Mit dem Herzen einer Löwin!

Meine Liebsten verteidigen, wie eine Löwin ihre Jungen. Genau dies will/ und tu ich immer wieder – auch wenn ich meine liebsten Indie-Künstler irgendwo besprochen sehe. Nicht, weil ich glaube, dass jeder meiner Meinung sein muss. SomeVapourTrails und ich haben durchaus unsere musikalischen Differenzen. Mit viel Liebe erinnere ich mich zurück an den Moment, in dem er mir die neueste Oasis als Geschenk überreiche – nicht ohne zu bemerken: weil ich dich liebe und obwohl ich weiss, dass ich jetzt noch mehr Britpop hören muss. Mit eben jener aufopfernden Liebe, schenkte ich ihm meinerseits ne Xavier Naidoo CD. Dennoch: Eines haben wir gemeinsam: Die Liebe zur Musik – die Leidenschaft gerade unbekannten Bands eine Stimme zu geben und den Unwillen,  abgewichste Daumen hoch/ Daumen runter-Reviews zu verfassen.

Das Netz ist voll von Besprechungen, die nur eines sind: Selbstbeweihräucherung des Rezensenten. Der Stapel an Promos wird abgearbeitet und mit vielen Hinweisen auf die eigene, vermeintlich beste Musikkenntnis gespickt. Technisch wird auseinander gepflückt, was zusammen gehört. Eine Band, die mir besser gefällt, als einigen anderen ist offensichtlich Lenz. Schmunzeln musste ich beim Lesen der Motor.de Review:

Klavierklänge eröffnen die Scheibe und bleiben das zentrale Element. Dazu gesellt sich der klassische Dreier Gitarre, Bass und Schlagzeug. Vereinzelt wird ein Synthesizer ergänzt

Danke fürs Aufzählen der Instrumente 😉 Immerhin wurden die Jungs hier noch ganz nett bewertet.
Ein Musikblog, der ähnlich startete wie wir, mit Leidenschaft über Lieblingsbands schrieb, ist Whitetapes. Der Weg in die Professionalisierung führt nur leider weg von der Liebe zur Musik. CDs wollen nur noch besprochen – nicht mehr ins Herz geschlossen werden. Präsentiert, wird was von den Sponsoren geliefert wird… Werbeeinnahmen schön und gut – seien gegönnt. Das Schreiben nur der Liebe wegen, hat auch Nachteile 😉
Auch wir sind inzwischen  in den Presseverteilern einiger Labels + Musik-Promotion-Firmen. Werden hier und da Bemustert und zu Konzerten eingeladen. Besprochen wird jedoch nur, was uns gefällt. Manche Musik mag gut sein, ist aber einfach nicht unser Ding, drüber schreiben also sinnlos. Andere Musik ist so schlecht, dass sie unsere Aufmerksamkeit (und die unserer Leser) nicht verdient. Vieles ist Geschmackssache und noch mehr hat vieles auch mit Erwartungshaltung zu tun.
Aus offensichtlich der gleichen Quelle wie wir, haben Whitetapes die neue Lenz CD „Augen Auf Und Durch“. Ich habe mir vor dem Anfordern der Presse-Promo-CD das Trio erstmal in Ruhe auf Myspace angehört. Manche andere Band nach genau diesem Vorgehen abgelehnt. Soll lieber jemand drüber schreiben, der’s mag – oder möge Schweigen herrschen. Solange ich nicht unmittelbar nervender Musik ausgeliefert werde – lohnst keine Zeile.
Anders sah dies leider Martin von Whitetapes und lieferte einen Verriss, der mehr über seine eigenen Defizite aussagt, als über die Band.
Ich verlange von niemandem, dass er in meine Lobeshymne mit einstimmt. Wie auch schon hier geschrieben. Für die einen ist es eben eher so Mädchenmusik und trotzdem gemocht 😉  Peter von den Schallgrenzen stellt sich ein wenig auf die Seite von SomeVapourTrails und schreibt:

Das Problem bei den Songs auf diesen Album ist allerdings, alles sehr smart und chic, der richtige Übersong und ein paar Ecken und Kanten fehlen. Zu unaufgeregt für Männer, Frauen werden diese Musik mögen.

(mehr hier)

Ich werf‘ den geschätzten Herren mal ein „wenn ich das über ne Frauenband schreiben würde, würdet ihr mich gleich stutenbissig nennen“ hinterher 😀

Aber immerhin verstehen die beiden genug von Musik, um Lenz nicht in die Nähe der Hamburger Schule rücken zu wollen.

