Es gibt viel zu entdecken und wenig zu meckern…

Klar, das Musikbusiness ist echt zum Kotzen, ey! Immer dieselben Fressen und dahinter stecken die Beelzebuben der Musikindustrie, die einem doch glatt für gequirlte Scheiße Geld aus der Tasche ziehen wollen. Aber nicht mit mir, keine Cent bekommen die. Alles reiche Schnösel, die Musikheinis, die bereits frühmorgens zum Kaffee Hummer mit Kaviar-Trüffel-Dip schmatzen.

So oder so ähnlich argumentieren die mehr oder minder eloquenten Verfechter des Ich-will-mich-nicht-länger-abzocken-lassen-Lagers. Eine Kulturflatrate, die unbegrenztes Downloaden erlaubt, preisen viele als vortrefflichste Lösung. Die dem Wahnsinn der Marketing-Strategen entsagenden Indie-Künstler sind laut dieser Argumentationsschiene zwar die Guten, freilich warum sie vom Zusammenbruch des System profitieren und gleich Phönix aus der Asche steigen sollen, das wird nicht so recht verraten. Die Phrasendrescherei, wonach wahre Fans ohnehin kaufen und kaufen und kaufen, lässt nur zwei Rückschlüsse zu. Viele Nischenkünstler haben schlicht und ergreifend zu wenig Fans, um nur ansatzweise von ihrer Kreativität leben zu können. Oder aber die Anzahl derer, die Musik eben nicht als kostenlose Allgemeingut sehen und den Künstler auch finanziell unterstützen, ist eben doch gering. Die Mentalität des Geizes und die Gier immer mehr zu haben, diese Attitüden charakterisieren den Zeitgeist eventuell doch perfekt.

Aber werden wir doch mal ganz konkret. Die ausgemergelten Gesichter afrikanischer Kinder träufeln phasenweise zuhauf über die heimischen Bildschirme, die Antlitze hungernder Künstler, welche lediglich aus Haut und Knochen bestehen, sieht man nie. Die in kleinen Kemenaten aus zusammengeflicktem IKEA-Inventar hausenden Genies werden selten gezeigt. Stattdessen malt sich Otto Normalverbraucher das Musikerleben stets in den Dimensionen Coldplays aus. Nehmen wir Minotaur Shock als Beispiel. Ein Elektrofuzzi der besonderen Art, der Alben auf dem durchaus bekannten Label 4AD veröffentlicht hat und von der Fachpresse besprochen und gelobt wurde. Ein gemachter Mann, der von seiner Arbeit gut leben kann? Laut seiner Webseite stellt sich dies ein wenig anders dar. Der werte Herr David Edwards hat einen ganz normalen Tagesjob und frickelt in der Freizeit an seinen Kompositionen herum. Von den Plattenverkäufen scheint er sich ein Leben in Saus und Braus nicht leisten zu können. Und dass die Veröffentlichung von Alben längst nicht mehr das profitable Geschäft ist, bezeugt auch der Umstand, dass sein Label das letzte Werk lediglich als digitalen Download anbot, ehe eine glückliche Fügung doch noch die Herstellung physischer CDs erlaubte. Von wegen: Fans brauchen die Platte im Regal und so.

Amateur Dramatics von Minotaur Shock

Amateur Dramatics von Minotaur Shock

Erlauben wir uns eine winzige Conclusio aus den oben angeführten Gedankenfetzen. Solange wir Musik bewußt hören, solange sollten wir sie auch kaufen. Wenn wir ins Kino gehen, dann zahlen wir. Wenn wir zum Friseur gehen und uns verschönern lassen, zahlen wir auch. Warum zum Teufel soll die Verschönerung unseres Lebens in Form von Musik keinen müden Cent wert sein? Hören wir auf mit dem Gemecker über riesige Plattenlabelmoloche und die Auswüchse der Charts, entdecken wir die Vielfalt. Vielfalt darf und muss etwas kosten. Und die wichtigste Schlussfolgerung: Minotaur Shock anhören, staunen und abtauchen in wunderbare Sphären.

SomeVapourTrails

2 Gedanken zu „Es gibt viel zu entdecken und wenig zu meckern…

  1. Ich war die letzten 10 Tage auf Stufenfahrt mit Bus nach Spanien und zurück und da wurden natürlich in der endlosen Langeweile munter mp3-Player rumgereicht oder anderweitig Musik vorgespielt. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich gehört habe „Wie heißt das Lied? Das muss ich mir unbedingt runterladen, wenn ich wieder zuhause bin.“

    Irgendwo kann ichs ja sogar verstehen. Meine Musiksammlung (zu mindestens 90% ehrlich gekauft) ist nur einen Bruchteil so groß wie die der meisten anderen Jugendlichen. Und klar nervt das, wenn man bestimmte Platten haben will, aber grade kein Geld hat und deswegen das MySpace-Profil der Band zum besten Freund wird. Und wenn man dann gelegentlich mal was runterläd oder sich von einem Freund brennt – okay. Madonna, Coldplay und Co tut das ja auch nicht groß weh. Aber zumindest bei kleinen Indie-Künstlern sollte man noch den Anstand haben, die CDs zu kaufen.

  2. Es gibt zum Glück einige tolle Alben vollkommen legal + gratis.
    Schau unbedingt mal hier rein: Team Love Library http://team-love.com/library/ – da gibt’s jeden Monat neue kostenlose Songs + Alben – meist für begrenzte Zeit.

    Ansonsten geben wir ja auch hier den ein oder anderen Hinweis 😉

    Liebe Grüße
    DifferentStars

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