Boulevard of the Nameless (I)

Unzählige Ruhmeshallen preisen Großtaten, ein Flanieren auf Erfolgswegen ist ebenso möglich. Warum jedoch wird diese Ehre nur denjenigen zuteil, deren Namen sich auch im kleinsten Großhirn des Durchschnittsmenschen eingebrannt haben? Weshalb wird nirgendwo eine Prachtstraße für die Namenlosen gezimmert und deren Handabdrücke in breiigen Asphalt gemetzelt? Die Schar der Namenlosen, die aus Pech oder mangelnder Abgebrühtheit nie in den gleißenden Lichtkegel der Anerkennung tapsen durften. An dieser Stelle unseres Blogs bekommen Herr und Frau Nobody von nun an einmal wöchentlich Streicheleinheiten und Aufmerksamkeit, wird Zucker in Hinterteile geblasen, die solch Behandlung mehr als verdient haben. Und ohne viel Umschweife wollen wir uns der ersten Musikerin zuwenden.

Stell dir vor du bist Musikerin, vermagst mit kompositorischen Siebenmeilenstiefel von einem magischen Lied zum nächsten bezaubernden Song zu hüpfen. Male dir weiters aus, dass deine Stimme dich zu feinsten ätherischen Luftsprüngen befähigt. Und ziehe zusätzlich in Erwägung, dass dein Heimatland keinerlei exotische Destination wie Timbuktu darstellt. Werde nun ob dieser Gedankengänge nicht euphorisch, denn – nein! – du wachst nun nicht im Schlaraffenland der persönlichen kreativen Erfüllung auf. Du bist nach wie vor ungefähr so bekannt wie Filialleiter Schmidt vom Aldi am Kottbusser Damm. Gut, vielleicht ist es nicht sonderlich hilfreich bei einem winzigen Label Unterschlupf gefunden zu haben, welches es noch nicht einmal schafft, seine Homepage in englischer Sprache zu halten. Eventuell wäre auch ein wenig Promotion-Tätigkeit oder zumindest ein eigener Webauftritt von Vorteil gewesen. Gottvertrauen in allen Ehren, aber wenn man sich nur auf Mundpropaganda verlässt, dann ist musikalische und finanzielle Anerkennung nicht unbedingt eine geritzte Sache.

Rockettothesky

Rockettothesky

Ich spreche heute vom norwegischen Ein-Frau-Projekt Rockettothesky, hinter dem die Musikerin und Sängerin Jenny Hval steht. Kennste nicht? Siehste! Darum passt sie auch in oben eingeführte Kategorie. Stilistisch bewegt sich die werte Dame stilsicher zwischen Shoegaze und Folk, entwirft surreal-stimmliche Klangbilder für Fortfortfortgeschrittene. Verwegen trödeln händeklatschende Choräle mit Muezzinesker Verhalltheit daher, latscht ihr engelhaftes Organ ohne jedweden Stimmbandriss in höchste Sphären oder reitet in ein schrilles Sprechgesangs-Rodeo. Medea nennt sich ihr 2008 erschienenes Album, welches so avantgardistisch klingt, wie Björk es heute gern noch wäre. Dies macht sie auch zu einem würdigen Eintrag auf dem Boulevard of the Nameless.

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more about „Grizzly Man„, posted with vodpod

Wer nun der betörten Entrücktheit verfallen ist, sei auf folgende Links verwiesen:

Den Track Grizzly Man gibt’s hier als kostenlosen Appetithappen.

My-Space-Auftritt

Label-Seite mit Hörproben

SomeVapourTrails

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