Trällern wie Gott in Frankreich – Lalah

Wenn mir die werte Mitbloggerin DifferentStars eine CD vor den Latz knallt, so wie sie einem räudigen Straßenköter einen Knochen vor die Füße wirft, und in ihren Augen dieses auffordernde Funkeln liegt, dann töst in meinem Kopf das roboterhaft geleierte „Muss rezensieren!“. Also gut, hören wir uns mal das Machwerk an…

Lalah nennt sich die Künstlerin, Ich wär so weit das Album. Hinter Lalah steckt Dörte Benzner, die laut Press Kit Komponistin, Sängerin, Schlagzeugerin und – so wörtlich – an guten Tagen Poetin ist. Nun schimpft sich ja eine erkleckliche Schar an Zeitgenossen Sänger und Poeten, in Berlin scheint es auf nahezu auf jedermann anwendbar, der nicht bei drei auf den Bäumen ist. Erkunden wir uns also mal die Platte an und schauen, was hinter den groß gespuckten Tönen steckt.

lalah
Lalah

Ich wär so weit ist ein absolut kurzweiliges, an Abwechslungen reiches Album, in welchem jedes Lied seine musikalische Eigenheit aufweist und mit inspirierten Lyrics daherdackelt, die noch keinen Rauschebart angestaubter Abgedroschenheit tragen. Was da in den Gehörgängen schunkelt, ist mit einer Menge Kreativität angereichert, ein Mehr an nur auf Betroffenheit getrimmte Texte. Das ausladend intonierte Zähmen wummert in der Manier eines James-Bond-Titel-Tracks durch die Boxen, das gespenstische Ich wär so weit flirtet mit Glubschaugen gen Trip-Hop-Attitüden. Über allem schwebt eine liebliche Stimme mit Biss, mehr als nur schieres Gesäusel, das gemahnt eher an ein cleveres, mitunter zärtliches Trällern wie Gott in Frankreich. Auch der ausgelatschte Groove spiegelt die Entspanntheit wider. Man dankt Gott, dass nicht wie so oft Ambition mit Angestrengtheit verwechselt wird.

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Kommen wir zu den Schwachstellen, die meiner Meinung nach rar gesät sind. Trotz des durchgängig hohen Niveaus der Scheibe ist kein absoluter Gassenhauer auf dem Album vertreten. Das ehrt Lalah einerseits – schließlich hat sie ein vielseitiges Werk ohne Füllmaterial abgeliefert, andererseits wird die unaufdringlich hohe Qualität wohl leider einmal mehr nur von absolut audiophil veranlagten Fetischisten wahrgenommen. Schade, denn herrlich verquere Tracks wie die sehnsuchtsvolle Ode an die See in Form von All meine Liebe oder auch das spritzige, wortspielerische Duett Vergessen mit der nett getröteten Trompete unterhalten ungemein.  Der unprätentiöse, chansonesque Vortrag von Nicht mehr verliebt wäre ein weiteres Beispiel für die Vielseitigkeit eines gut produzierten Albums, dessen Eroberung dem Hörer sehr zu empfehlen ist. Auf alle Fälle verifiziert Frau Benzner die These, dass intelligentes deutschsprachiges Songwriting mitunter federleicht vorgetragen kann, ohne dass man mit dem Holzhammer der Bedeutungsschwere erschlagen wird.  Weiter so! Und ein Dank an meine Mitbloggerin, die mich zu diesem Hörerlebnis gezwungen hat.

Lalah – EPK – Album – Ich Wär So Weit

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