Da wird ja das Huhn in der Pfanne verrückt – ein Skandal, der keiner ist!

Am Anfang war nie das Wort, da irrt die Bibel, am Anfang steht ein Gerücht. Wie so oft beginnt ein Skandal mit einem Gerücht. Die Musik-Community Last.fm, die es ihren Benutzern erlaubt Profile anhand von Hörgewohnheiten zu erstellen und zu diesem Behufe die Daten, der am Computer gehörten MP3s auf die Webseite überträgt und dort in appetitlich-grafischen Happen serviert, eben diese Musikseite soll die Daten derjenigen User, in deren Hörverlauf unveröffentlichte Albumtracks auftauchen, an die RIAA übermittelt haben. Schließlich können die Hörer dieser noch nicht im Handel erhältlichen Songs selbige wohl kaum auf legalem Wege ergattert haben. Die ewige, leidliche Copyright-Debatte höre ich manch bewanderten Leser seufzen…

Für die mit der Materie weniger vertrauten Besucher unseres Blogs behübschen wir die Protagonisten nochmals mit biblischen Termini. Last.fm ist irgendwie Judas. Anfangs supergut und im messianischen Auftrag neue musikalische Dimensionen auszuloten unterwegs. Dann kam das Teufelswerk CBS und bestach Last.fm, stahl die Seele. Und gewissen- und seelenlos wie Last.fm nun angeblich ist, schlachtet es die Unschuldslämmer (sprich: Benutzer), in dem es die Daten an den Advocatus Diaboli, nämlich die RIAA, weiterreicht. So zumindest lautet der das Internet durchwehende Gerücht. Noch dazu geht es nicht um irgendwelche unveröffentlichte Lieder, die da nun auf den diversen Last.fm-Profilen als gehört aufscheinen. Nein, es handelt sich um die Tracks der neuen Platte von U2. Superstars eben, die seit 10 Jahren mediokre Alben auf den Markt werfen und nach wie vor Käufer finden. Aber eben nicht mehr so viel wie in der guten alten Zeit – und dies hat sicher nichts damit zu tun, dass der Output der Band von einstige Höhen in ungeahnte Tiefen schlittert. Nö, das sind einzig die bösen Filesharer, gell?

Stellen wir uns nun abseits der Polemik ein paar knackig-kurze Fragen.

1.) Hat die Plattenfirma U2s oder auch die die Plattenindustrie in den USA vertretende RIAA ein Recht darauf benutzerbezogene Daten von Last.fm zu verlangen, wenn der Verdacht eines illegalen Erwerbs gegeben ist?

2.) Wie wahrscheinlich ist es, dass die auf Last.fm sich outenden Hörer zur Gänze aus mit Promo-CDs bemusterten Musikjournalisten sind?

3.) Ist dieses Gerücht, wenn es denn stimmt, wirklich ein Skandal oder vielmehr natürliche Selektion, die unterstreicht, dass man eigene Daten eben nicht sorglos in die Schlünde der Musikindustrie werfen sollte, wenn man dem Filesharing frönt?

Ich glaube diese 3 knappen Fragen umspannen die Problemstellung recht gut. Das lustige, weil verbotene Downloaden von Musikdateien via P2P ist sowohl rechtlich hochproblematisch als auch moralisch verwerflich. So zumindest der Standpunkt unseres Blogs. Mit diesem illegalen Erwerb noch vor Veröffentlichungstermin des Albums auf Last.fm zu protzen hat schon eher etwas mit Gedankenlosigkeit und Dummheit zu tun. Dass die Musikindustrie sich jenen Köder nicht entgehen lässt und zubeißt, sollte jedem Menschen, der eins und eins addieren vermag, einleuchten. Zumal die Anzahl derjenigen Hörer, welche die CD vorab aufgezwungen bekommen haben, wohl in überschaubaren Grenzen liegt. Man mag Last.fm als Wolf im Schafspelz sehen, der gutgläubige User nun den Hyänen ausliefert, aber wenn man durch Anlegen eines Profils Unmengen an Daten liefert, sollte man nicht so naiv sein und erwarten, dass eben jene Daten nicht ausgewertet würden. Nur nochmals zur Erinnerung: In den Nutzungsbedingungen ist die Veräußerung der Daten explizit beschrieben. Gerade die Verwertung wird Last.fm viele Einnahmen bescheren, weil sie für die Plattenindustrie aussagekräftiger als jegliche Marktforschung sind. Illegal erhaltene, in der persönlichen Musikbibliothek auffindbare Titel gewähren Einblicke in Benutzerabgründe, etwaige unerwünschte Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen.

Links:

Ursprung des Gerüchts

laut.de-Story

SomeVapourTrails

2 Gedanken zu „Da wird ja das Huhn in der Pfanne verrückt – ein Skandal, der keiner ist!

  1. huhu, stars, es waren zumindest keine promo-cds für journalisten, die da im p2p gelandet sind. die undichte stelle ist also innerhalb der firma. quelle findste bei mir bzw beim torrentfreak. über das recht auf privatkopie (a.k.a. unkommerzielle weitergabe) brauchen wir nicht zu streiten, das haben wir ja schon zur genüge. ich glaube, die ganze aufregung ist künstlich, die „plattenbosse“ wissen längst, dass p2p keine verkäufe kostet, höchstens etwas kontrolle über den vertriebschannel. aber letztlich zählt der profit, nicht das ego.

  2. Deine Unwahrheiten werden nicht dadurch besser, dass du sie wiederholst. P2P bringt Verkaufseinbußen mit sich. Wieviel Bands und Artists kennst du, die dank P2P reich geworden sind? Wir jedenfalls kennen welche, die unter 1000 Stück verkauft haben (trotz Präsenz auf amazon, iTunes, eigenem Video, etc..), aber deren Album um ein Vielfaches über Torrent-Link-Seiten wie Saugstube geleecht wurde. Erklärst du solchen Künstlern auch deine krude Sicht der Dinge in nonchalanter Manier?

    P2P ist nicht übel, übel ist die Attitüde mit der es benutzt wird. Um, wie deine Argumentationsschiene wohl lauten wird, den Künstler oder die Band bekannt zu machen, reichen kleine Giveaways wie kostenlose Downloads oder freies Streaming auf MySpace.

    Ich habe keinesfalls nur ansatzweise geschrieben, dass Journalisten das Album auf P2P gebracht haben. Also nochmals lesen und verstehen versuchen.

    SomeVapourTrails

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.