Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff?

Wenn die Musikbranche feiert, dann redet sie Probleme und Krisen schön. Und die diesjährige Echo-Verleihung bietet wiederum die Möglichkeit, die Marketing-Abteilungen der Plattenfirmen hochleben zu lassen. Sind doch unter den Nominierten nur Künstler, mit welchen sich auch in allgemein – und speziell für die Musikindustrie – schweren Zeiten Geld scheffeln lässt. Dieser Umstand ist teilweise im Charisma der Erfolgsgaranten begründet, öfters jedoch durch gelungene Werbefeldzüge erklärbar.

Der offizielle Internetauftritt zur Preisverleihung wartet mit einem Statement des Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbandes Musikindustrie e.V., Dieter Gorny, auf, in welchem der Echo als Erfolsgsgradmesser des vergangenen Jahres bezeichnet wird. Unter diesem Aspekt hat diese Preisvergabe auch eine Berechtigung. Die im Grußwort getätigte Aussage („Und doch ist Musik anders. Im Kern entzieht sie sich einer rein ökonomischen Betrachtung. Hier geht es um Kreativität, um Kultur und um Kunst.„) klingt zwar überaus herzerweichend, hat mit dem Echo selbst jedoch herzlich wenig zu tun. Der Echo bildet Erfolg ab, messbaren finanziellen Erfolg, wie ihn die Zahlen der Verkaufscharts ausdrücken. Und dieser Erfolg lässt sich auf einige Faktoren herunterbrechen, von denen die Kreativität selbst als vernachlässigbare Größe übrigbleibt. Das Produkt (die Single oder die Platte) muss, nachdem es die Hürden des Herstellungsprozesses von der Idee zum physischen Wert genommen hat, an Mann/Frau gebracht werden, den Kunden erreichen. Und genau diese Etappe wird prämiert. Die Art und Weise wie man für den Kauf der Ware wirbt und den potentiellen Käufer becirct. Dabei ist eine gewisser qualitativer Mindeststandard nötig, die Optik und das Image des Werbeträger (sprich des Künstlers) ebenfalls entscheidend. Doch ohne die mit hohem finanziellen Aufwand geführte Bekanntmachung bliebe pekuniärer Segen aus.

Lassen wir uns vom Glitter und Glamour nicht täuschen. Der Echo ist wie fast jede Preisverleihung eine Inventur, die die Künstler nennt, welche eben nicht am Wühltisch zu finden sind, vielmehr Geld in die maroden Kassen pumpen. An Kategorien mangelt es dem Echo nicht, freilich die Auszeichnung derer, die das alles vermarktungstechnisch auf den Weg bringen, findet nicht statt. Die Strippenzieher hinter dem Comeback von Udo Lindenberg bleiben ebenso unerwähnt wie die Genies, die das Kunststück vollziehen Sarah Connor nach wie vor als Sängerin firmieren zu lassen. Das ist es, was die Glaubwürdigkeit der Chose mindert.

Ob die diesjährige Vergabe des Echos nicht auch unter dem Motto „Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff“ stehen könnte? Der von der Branche seit Jahren immer wieder beweinte Umsatzrückgrang bei den Verkäufen wird durch die nun allgegenwärtige Krise sicher keine Trendumkehr erleben. Ob es wirklich hiflt, die letzen Zugpferde der Branche als Attraktionen durch die Manege zu hetzen? Und scheint es wirklich ein gutes Zeichen, wenn LaFee eines dieser Zugpferde ist? Was bleibt ist eine im Fernsehen übertragene Liveshow, Leistungsschau einer Branche, welche mangels neuer Konzepte aus dem letzten Loch pfeifend dem eigenen Kollaps entgegenstrauchelt.

SomeVapourTrails

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