Es scheint, dass die, die professionell Musik besprechen wollen, dies teuer bezahlen. Bezahlt wird mit der einstigen Liebe und Leidenschaft. Fraglich nur, ob sich das in barer Münze auszahlt – und ob’s das wirklich wert ist. Wer überhaupt erst keine eigene Meinung haben will, liest und übersetzt Stereogum und NME – auch solche Blogs gibt’s wie Sand am Meer… Aber es gibt auch andere – und bei weitem nicht nur uns. Neu in unserem Blogroll begrüßen wir heute thousand little dances der wunderschöne Mixtapes erstellt.

DifferentStars

5 Gedanken zu „Mit dem Herzen einer Löwin!

  1. Ein Musikblog, der ähnlich startete wie wir, mit Leidenschaft über Lieblingsbands schrieb, ist Whitetapes. Der Weg in die Professionalisierung führt nur leider weg von der Liebe zur Musik. CDs wollen nur noch besprochen – nicht mehr ins Herz geschlossen werden. Präsentiert, wird was von den Sponsoren geliefert wird… Werbeeinnahmen schön und gut – seien gegönnt.

    Das ist aber schon etwas hart 🙁 Klar versuchen wir uns zu professionalisieren, das machen wir aber im Rahmen dessen, was unser Magazin / Blog, wie man’s nennen will verkraftet und vor allem alles mit Liebe. Eben zur Musik. Präsentiert wird nicht, was geliefert wird, sondern was wir interessant finden, auch wenn es dabei mal zum Verriss kommt. Insbesondere bei den Tour-Präsentationen stellen wir nur Künstler vor, die wir auch persönlich mögen und für gut befunden haben.

    Ich erkenne aber durchaus an, dass Martin’s Review vielleicht etwas sehr draufhämmerte und nicht besonders differnziert klang. Aber das liegt eben auch im Ermessen des Autoren, dem wir keine Meinung, oder einen Stil vorschreiben.

    Von Werbeeinnahmen habe ich leider noch nichts gesehen, muss mich mal schlau machen, wo das alles hingeht. Ach so, wir haben ja gar keine 😉

  2. Ich hab ja schon viele tolle Beiträge von dir und Ariane gelesen – seit ja auch schon lange in unserem Blogroll. Aber auch der Beitrag über Lalah klang schon ein wenig nach …ojeh…über die müssen wir auch noch schreiben. Eben bei Lalah (von SomeVapourTrails besprochen) war’s bei mir Liebe auf den dritten Blick…Manchmal muss man sich erstmal einhören bevor man richtig warm wird mit neuer Musik.

    Lenz knallen nicht beim ersten Hören…wer genauer hinhört…versteht aber auch die Texte. Und Martins Review ist wirklich ein undifferenziertes Draufhämmern. Bei schlechter Laune vielleicht doch lieber nen Punchball und nicht CD Besprechungen verwenden? Gerade bei jungen (noch) unbekannten Bands kann man so auch viel kaputt machen.

    Das mit der Tourpräsentation täuschte mich vielleicht ein bisschen…. oder sieht ein bisschen zu sehr nach Werbebroschüre aus. Wobei sich eure Texte mit dem neuen Layout viel besser lesen lassen.

    Trotzallem liebe Grüße
    Brigitte

  3. Stutenbissig…. das finde ich gut. Ähm, leider keine Zeit, mehr zu kommentieren. Ich muss jetzt leider einen Stapel CD`s abarbeiten 🙂

  4. @Peter…haha…ich glaub der letzte Absatz ist ein bisschen missverständlich…du bist immer noch mein Lieblingsblogger (ähäm… nach SomeVapourTrails…muss ich hier schreiben, der liest das). Hauptsächlich gemeint war laut.de – deren Reviews sind fast immer ärgerlich, selbst wenn sie versuchen eine Platte zu loben…

    Und ja…ich schimpfe solche „seriösen“ Rezensenten auch in laut.de Foren 😀

    DifferentStars

  5. Ich weiss dein Lob sehr zu schätzen. Leider ist das mit dem „abarbeiten“ gar nicht so weit hergeholt. An manchen Tagen werde ich hier dermassen vollgeballert mit CD`s, das der Spass vergeht. Und da ich dann auch noch ein schlechtes Gewissen bekomme, beginnt die Sache in Stress auszuarten.

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