie der Song Jukai belegt. Wenn man sich das Lied wieder und wieder anhört, wird man nämlich von der ästhetischen Kraft der Nummer völlig überwältigt. Es ähnelt einem großen Gemälde von enormer meditativer Qualität, in dessen Farben, Stimmungen und Details einzutauchen lohnt. Jukai ist von Minimalismus geprägt, ein nervös-repetitives Piano bildet das Fundament des Songs, darauf gestülpt wirkt ein fast steriler Drone-Charakter. Auch flirrende Synthies dürfen nicht fehlen. Die oberste Schicht schließlich bildet ein verwaschener und zugleich in höchsten Sphären schwebender Gesang. Leichte Schwere, melodische Melancholie und eine gewisse dunkle Helle durchziehen das Stück, das sich stets seine geheimnisvolle Aura bewahrt. All die Widersprüche klären sich ein Stück weit auf, wenn man man erfährt, dass der Song seinen Namen von einem Waldgebiet um den japanischen Vulkans Fuji geliehen hat. Der Kuroi Jukai, auch bekannt als Aokigahara, zieht nämlich Lebensmüde an wie Licht die Motten. Schon allein dieser Track unterstreicht, dass die Band aus Toronto in den letzten zwölf Monaten nochmals einen Entwicklungssprung gemacht hat. Sämtliche Talente, die sich auf der EP bereits mehr als nur angedeutet haben, treten nun offen zu Tage. Neben diesem grandiosen Track bietet der Plattenerstling übrigens auch ein Wiederhören mit den zwei stärksten Titeln der EP, Like The Sun und Zerozerozero. Letzteres Stück habe ich voriges Jahr derart beschrieben: „Knister-Drums, Piano und eine metzgernde Gitarre untermalen den kontemplativen bis bedrückenden Vortrag Jacob Somas, ehe nach und nach alles auf Synthie-Wogen gen Unendlichkeit schwebt.“ Schlaglicht 51: Programm weiterlesen

Schatzkästchen 58: Black Honey – All My Pride

Seit Tagen schon habe ich einen tollen Track im Ohr, den ich den werten Lesern auf keine Fälle verschweigen möchte. Die geschätzten Kollegen Nico und Peter haben auf ihren Blogs Nicorola bzw. Coast Is Clear zwar schon darauf hingewiesen, aber eine so pfiffige, erfrischende Nummer wie diese kann gar nicht oft genug erwähnt werden. Die Rede ist vom Song All My Pride der britischen Formation Black Honey, die damit auf ihre Ende des Monats erscheinende EP Headspin einstimmt. All My Pride besticht durch westernhaften, garagigen Power-Pop, klingt wie ein Roadmovie durch staubige Weiten. Thelma & Louise meets Quentin Tarantino, so würde ich den rohen, intensiven Sound zusammenfassen. Die Sängerin Izzy Baxter entpuppt sich als hauchend-laszive und energetische Röckröhre. Schatzkästchen 58: Black Honey – All My Pride weiterlesen

Schatzkästchen 57: Hope Sandoval & The Warm Inventions – Isn’t It True

Soll ich überhaupt noch viele Worte über Hope Sandoval verlieren? Sie ist die Grande Dame des Dream-Pop und Dream-Folk, eine ob ihrer Zurückhaltung zur mysteriösen Ikone taugende Sängerin. Ob im Verbund mit dem kongenialen David Roback als Mazzy Star oder mit Colm Ó Cíosóig als Hope Sandoval & The Warm Inventions, ihr Gesang ist von großer Makellosigkeit und nachdenklicher Entrücktheit geprägt. Auch deshalb besitzt Sandoval abseits allen Popstar-Gehabes eine ihr fast kultisch huldigende Fangemeinde. Und da sie sich trotz mancher Kollaborationen mit anderen Musikern und Bands, ich denke da an The Chemical Brothers, Death in Vegas oder auch Massive Attack, eher rar macht, haben Albenankündigungen bei ihr immer etwas von Jubeljahr und Wunder. Für 2016 wurde unlängst erst ein neues Werk in Aussicht gestellt. Das soll bei Sandoval aber nichts heißen. Bereits 2009 hatte sie die Arbeit an einem Plattencomeback von Mazzy Star bestätigt, doch dauerte es noch bis 2013 ehe Seasons Of Your Day endlich veröffentlicht wurde. Was dieses Mal zuversichtlich stimmt, dass aus 2016 nicht etwa 2017 oder gar 2018 wird, ist ein erster Vorbote, der sich bereits digital und im Zuge des diesjährigen Record Store Days als farbiges 7″-Vinyl materialisiert hat. Isn’t it True bleibt dem verträumten Folk früherer Alben von The Warm Inventions treu. Schatzkästchen 57: Hope Sandoval & The Warm Inventions – Isn’t It True weiterlesen

