Die große Wurstigkeit – The Phoenix Foundation

Eine Prise Prog-Rock, eine ordentliche Portion kosmische Psychedelia, dazu Ausflüge in die Disco oder in die Seligkeit des Siebziger-Pop, alles in von Sonnenfäden durchwirkten Indie-Rock eingebettet, so in etwa nimmt sich das Album Give Up Your Dreams aus. Der neuseeländischen Band The Phoenix Foundation ist mit ihrem neuesten Werk ein ganz starkes Argument für das in letzter Zeit vermehrt vom Abgesang bedrohte Format Album gelungen. Give Up Your Dreams wird vielleicht nicht in vielen Bestenlisten des Jahres 2015 auftauchen, aber eine rundere, stimmigere Platte als diese mag man heuer mit der Lupe suchen müssen. Die Attitüde vermittelt ein nach Entspannung gierendes Lebensgefühl, dem man sich mit Haut und Haar hingeben möchte. Sie zelebriert ein Loslassen, ein Wegdriften aus dem Alltag, ein Aufgehen in einem lässigen Sound.

Wer keine Sorgen hat, kann mit großer Leichtigkeit loslassen. Bei The Phoenix Foundation hingegen scheint das Loslassen notgedrungen, fast wie eine Kapitulation vor höherer Gewalt. Der Albumtitel versteht sich auch als Plädoyer für ein Ende von Ambition und Wunsch – und für den Beginn einer großen Wurstigkeit! In dieser Konsequenz heißt es dann im Titelsong Give Up Your Dreams auch „I’ve been giving up on all my aspirations„. Das Mantra „I’m a loser and I’m losing my belief“ durchzieht den Track, es schwingt dabei sogar ein gewisser Stolz mit. Die große Wurstigkeit – The Phoenix Foundation weiterlesen

Wilde ungezähmte Elfen & Feen – Ein nicht nur audio – sondern auch visuelles Mixtape

Sommernachtstraum Elfenreigen

 

Ich hätte das Ganze auch Trotz-Mixtape nennen können. Den Widrigenkeiten zum Trotz, denn Pop ist natürlich Eskapismus in Reinstkultur, ganz im Besonderen der heißgeliebte Electro-Pop. Und überhaupt, Facebook erlaubt Hassposts, aber keine Nippel, auch hier braucht es dringend Eigensinn und eigensinnigen Feminismus. Zeit also, endlich wieder ein Mixtape zu kreieren, heute ohne Penis, dafür schöne und schön-pralle Brüste und die passende Musik dazu von selbsbewussten, trotzigen und eigensinnigen Brüsteträgerinnen. Auf das die wilden Feen und Elfen diese Welt, zumindest für einen kleinen Moment schöner machen.

 

 

Songs for Little People Illustratorin: Helen Stratton

Auf Spotify findet ihr den Fairies-Mix mit Ladytron, Goldfrapp, Björk, SPC ECO, Smoke Fairies, Chemical Brothers feat. Hope Sandoval und Massive Attacke feat. Hope Sandoval


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Schlaglicht 25: Metric

Die kanadische Formation Metric rund um Frontfrau Emily Haines hat uns schon mit so einigen Alben verzückt. Spätestens seit dem großartigen Fantasies von 2009 sollte jeder Indie-Rock-Fan die Band auf dem Radar haben. Für September ist nun mit Pagans in Vegas ein neues Album angekündigt, das der erste Teil eines eines Doppelschlags werden soll. Die Platte Nummer 2 wird 2016 folgen. Die ersten Vorboten verorten Metric diesmal sehr im Genre Synthie-Pop. Mit The Shade wird auch eine speziell im Refrain mit viel Schmackes in die Ohren fahrende Single angeboten. Das ebenfalls schon veröffentlichte Cascades zeigt Anleihen an französische Electro-Pop, Too Bad, So Sad dagegen orientiert sich mehr an Post-Punk. Schlaglicht 25: Metric weiterlesen

Blogger für Flüchtlinge – Menschen für Menschen

Photo Credit: David De Groot
Photo Credit: David De Groot

Was wäre Hollywood ohne Flüchtlinge?

