Boulevard of the Nameless (II)

Auch heute wollen wir uns wieder eine Musikerin ins Gedächtnis rufen, die nie das Cover des Rolling Stone zieren wird. Nun gibt es derer viele und – sofern man die Titelbildverzierung dieses Magazins als Auszeichnung versteht – dies ist mitunter auch angebracht. So wie es im Branchenbuch unter K wie Klempner eine Schar von notorisch unfähigen Handwerkern gibt, genauso bevölkern Heerscharen von Musikern die Welt, deren einzige Meriten eine Handvoll mühsam einstudierte Gitarrengriffe sind. Die diesmal auf dem Boulevard of the Nameless verewigte Künstlerin hat freilich durchaus großes Potential.

Kratzen wir uns mal kollektiv am Kopf – ohne ein etwaig schütteres Haupthaar in Unordnung zu bringen. Wenn eine Kanadierin ein Platte bei einem kleinen spanischen Label veröffentlicht, welches nicht nur keine eigene Webpräsenz vorweisen kann, vielmehr sogar sämtliche Infos im MySpace-Auftritt in zungenschnalzerischem Spanisch serviert, dann riecht man schon den Braten. Nada Marketing, nada Erfolg – alte Binsenweisheit. Dabei hätte die werte Frau Ora Cogan den einen oder anderen Fan verdient.

Ora Cogan
Ora Cogan (Foto von Billy Woods)

Ora Cogan wurde 1982 als Tochter israelischer Einwanderer in Kanada geboren und hatte seit der Kindheit Berührungspunkte zur Musik. Bereits als Teenager begann sie eigene Songs zu schreiben und sich eifrig Gitarre, Piano und Violine im Eigenstudium beizubringen. Diese Leidenschaft hält bis heute an, drei Alben erblickten bis dato das Licht der Welt: Sparrow (2005), Tatter (2007) und Harbouring (2008). Cogan ist in eine klassische Folk-Sängerin mit Hang zu spärlicher Instrumentierung und intimer Darbietung. Hatte Tatter noch die eine oder andere jazzige Anspielung vorrätig, so ächzt Harbouring nun düsterer und entrückter. Tracks wie Vatican City oder Cabin Fever atmen bereits Hochklassigkeit und segeln mit Lichtgeschwindigkeit ins Herz jedweden Folk-Liebhabers.

Harbouring

In den kommenden Wochen beehrt Ora Cogan auch Deutschland mit einigen Konzerten, wobei die Wahl der Veranstaltungsorte durchaus aussagekräftig scheint. Noch ist der straßenmusikalische Flair nicht von ihr abgefallen. Bleibt zu hoffen, dass ihr mehr Rezeption vergönnt ist und sich auch der eine oder andere von Neugier befallene Musikfreund zu den Auftritten verirrt. Schlichter, bezaubender Folk ist immer einen Versuch wert.

Termine:

02.05.2009 SUI, Luzern, Treibhaus
09.05.2009 D, Stuttgart, FFUS
10.05.2009 D, München, Kafe Kult
12.05.2009 A, Vienna, Garnison7
17.05.2009 D, Berlin, Valentin Stueberl
18.05.2009 D, Berlin, NBI
19.05.2009 D, Leipzig, Paris Syndrom
20.05.2009 D, Hamburg, Hasenschaukel

Links:

Offizielle MySpace-Seite

Hörproben auf Last.fm

SomeVapourTrails

2 Gedanken zu „Boulevard of the Nameless (II)

  1. Ah, ungefähr zur gleichen Zeit hatte ich meinen Artikel geschrieben, ihn aber aus genannten Gründen nicht veröffentlcht.

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