Trau keinem Robin Hood

Dieser Tage schwingen sich manch findige Geschäftsleute zu Befreiern der Musik auf. Alles worüber sich RIAA (in den USA) und IFPI (weltweit) aufregen könnten, wird zum neuesten Chic hochstilisiert. Der Hype des Verbotenen lockt die User-Massen, die das Internet noch immer als Wilden Westen verstehen. Jedweder Nutzer solcher Dienste sieht sich nicht als Gesetzesbrecher, argumentiert vielmehr mit großspurigem Selbstbewusstsein, dass die Musikindustrie doch so reich, böse, gierig und was auch immer sei. Öffnen wir doch für einen Moment lang die Augen und richten den Fokus auf die drei Gs – Gier, Geiz und Geld.

Gier

Jüngstes Beispiel für nonchalantes Ignorieren von Copyrights ist der Streaming-Dienst Muxtape. Das Prinzip von Muxtape ist simpel: Lade 12 Titel deiner Wahl auf den Server hoch, verbräme sie liebevoll als Playlist deines Herzen und biete sie zum Streamen innerhalb der Community an. Verkitsche die Idee mit der behübschten Erinnerung an die gute alten Zeit der Leerkassetten, die damals in liebevoller Kleinarbeit und unter grüblerischer Einbeziehung aller Hirnwindungen zusammengestellt wurde. Vergiss die Bagatelle, dass du damals ja auch nicht jedem Fremden ein solches Mixtape in die Hand gedrückt hast. Üb vor dem Spiegel, wie du im Brustton breiter Überzeugung sagst, dass dies ohnehin nur Werbung für deine Lieblingsbands sei. Und voilà, schon bist du Muxtape.

Was bleibt ist die Tatsache, dass die Erfinder solcher und ähnlicher Dienste dies auch aus pekuniären Gründen tun. Noch ist keine dieser Firmen als Non-Profit-Organisation in die Annalen eingegangen. Wie authentisch sind also die neuen, ach so revolutionären Konzepte der Musikverbreitung? Wird hier nicht im Namen der Gewinnmaximierung eine Befreiungstheorie gezimmert, wonach Muxtape und Konsorten doch nur die festgelegten Trampelpfade der Musikindustrie verlassen wollen? Dies wäre schon eher glaubhaft, wenn für das Streaming auch Tantiemen an die RIAA gezahlt würden. So hingegen bleibt die Frage, warum Muxtape für Inhalte, deren Rechte es nicht besitzt, durch ein Partnerprogramm mit Amazon Geld verdient, aber selbst keinerlei Abgaben zahlen will. Das riecht nach Gier und einem windschiefen Geschäftsmodell.

Geiz

Die zur Schau gestellte Naivität der Benutzer solcher Dienste ist rührend, jedoch tarnt sich dahinter doch nur eine Mentalität des Geizes. Alles muss umsonst jederzeit und immer abrufbar sein. Keine Kosten, nur Fun! Diese Attitüde ist so schlicht wie sie falsch ist. Die ewige Leier über die geldgeile Musikindustrie ist kalter Kaffee. Umsatz und Gewinn gehören auch zu den feuchten Träumen von Aldi und Karstadt, dennoch ist der Prozentsatz der Diebe wohl gering, verglichen zu der Legion von Usern fragwürdiger Filesharing-Hybride.

Geld

Solange es das derzeitige kapitalistische System gibt, solange werden Label und Künstler ein Interesse daran haben, dass der eine oder andere Euro in ihre Taschen fließt. Dies ist legitim. Aber! Die Umsetzung des Bestrebens erscheint mangelhaft und konsumentenfeindlich. Die im Zusammenhang mit Copyright-Verletzungen lancierte Vorratsdatenspeicherung erachte ich für eine Schritt in Richtung einer völligen Überwachungsgesellschaft. Aber Hand aufs Herz, wenn es um Geldanhäufung geht, sind solch Skrupel doch fehl am Platz. Zumal eine kritische Masse an Internetnutzern selbst das Grab mitgeschaufelt hat, in welches sich nun die Freiheit des Internets bettet.

Weiterführende Links:

http://muxtape.com/

http://www.rollingstone.com/rockdaily/index.php/2008/08/19/muxtape-shut-down-for-brief-period-by-riaa/

http://futurezone.orf.at/produkte/stories/296181/

SomeVapourTrails

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