Die Antwort ist verblüffend einfach, für manche der Filmgeschichte-Unkundige vielleicht auch nur verblüffend. Hollywood wäre ein Ortsname wie viele abertausende anderer Ortsnamen. Vielleicht stünden da auch ein paar Filmstudios in der Gegend rum, nur eines wäre Hollywood ohne Flüchtlinge nie geworden: Der Mythos schlechthin, die weltdominierende Traumfabrik. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war Babelsberg das Epizentrum der Filmwelt. Grandios und innovativ. Hier entstanden Meilensteine wie Fritz Langs Metropolis, hier wurden von Ernst Lubitsch und Billy Wilder Komödien gedreht, die noch heute wegweisend sind und innovativer und lustiger als 99 % der heutigen deutschen Film- und Fernsehunterhaltung. Alle drei flüchteten zusammen mit anderen Stars wie Marlene Dietrich und Josef von Sternberg. Das NS-Regime vertrieb sie aus Deutschland. Ohne diesen Exodus wäre Hollywood nie zu dem geworden, was es heute ist. In meiner Schulzeit  wurden das Dritte Reich und die Judenverfolgung in zahlreichen Schulfächern behandelt, jedoch wurde zu keiner Zeit daraufhin gewiesen, welchen Schaden die Nazis unserer eigenen Kultur zugefügt haben, indem die kulturelle Elite ermordet und vertriebe wurde. Flüchtlinge sind immer auch ein Gewinn, zumindest für das Land, welches sie aufzunehmen und zu schätzen weiß.

 

Living like a refugee

Wie wichtig das Asyl für das Überleben von Kultur ist, zeigt auch die Geschichte der Sierra Leone’s Refugee All Stars. Wie viele andere Menschen flüchteten die Musiker in den  Neunzigern aus Sierra Leone vor dem Bürgerkrieg nach Guinea. In einem der Flüchtlingscamps dort lernten sich kennen und formierten die Sierra Leone’s Refugee All Stars, die nach Ende des Bürgerkriegs wieder in die Hauptstadt Freetown zurückkehrten. Das 2004 erschienene Debütalbum Living Like A Refugee fand international bei Liebhabern der Worldmusic großen Anklang. Mein Liebster und Co-Blogger hat die Band und ihr neuestes Album Libation schon im vergangenen Jahr auf Lie In The Sound vorgestellt. Wichtig ist dem Künstlerkollektiv, dass sie ebenso wie alle anderen Flüchtlinge nicht nur als arme Opfer und Hilfempfänger gesehen werden. Raus aus der Stigmatisierung ist das Motto des neuesten Projekts The Long Road. Zusammen mit anderen Musikern und dem Roten Kreuz Großbritanniens arbeiten die Sierra Leone’s Refugee All Stars an einem Konzeptalbum, welches die Geschichten von Flüchtlingen in den UK erzählt und Licht auf die Bereicherung der Gesellschaft durch die Einwanderer wirft. Blogger für Flüchtlinge – Menschen für Menschen weiterlesen

Meine liebsten Platten 1975-2015

Während ich mich unlängst daran gemacht habe, meine Musiksammlung völlig neu zu organisieren, kam mir in den Sinn, auch das Erscheinungsjahr in meine Sortierung miteinzubeziehen. Und dabei fiel mir auf, dass manche Jahre jede Menge Lieblingsplatten hervorbringen, andere dagegen richtiggehend abstinken. Also hab ich mir in einem Anflug von Langeweile die Aufgabe gestellt, für jedes der letzten 40 Jahre ein Lieblingsalbum zu benennen. Und dabei erst wieder gemerkt, dass die Achtziger nicht wirklich meine Dekade sind. Mehr noch fiel mir auf, dass ich zumindest hinsichtlich der Siebziger und Achtziger viel eher dazu neige, mein Herz an große und dennoch integre Namen zu verschenken, während die letzten 25 Jahre deutlich stärker von Indie geprägt sind. Vor allem in den Jahren 1980, 1981 und 1985 musste ich wirklich lange, lange kramen, um eine Platte zu finden, die mir tatsächlich etwas bedeutet. In einem Jahr wie 1997 dagegen hätte ich leicht 5 Alben nennen können, die ich sehr verehre. Im Zweifel habe ich vereinzelt zwei Werke genannt, weil ich mich einfach nicht für eines entscheiden mochte. Auffällig ist in meiner Liste natürlich auch der Umstand, dass einige Singer-Songwriterinnen und Bands wahre Herzensangelegenheiten sind. So habe ich Bruce Springsteen, Joni Mitchell, Paul Simon, The Magnetic Fields, Tom Waits, Mazzy Star sowie Placebo gleich mehrfach aufgeführt. Doch neben offensichtlichen Präferenzen hat mich das Wühlen durch die Jahrzehnte auch an Platten erinnert, die ich eigentlich ohne triftigen Grund lange, lange nicht mehr gehört habe. Wieso nur habe ich Nick Caves The Boatman’s Call schon ewig nicht mehr gelauscht? Das Stöbern in der Sammlung ist Anlass genug, mich von nun an nicht immer nur den neuesten Veröffentlichung zu widmen. Doch genug der Worte! Hier also nun 40 Jahre Musik, dokumentiert anhand von 46 Alben! Vielleicht ist ja das eine oder andere interessante Werk für den Leser eine Entdeckung wert!