Zeitreise ins Nigeria der Sechziger – Fela Ransome Kuti And His Koola Lobitos

Für mich ist die Beschäftigung mit Weltmusik neben dem reinen Genussfaktor immer auch eine willkommene Möglichkeit, über den vermeintlichen Umweg Musik etwas über fremde Kulturen oder mir bislang nicht bekannte historische Entwicklungen zu erfahren. Die das Frühwerk der Afrobeat-Legende Fela Ransome Kuti auf drei CDs auffächernde Sammlung Highlife-Jazz and Afro-Soul (1963-1969) gibt mir dieses Mal Gelegenheit dazu. Bereits letzten Herbst habe ich mich in gebotener Kürze mit Kutis Schaffen auseinandergesetzt. Heute will ich mir den Zeitgeist der Sechziger vornehmen, in das soziale und kulturelle Biotop Westafrika eintauchen.

Photo Credit: Sandra Izsadore
Photo Credit: Sandra Izsadore

Als Kuti 1963 nach seinem Studium in London in seine Heimat Nigeria zurückkehrte, fand er ein Land im Wandel vor. 1960 von den Briten in die Unabhängigkeit entlassen worden, schien vieles möglich. Vom wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Höhenflug bis hin zur Zerreißprobe aufgrund ethnischer und religiöser Konflikte. Denn als Erbe der Kolonialzeit verblieb eine willkürlich zusammengewürfelte Schicksalgemeinschaft, deren drei größte Völker die Hausa-Fulani, Yoruba und Igbo waren. Im Jahre 1963 hatte die junge Republik somit noch alle Chancen – und jene Aufbruchsstimmung fand ihren Ausdruck im Highlife. Der Musikstil Highlife hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine lange Entwicklung hinter sich. Seine Wurzeln liegen im Ghana am Ende des 19. Jahrhunderts, als Einflüsse wären Palm Wine Music, koloniale Militärblaskapellen, religiöse Gesänge und karibische Rhythmen zu nennen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildeten sich zwei Spielarten aus. So wurde er zunächst zur gediegenen Unterhaltung kultivierter Eliten von Tanzorchestern dargeboten, gitarrenlastigere, percussionorientiere Formen des Highlife fanden dagegen im einfachen Volk Verbreitung. In den 1930er-Jahren sorgten ghanaische Wanderarbeiter dafür, dass sich letztere Spielart in ganz Westafrika verbreitete. Weitere Einflüsse kamen hinzu. Während des 2. Weltkriegs befruchteten in Ghana stationierte US-Soldaten den Highlife durch Jazz. Ein wenig Swing, ein bisschen Blues und Calypso sollten in der Folge den Sound weiter ausgestalten. Allmählich schwappte der Highlife auch nach Europa, ein Treffpunkt war der Londoner Club Afrique, in welchem es zu einem Austausch zwischen Musikern aus der Karibik, Westafrika, Südafrika und Großbritannien kam. Es ist davon auszugehen, dass der von 1958-1963 in London weilende Kuti auch davon beeinflusst wurde. Bei seiner Rückkehr nach Nigeria versuchte er in der pulsierenden Clubszene von Lagos Fuß zu fassen. Noch war er ein Newcomer, der am Boom partizipierte. Die Platzhirschen dieser Zeit waren von Victor Olaiya, Rex Lawson, Roy Chicago oder Eddy Okonta angeführte Formationen. Kuti machte eine Ausbildung bei einem nigerianischen Radiosender, abends spielte er in den Tanzlokalen der Stadt. Anfangs noch sehr am Jazz orientiert, wurde auch er vom Zeitgeist angesteckt, fokussierte er seine Band namens Koola Lobitos, die er bereits während seines Musikstudium in London gegründet hatte, nun auf den Highlife. Michael E. Veal, Yale-Professor für Musikethnologie, beschreibt die ersten Gehversuche in den hervorragenden Liner Notes zu diesem Box-Set so: „In his hands, idiomatic chord progressions are enlivenend by syncopated rhythm & blues bass lines, while the percussive horn charts recall James Brown and Stax/Volt as much as they do Chicago, Lawson and Olaiya.“

