Es ist Liebe, aber keine so einfache: Doves – Kindom Of Rust

My girl, seeks an ocean of trust,
It takes an effort it does.
My girl, it takes an ocean of trust,
It’s in a kingdom of rust.

Der erste Moment des Verliebens ist voller Zauber. Liebe für immer und ewig – es kann nicht anders sein – oder doch? Beim ersten Hören der Single Kindom Of Rust war es um mich geschehen. Ein Lied von zu Tränen erschütternder Schönheit. Ein tiefer inniger Kuss, der mehr verspricht und blind vor Liebe DifferentStarsschon jetzt ein Lieblingsalbum 2009“ schreiben lies.

Kingdom Of Rust

Nun – nach dem das Album schon 3 Wochen in meinem Player rotiert, wird es höchste Zeit die Review zu schreiben. Irgendwie ist es immer noch Liebe, aber keine so einfache.

Liegt auch daran, dass ein  großer Teil der Lieder mehr mit dem Kopf, als mit dem Herzen genossen werden können. So provoziert das Album unterschiedlichste Reaktionen – epochales Werk wird’s hier genannt – Brit-Pop höchster Qualität hier – anderen halten’s für schlichten Schwachsinn.

Jetzt komm ich daher und sag mal, alle 3 haben Recht – irgendwie – Kindom Of Rust fordert viel vom Hörer – starker Tobak auf jeden Fall. Es gehört wahrlich nicht zu den Werken, die sich nebenbei gehört in die Gehörgänge schmiegen.

4 Jahre haben die Doves an ihrem Album getüftelt und alles in ihr  Werk gesteckt, als ob’s keine morgen gäbe, kein Nachfolgealbum, auf dem die ein oder andere Inspiration Platz gefunden hätte. Dies bringt eine gewisse Zerissenheit mit sich.

Track für Track – befördern die Doves ihre Hörer an einen neuen Ort. „Auf eine Reise mitnehmen“ klänge nicht nur abgedroschen, es würde dem Album auch nicht gerecht. Denn  – so gnädig sind die Doves nicht. Wer hört, muss fühlen! In mehr als nur einer Hinsicht. In Kingdom Of Rust stecken mehrere Leben, sowohl menschlich als auch musikalisch. Dies ist die  große Stärke und größtes Manko zu gleich.

Der Stoff, aus dem Kindom Of Rust gestrickt ist, hätte für 10 einfache und nette Alben gereicht. So bekommen wir nun eines, in dem so vieles steckt, dass sich auch nach dem 20ten Hören  nicht vollständig offenbart.

Die Doves sind keine harmlosen Britpoper, sie sind Soundmagier- und Tüftler die eigene Universen schaffen, deren wahre Stärke aber immer in der besonderen Wärme und Authentizität lag. The Greatest Denier ist dann auch einer der Höhepunkte des Albums. Sie können es aber auch hier nicht lassen, eine besondere Prise mit zu würzen. Aufmerksame und geschulte Hörer  finden  mit dem Sample von Joy Divisions – Atmosphere eines der vielen Zitate wieder, mit denen Kingdom Of Rust gespickt ist.

Doves Warrington 12/03/2009 The Greatest Denier

(die Albumversion könnt ihr hier hören)

Weiteres Highlight ist Winter Hill. Ein Stück, das an die traditionelle Manchester-Indierock Tradition, der die Doves entstammen, anknüpft und sich nicht in Electro-Synthpop-Whatever-Sphären verspielt.

Winter Hill

Ob den Doves mit Kingdom Of Rust endlich der große kommerzielle Durchbruch gelingt oder sie der ewige Geheimtipp mit solider Fanbase bleiben, bleibt fraglich. Leicht verdaulich ist diese Kost wahrlich nicht – aber eben auch keiner dieser Chastburner, der sich schnell abnutzt. Wie schon gesagt: Bei mir  ist es Liebe – aber keine so einfache!

VÖ: 3.4.2009

Label: Heavenly/EMI

Links: Doves.net, Myspace

DifferentStars

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