Des Taugenichts Faible für Indie

Sag mir, ob du deiner Mutter vertraust, und ich sage dir, welche Musik du hörst.

Ganz ohne Blick in die Glaskugel. Gestehe, dass du Drogen nimmst, und ich verrate dir, ob deine Mariah Carey CDs ins Nirwana der Mülldeponie eingehen müssen. Dazu bedarf es keines Hokuspokus. Statistische Auswertung heißt das Zauberwort.

Die Mäander der wissenschaftlichen Forschung scheinen bisweilen in Sensationslust verheddert. Will ein ehrenwerter Professor ins mediale Rampenlicht dackeln, dann doch entweder durch Entdeckungen ungeahnter Tragweite oder aber mit sensationslüsternen Enthüllungen über Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll.  Ersterer Ansatz setzt unzählige Stunden des Schuftens und Rackerns voraus, zweiteres lediglich ein Grund-Know-how in Sachen Vermarktung.

Was ist nun von dem Versuch zu halten, den komplexen Aufbau der Persönlichkeit anhand des Parameters Musikgeschmack zu erklären? Genau dies hat Professor Adrian North von der schottischen Heriot-Watt University getan. Ein über 36000 Mal ausgefüllter Online-Fragebogen liefert die Basis für Rückschlüsse und Schnellschüsse. Der Teilnehmer wird zu einem von mehreren Umfrage-Formularen geschleust und darf dabei – mit ein wenig Pech zur Survey01 – Antworten abliefern, welche den Schäubles der Welt einen wohligen Schauer über den Rücken zaubern. Ungeschützter Sex ist ebenso ein Thema wie Sachbeschädigung und Drogenverkauf. Andere Fragebögen hingegen interessieren sich mehr für das Verhältnis zu Mutter, Vater und Partner. Ab und an geht es sogar um musikalische Vorlieben, man glaubt es kaum! Die kunterbunte Summe der erhobenen Daten scheint ein recht stimmiges Bild über Korrelationen zu liefern. Werfen wir nun ein bis zwei Äuglein auf die Resultate der bahnbrechenden Studie.

Lassen wir uns auf das Schubladendenken ein:

Freunde des mainstreamigen Pops haben hohes Selbstbewusstsein, sind nicht kreativ veranlagt, arbeiten jedoch hart. Sie sind kontaktfreudig und zärtlich, jedoch selten ungezwungen.

Liebhaber von Indie-Musik besitzen wenig Selbstvertrauen und können auch nicht mit Arbeitsattitüde oder Sanftmut punkten. Dafür dürfen sie sich kreativ schimpfen.

Fans des Bollywood-Genres dagegen sind einfach dufte, aufgeschlossene, schöpferische Wunderwuzzis.

Last but not least:

Heavy-Metal-Connaisseure scheinen völlig anders als die ach so verbrämten Stereotypen vermuten lassen. Sie sind kreative, introvertierte, sensible Knuddelmonster, die in ihrer Freizeit auch klassische Musik hören könnten. Wow!

Was lernen wir nun daraus? Wohl dass Menschen, deren Herz für Alternative schlägt, in die Kategorie unwerten Lebens fallen. Taugenichtse halt! Kein Wort der Widerrede! Denn der Gral der Statistik ist unantastbar.

Amen!

SomeVapourTrails

Links:

http://www.peopleintomusic.com/

BBC Bericht über die Umfrage



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.