Der letzte Elvis – Chris Isaak

Manch Musiker rackert sein Leben lang, kreiert leidenschaftliche Melodien und betört Fans mit stimmlichem Hochglanz – und dennoch ist ihm beziehungsweise ihr der große Hit nie vergönnt. Dieses Schicksal ereilte Chris Isaak nicht. Mit Wicked Game gelang ihm die Becircung einer breiten Öffentlichkeit. Und obwohl Isaak seit 25 Jahren Alben veröffentlicht, viele seiner Lieder den stimmungsvollen Soundtrack für Meisterwerkliches von David Lynch und Stanley Kubrik lieferten, wird der werte Herr zumindest in unseren Breiten immer auf das Wicked Game reduziert werden.

Mit seinem warmen oft vom Country inspirierten Rock und dem unverkennbaren Schmelz in der Stimme wirken die Lieder oft wie ein Zeitensprung in die 50er-Jahre. Ob im balladesken Ausdruck oder im Rocken, als ob es kein Morgen gäbe – niemand außer Isaak klingt so modern altmodisch. In wenigen Tagen nun erscheint eine Art Comeback-Album, die erste mit neuem Material veredelte Platte seit 2002. In den USA war Isaak als TV-Persönlichkeit auch in der Zwischenzeit präsent, in Deutschland freilich mögen ihn viele ein wenig aus den Augen verloren haben. Mr. Lucky ist der Titel der kleinen Wiederauferstehung. Doch der Name täuscht, das Leiden und Wimmern seiner schönstens Songs wie Nothing’s Changed, There She Goes oder Two Hearts ist auch nach dem ersten Eindruck noch immer erfühlbar.

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Auf gewisse Weise stellt Isaak die fleischgewordene Kreuzung aus Roy Orbison und Elvis Presley dar. Und das Kunststück daran liegt in der Authentizität. Man ahnt, dass dies kein marketingtechnisches Image ist, welches er lediglich gekonnt zu transportieren versteht. Mit Mr. Lucky setzt Isaak die Stagnation auf nettem Niveau fort, wenngleich er an die tollen Alben Heart Shaped World, San Francisco Days und Forever Blue, allesamt aus der Blütezeit Ende der 80er bis Mitte der 90er Jahre, nicht mehr anzuknüpfen vermag. Nichtsdestotrotz sind die Charakteristika seinem Schaffens noch immer dieselben, höchstens eine Spur beliebiger und glattgebügelt umgesetzt. Songs wie Cheater’s Town jedoch atmen noch eine gewissen Charme.

Dem letzten Elvis sei jedoch eine Chance vergönnt und Genre-Fans auf die demnächst in den Regalen befindliche CD verwiesen. Wer den werten Herrn Isaak noch nicht für sich entdecken konnte, dem freilich seien die in Würde gealterten Stücke früherer Jahre ans Herz gelegt. Dort steppt der Bär, auf Mr. Lucky gönnt er sich eine verdiente Pause.

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