So nicht, Freundchen! – AC/DC versus iTunes

AC/DC boykottieren iTunes. Weil man bei iTunes Album-Tracks auch einzeln kaufen kann, AC/DC-Gründer Angus Young das Album jedoch in seiner Gesamtheit an Mann/Frau bringen will. Man mache schließlich keine Singles, vielmehr Alben, so Young.

So nicht, Freundchen möchte man dem werten Herren zurufen. Stirnkräuselnd nimmt man mit schierem Erstaunen zur Kenntnis, dass anscheinend noch niemand den in die Jahre gekommenen Rockern das kleine Einmaleins des Internet-Zeitalters nahegebracht hat. Eine der Errungenschaften dessen besteht darin, dass sich der Konsument nicht länger mit CDs herumschlagen muss, die neben 2-3 guten Liedern jede Menge mediokres Füllmaterial beinhalten. Was früher unter dem Aspekt „Ohren zu und durch!“ abgehandelt wurde, wird nun nonchalant ignoriert. Das könnte doch den Künstlern als Ansporn für überlegte Album-Produktionen dienen, eine Qualitätsoffensive mit sich bringen, lieblos zusammengeschusterte Alben, die lediglich unter kommerziellen Gesichtspunkten auf den Markt geworfen werden, verhindern.

Man kann sich freilich auch unbelehrbar zeigen und der guten alten Zeit hemmungsloser Abzocke frönen. Dass AC/DC den Zenit ihrer Schaffenskraft vor über 30 Jahren bereits erreicht und seitdem nichts Weltbewegendes mehr verbrochen haben, sei hier nur am Rande erwähnt. Wie in der Bloggerszene bereits scharfsinnig erkannt, hätte AC/DC das Album ja auf einen einzigen 60 Minuten dauernden Track komprimieren können, wenn erst die Gesamtschau dem neuen Opus Black Ice gerecht wird. Doch so originell wollte/konnte man dann doch nicht sein.

Wenn man nun auch das suboptimale iTunes vor ignoranten Alt-Rockern in Schutz nehmen muss, dann schlackert man zuerst einmal ordentlich mit den Ohren. Freilich gibt es Gründe iTunes nicht zu mögen und auch zu boykottieren. Die magere Gewinnspanne der Künstler wäre einer davon. Allerdings besteht das revolutionäre Konzept von iTunes auch darin, dass es die diversen Abzockstrategien der Plattenindustrie auf eine, ein bisschen nutzerfreundlichere Abzocke seitens Apple eingedampft hat. Ehre, wem Ehre gebührt. Dass sich AC/DC iTunes verweigern, mag eine nette Idee sein, um Aufmerksamkeit für eine Album zu generieren, welches auf anderem Weg wohl keinerlei besondere Beachtung gefunden hätte.

Was ist die Moral von der Geschichte? Lassen wir uns nicht von Ewiggestrigen in die Suppe spucken. Legen wir den Mantel des Vergessens über eine Band, deren überschätztes Gedudel vor 30 Jahren schon nicht gut war und es heute erst recht nicht ist. Fallen wir nicht auf das erpresserische „Friss oder stirb!“ rein. So frei es jedem Künstler auch steht, die Rahmenbedingungen für die Veröffentlichung seines Werkes selbst zu bestimmen, so frei sollte auch der Musikliebhaber im Ausleben seiner Leidenschaft sein. Sich dem Internet-Zeitalter zu verweigern ist legitim, es mit Phrasen zu verteufeln hingegen billig.

Link:

Rolling Stone

SomeVapourTrails

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