1975
wishyouwerehere_cover
Pink FloydWish You Were Here

1976
hejira_cover
Joni MitchellHejira

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Schatzkästchen 30: Wanda – Bussi Baby

Wanda, die coolen Reanimateure des Austropop, haben wieder zugeschlagen. Nicht einmal ein Jahr nach ihrem sagenhafte Debüt Amore bescheren uns die Wiener mit Bussi Baby bereits den ersten Vorboten der für Oktober angekündigten Platte Bussi. Das Lebensgefühl von Amore findet sich auch beim neuen Lied wieder. Die Stärke der Band liegt zweifelsohne darin, all die Besonderheiten der österreichische Mentalität abzubilden: Sudernder Überschwang, das kleine bisschen Morbidität, jede Menge Schlawinertum. Und natürlich Charme! Jener Charme war es denn auch, der Wanda in Rekordzeit Jubel in deutschen Gazetten einbrachte. Gute deutsche Bands sind nämlich oft visionär oder rebellisch, charmant sind sie hingegen in aller Regel nicht. Wandas bewusst ungelenker Charme, ihr unbefangenes Bekenntnis zum österreichischen Zungenschlag haben in ihrer Heimat ein Stück Zeitgeist eingefangen und sogar hierzulande eine Sehnsucht geweckt. Schatzkästchen 30: Wanda – Bussi Baby weiterlesen

Musik, der man nicht auf die Brüste schaut – K.Flay

Pop meets Hip-Hop meets Indie. Zugegeben, diese Formel garantiert zwar noch nicht, dass das Resultat geschmackssicheren Zeitgenossen wirklich hörbar erscheint, aber in diesem Zugang liegt zweifelsohne Potential. Vielleicht lauert in diesem Dreiklang sogar die Chance, aus allen Genre-Stereotypen auszubrechen. Und gerade Hip-Hop hätte eine Neuorientierung bitter nötig. Der US-Amerikanierin Kristine Flaherty gelingt unter ihrem Bühnennamen K.Flay ein nie langweiliges Debüt. Life As A Dog ist eine Platte voller Verve und Aufmüpfigkeit, tatsächlich um die Ecke denkend. Endlich einmal ist es keine Bitch und keine Sexbombe, die hier im Sprechgesang den Machismo einer Gesellschaft spiegelt und zugleich bedient. Und es scheint leider kein Zufall zu sein, dass K.Flay wohl auch deshalb so sein kann, wie sie sein will, weil sie eben nicht der afro-amerikanischen Bevölkerungsgruppe angehört. Der Pressetext zur Platte verweist weiters nicht zu Unrecht auf die Neunziger-Indie-Ikone Liz Phair. Denn auch K.Flay kommt eher aus der widerspenstigen, unangepassten Ecke. Dazu gesellt sich noch der Wunsch nach Selbstbestimmtheit und der Post-Feminismus einer Lena Dunham. So klingt Musik, der man nicht auf die Brüste schaut.

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Falsche Bescheidenheit einer stupenden Band – Maff

Wenn man über die Band Maff etwas weniger Schmeichelhaftes sagen will, dann dass die Formation aus der chilenischen Hauptstadt Santiago wohl nicht den formidabelsten Bandnamen ersonnen hat. An der stupenden Musik der gleichnamigen, vor wenigen Wochen veröffentlichten EP lässt sich dagegen kein Makel finden. Als ich über diese EP beim Kollegen Nicorola gestolpert bin, war es sofort um mich geschehen. Maff stehen für eine vielfältige Mischung aus Shoegaze, Post-Punk, Indie-Rock und Post-Rock. Bei praktisch jedem Track wird ein anderer Akzent gesetzt. Das acht Songs und einen Radio Edit umfassende Werk als EP zu bezeichnen, scheint ohnehin falsche Bescheidenheit zu sein.

