Lamourhatscher

(Österreichische Umgangssprache: Langsames Liebeslied zu dem getanzt wird)

Es sind die kritischen Momente des jugendlichen Drangs nach Erfüllung. Auf Geburtstagsfeiern, wenn die Aufpasser die Anzeichen kuscheliger Launen erkennen und dezent das Weite suchen, bei sommerlichen Feten, wenn ein Tag voll Sonnenstrahlen Körper und Seele mit Wonne vollgepumpt hat und der abendliche Dämmer die Hormone zum Tanz ums Lagerfeuer bittet. In solchen Augenblicken bricht die Stimmung in ruhige Sphären, werden die Lichter weniger, fliehen unausgesprochene Versprechen nach Körperkontakt durch die Runde. Irgendein Messias vernimmt die Signale, kapert die DJ-Position und lässt schleichende Balladen aus den Boxen wummern.

So war es früher, so wird es heute auch noch sein. Die Lieder ändern sich, die Gesichter wechseln, jedoch nie die pubertären Sehnsüchte. Die Jungen krallen sich Mädels, strömen in Hierarchien dem engumschlungenen Tanz entgegen. Süßer Boy wählt sexy Girl, Durchschnittsjunge krallt sich Allerweltsmädel, man nimmt was zu haben ist. Die Gier nach Berührung senkt die Attraktivitätsschwelle. Mit jenem Ritual wird klar Schiff gemacht, man schippert dem Erwachsenwerden entgegen, lässt von den Losern die Fingern, hat die Kriterien für eine Partnerwahl kapiert.

Das Wesen des Lamourhatschers liegt im Versuch den eigenen Körper möglichst fest an sein Gegenüber zu schmiegen. Der Tanz definiert sich in einer Gewichtsverlagerung von einem zum anderen Bein. Mit sachtem Wippen schiebt sich Becken an Becken, während die Arme den Rücken des oder des Auserwählten umschränken. Ist dies geschafft und Wange an Wange geschmiegt, stolpert man mit voller Wucht in die kritische Phase. Küsse werden versucht, erwidert oder abgewehrt, der Kampf um Zeichen der Zuneigung ist entbrannt.

Diese Momente definieren uns, verfolgen uns bis zum Ende. Wer hier erfolgreich ist, darf auf eine helle Zukunft als Liebhaber hoffen. Jene, die zurückgewiesen werden, sind mit einem unsichtbaren Stigma befleckt. Die Verlierer können nie Liebe finden, bleiben für immer von Einsamkeit umgeben. Der Fluch des Lamourhatschers wird sie nie verlassen.

Abschließend seien noch meine drei Lieblingsvertreter des Genres genannt:

Procol Harum – A Whiter Shade Of Pale

The Moody Blues – Nights In White Satin

Nazareth – Love Hurts

SomeVapourTrails

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