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Am Zenit der Schaffenskraft – James

Vor einigen Wochen schon habe ich in einer kleinen Ankündigung des Albums Girl At The End Of The World darauf hingewiesen, dass die britische Formation James auf ihrem neuen Werk neben musikalischen auch eine thematische Frische an den Tag legt. Für eine Band in den Mittfünfzigern nun wirklich keine Selbstverständlichkeit! Nach mittlerweile einigen Hördurchläufen komme ich von dieser Platte gar nicht mehr los. Sie vereinigt erstaunlich knackige Lyrics mit einem dynamischen Sound. Solch moderner Britpop, dargeboten von ewig unterschätzten Veteranen, unterscheidet sich arg von den mitunter abgetakelten Klängen jüngerer Semester. Schauen wir uns nun die Lieder von Girl At The End Of The World doch kurz genauer an!

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Rein ins Auto, ab ans Meer, Gedanken baumeln lassen – Der Nino aus Wien

Der Müßiggang an den Küsten der Adria hat für Österreicher – und speziell für Wiener – eine lange, lange Tradition. Noch zu Kaisers Zeiten flanierten Künstlern durch Triest, auch der gemeine Proletarier vergnügte sich in den Siebzigern und Achtzigern gern in Jesolo oder Caorle. Dass sich also der von mir sehr geschätzte Liedermacher Der Nino aus Wien in dortigen Breiten zur EP Adria inspirieren hat lassen, greift also eine Tradition auf, die in Zeiten des von Ryan Air propagierten Cityhoppings herrlich altmodisch wirkt. Rein ins Auto, ab ans Meer, Gedanken baumeln lassen. Der Charme dieser Idee entfaltet auf dieser sechs Lieder umfassenden EP vollste Wirkung.

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Jeden Hördurchlauf belohnend – Sama Dams

Eine klare Genre-Einordnung ist bei einem Post über eine Band immer auch ein Seufzer der Erleichterung, weil Beleg dafür, dass man die Charakteristika einer Platte in wenigen Worten zusammenfassen kann. Im Falle von Sama Dams habe ich jetzt den einen oder anderen Tag darüber gegrübelt, wie ich die Formation aus Portland beschreiben soll. Letztlich habe ich mich dafür entschieden, der Eigendefinition der Band zu folgen. Auf Facebook beschreibt sie sich als Avant-Indie, in der About-Sektion auf der Homepage verweist sie auf die Radiohead-Einflüsse. Außerdem nimmt das Trio für sich in Anspruch, „the fine balance between edgy experimentation and caramel sweet pop“ zu finden. Diese Selbsteinschätzungen treffen den Kern des Albums Comfort in Doubt sehr gut. Auch hier haben wir es – wie bei der erst letzte Woche besprochenen Portlander Band Talkative – mit einer Platte zu tun, die mit Verspätung anlässlicher einer Tour hierzulande eine verdiente Veröffentlichung erfährt. Comfort in Doubt ist ein schwieriges Werk, mit an vielen Stellen befremdlichen Gefühlslagen. Sam und Lisa Adams teilen sich die gesanglichen Pflichten, beide eint ein lamentierender bis winselnder Ton. Leben und Beziehungen verkommen zu einem permanenten Ringen, vor allem mit sich und dem Schicksal. So undurchdringbar wie die Texte präsentiert sich auch die Musik. Es ist wirklich kein Album, das leicht über den Hörer kommt.

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