Doch sehen wir uns die Stücke ganz kurz näher an. Beim grandiosen, majestätischen Walking On Fire etwa dominiert Post-Rock, der wie eine Mixtur aus And So I Watch You From Afar und Explosion In The Sky und einer sehr melodisch gestimmten Alternative-Rock-Kapelle klingt. Someday dagegen mutet nach einer shoegazigen Nummer aus den Neunzigern an, ein Konglomerat aus Low, Yo La Tengo und His Name Is Alive vielleicht. Falsche Bescheidenheit einer stupenden Band – Maff weiterlesen

Mit Intellekt und Schlichtheit zu neuen Horizonten – MyKungFu

Singer-Songwriter-Nachdenk-Pop aus der Schweiz, vorzüglich melodisch gesponnen, in den Texten das Gefühlschaos des Alltags thematisierend. Das alles riecht gewaltig nach einer Platte für Feingeister. Der Schweizer Domi Schreiber hat mich mit seinem Projekt MyKungFu bereits 2013 überzeugt. Das Album Repeat Spacer hat mit Kopflastigkeit, Wagemut und zartbitterem Pop zu punkten gewusst. Und ähnliches lässt sich auf über Hiergeist Pt.1 sagen. Wer zu Komplikationen neigt, sie zumindest aber zu schätzen weiß, wird an den Lyrics gefallen finden, wer unaufdringlichen Harmonien huldigt, wird von der hintergründigen Musik angezogen sein. Hiergeist Pt.1 offenbart sich als Kleinod-Pop, der die richtige Balance aus Intellekt und Schlichtheit findet.

MyKungFu

Eines der Highlights des Albums ist fraglos der Song Gospel. Einer sonnigen Melodie, die mich aus irgendeinem Grund an George Harrison erinnert, stehen die Zeilen „You have the time of your life/ And no one’s there to see/ Your world standing still/ Right here, right now“ zur Seite. Was nach warmer Euphorie schreit, nach einem Idyll in der Abgeschiedenheit tönt, wird fast trocken dargeboten. So sehr der Song den Pop bejaht, so sehr verweigert er sich Herkömmlichkeiten. Mit Intellekt und Schlichtheit zu neuen Horizonten – MyKungFu weiterlesen

Florence goes Eighties, nur besser! – The Mynabirds

Florence Welch goes Eighties. Diese Assoziation kam mir gleich bei den ersten Takten der Platte Lovers Know. Und meist prägt ja der erste Gedanke die Art und Weise, wie man ein Album in seiner Gesamtheit wahrnimmt. Dieser Eindruck hat mich dann auch das gesamte Werk nicht mehr wirklich losgelassen. Meiner bescheidenen Meinung nach könnte Laura Burhenn und ihrem Projekt The Mynabirds mit Lovers Know der verdiente kommerzielle Durchbruch vergönnt sein. Denn das Achtziger-Revival ist noch lange nicht vorbei, fiebriger Pop samt omnipräsentem weiblichem Gesang scheint ebenfalls weiterhin angesagt. Solch Mischung aus Nostalgie, Kommerz und Indie-Attitüde erfüllt somit alle Kriterien, um Musikhörer zu enthusiasmieren.

Wie bereits erwähnt ist es der Opener All My Heart, der den Tonfall setzt: „But when I love I love with all heart/ I’d walk through hell for just one kiss/ I’d give everything I have for a minute more of this„. In diesem Liebeshunger, der ohne Rücksicht auf Verluste bejaht wird, steckt viel weibliche Leidensfähigkeit, zugleich lässt der markige Vortrag keinerlei Unterwürfigkeit aufkommen. So – und nicht anders – tönt Female-Fronted-Pop voll Strahlkraft! Burhenn verkörpert das ikoneske Element der Achtziger, teilt sich mit Florence Welch den sinnlichen, heißblütigen Ausdruck. Und ab und an schimmert sogar die eine oder andere schwedische Pop-Prinzessin durch. Florence goes Eighties, nur besser! – The Mynabirds weiterlesen