Werben für die gute Sache?…oder: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

Laut gegen Nazis – auch ich habe diese Verein in meine Myspace-Freundesliste aufgenommen. Um ein Zeichen zu setzten. Wobei ich auf Last.Fm immer sehr erstaunt war, wieviele User sich dort in den Anti-Nazi-Gruppen tummeln und wie wenige sich trauen ihren Mund aufzumachen. SomeVapourTrails und ich haben uns eine Zeitlang aufgerieben in Diskussion mit dem Last.Fm-Staff und anderen Usern ob der inakzeptablen Toleranz der Last.Fm-Geschäftsführung gegenüber den Nazis, die sich dort frei ausleben dürfen.

Aber nun zurück zur aktuellen Aktion von Laut gegen Nazis. Die Grundidee ist gut.  Im Kontrast zu den bei der Fußball-WM viel diskutierten NO-Go-Areas, sollen jetzt bewußt GO-Areas markiert werden.

Hier ein Auszug aus dem Myspace-Bulletin:

Zusammen mit Gastronomie- und Hotelbetrieben aller Art möchten wir nun ein Zeichen für Toleranz und Demokratie, gegen Rassismus und Antisemitismus setzen. Neben Informationen zum Umgang mit auftretender rechter Gewalt bzw. rechtsextremen Äußerungen im eigenen Hause, bekommen die teilnehmenden Gastronomen einen Aufkleber, der an die Fensterscheibe/Tür geklebt werden kann. Dieser Aufkleber symbolisiert zugleich die Teilnahme an der Gastronomie „GO Area“ Aktion, sowie die tolerante und demokratische Einstellung, die der Betrieb damit öffentlich macht und zeigt, dass Gastfreundschaft und Zivilcourage eine Selbstverständlichkeit sein sollten.

Des Weiteren erhält jeder Teilnehmer eine Präsenz auf unseren zwei Internetseiten www. lautgegennazis. de und www. myspace. com/gastronomiegoarea.
Im Sommer ist außerdem die Produktion eines Reiseführers geplant, der alle teilnehmenden Betriebe beinhaltet und in den Tourismuszentralen bundesweit ausgelegt werden soll.

Die Teilnahme kostet von 50,- € bis zu 150,- € – je nach Betriebsart.

5,- € davon gehen jeweils an den Laut gegen Nazis e.V. und an die Amadeu Antonio Stiftung.

[….]

Du kannst uns helfen, indem Du in Deiner Stadt Gastronomie- und Hotelbetriebe über die bundesweite Gastronomie „GO Area“ Aktion informierst.

[…]

Für jeden Gastronomen, der nach Deiner Information teilnimmt, bekommst Du jeweils 5,- € von den 50,- € als Provision.

Meine Kritikpunkte:

1. Die Betriebe zahlen zwischen 50 und 150 Euro, je 5 Euro davon gehen an Laut Gegen Nazis, die Amadeu Antonio Stiftung und den Werbenden. Bleiben zwischen 35 bis 135, die in die Produktion des Reiseführers fließen – klingt ein bisschen nach einem als guter Zweck getarnten, gewerblichen Projekt.

2. Wir leben hier am Rande von Klein-Istanbul, solche Angebote würden bei uns besuchten Locations zu Recht mit Gelächter bedacht – fremd sind hier nur die, die noch nach arisch Reinem suchen.

3. Gerade in den Gegenden, in denen GO-Areas nötig sind, wird allein die Teilnahmsprämie eine Hürde sein.

4. Wenn ich von einer Aktion überzeugt bin, will ich nicht als Werbender bezahlt werden. Alles andere ist zynisch.

Was haltet ihr davon?

DifferentStars

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