Easter Eggs – bunte Überraschungen lauern immer und überall

Wer suchet der findet – diese biblische Weisheit bewahrheitet sich immer wieder, nur nicht immer so wie geplant. Dieses Phänomen kennt wohl jeder. Auf Suche nach Gegenstand A fällt einem plötzlich Gegenstand B in die Hand, den man vor 3 Wochen suchte und nicht fand. Besonders interessant wird es, wenn im heimischen Garten das verschollene Osternest um Jahre verspätet gefunden wird – aber dies ist eine andere Geschichte.

Es gibt sie aber auch die Ostereier – Easter Eggs – die auch nach Jahrzehnten des Findens immer noch köstlich und genießbar sind. Beim Suchen von Easter Egg Bildern fand ich dann eine neue österliche Dimension der englischen Übersetzung für Osterei. Steht dieser Fachausdruck doch für versteckte Goodies in Programmen und Medien. Klassischer Vertreter dieser Zunft in musikalischen Gefilden ist der Hidden Track.

Ein Hidden Track (engl. für „versteckter Titel“), auch Ghosttrack (engl. für „Geistertitel“) ist ein Titel auf einem Tonträger, der so auf diesem platziert ist, dass er nur schwer zu finden ist.

Methoden

Lange Pausen

Die lange Spielzeit einer Audio-CD (bis zu 80 Minuten) ermöglicht es, nach dem letzten Lied eines Albums eine lange Pause einzufügen, der der Hidden Track folgt. Ein bekanntes Beispiel ist das Album Nevermind von Nirvana. Dort folgen nach dem Ende des Albums rund 10 Minuten Stille; dann beginnt eine instrumentale Improvisation namens Endless, Nameless.

Pregap

Beim Abspielen einer CD beginnen CD-Spieler grundsätzlich mit Titel 1. Es besteht jedoch die Möglichkeit, einen gewöhnlichen Titel innerhalb des sogenannten Pregaps zu speichern. Dieser Titel wird als Null-Track bezeichnet und kann gehört werden, indem man beim Start der CD in den „Minusbereich“ zurückspult.

Index-0-Lücke

Vor einem Titel einer Audio-CD befindet sich in der Regel einige Sekunden Stille, die als Index 0 im CD-Spieler angezeigt, allerdings nur beim kontinuierlichen Hören der CD abgespielt werden. Üblicherweise sind diese Pausen nicht länger als ein bis zwei Sekunden, jedoch ist es technisch auch möglich, die Pausen mit vollständigen Liedern zu füllen. Befindet sich der Hidden Track beispielsweise im Index 0 des Tracks 7, so wird der versteckte Song abgespielt, nachdem Track 6 geendet ist; einzeln lässt sich dieser Hidden Track jedoch nicht anwählen, da der CD-Player in diesem Fall direkt mit dem Index 1 beginnt. (Quelle: Wikipedia)

Als Pioniere des Hidden Tracks gelten die Beatles.  Das Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band bietet den ersten versteckte Track der Musikgeschichte, wobei es sich hier noch nicht um einen vollwertigen Song handelt.

Die Überraschung beginnt in der Auslaufrille der zweiten LP-Seite mit einem hohen Pfeifton von 15 kHz – Gerüchte nach um zuhörende Hunde zu stören. In der Endrille selber versteckt sich der Titel Sgt. Pepper’s Inner Groove der jedoch nur etwa 2 Sekunden dauert.

Einige Verschwörungsfetischisten behaupten rückwärts abgespielt höre man den Satz: „Will Paul return as superman?“ – passen zur  Paul is dead Legende. Andere interpretieren die Worte: „We fuck you like the supermen“ hinein. Bei späteren Pressungen der LP wurden Pfeifton und Hidden Track an den Titel A Day in the Life angehängt. Dass die Fab Four gerne albern waren, zeigt auch das Gekicher in der Auslaufrille von Pepper oder Her Majesty auf Abbey Road.

Aber auch heute versteckt alles was Rang und Namen hat gerne die ein oder andere Überraschung für die letzten verbliebenen Romantiker der CD-kaufenden Art.

Zwei schöne aktuelle Beispiele hab ich auf der Seite easter eggs – Versteckte Spielereien der Programmierer gefunden:

Selig – Und Endlich Unendlich

Lässt man die CD nach dem letzten Titel Traumfenster weiterlaufen, kommt nach ca 5 Minuten ein kurzes Instrumentalstück.

Olli Schulz – Es brennt so schön

Auch hier lohnt sich ein wenig Wartezeit nach Ende des Tracks Wenn die Sonne wieder scheint. Hier verbirgt sich der Hidden Track Fliegen.

Weitere Beispiele:

Coldplay – Viva la Vida Or Death And All His Friends

Hier verstecken sich gleich zwei Bonustracks hinter den „offiziellen“ Albumtracks:

1. „Life in Technicolor“ – 2:29
2. „Cemeteries of London“ – 3:21
3. „Lost!“ – 3:55
4. „42“ – 3:57
5. „Lovers in Japan/Reign of Love“ – 6:51
* „Lovers in Japan“ – 3:56
* „Reign of Love“ – 2:55
6. „Yes“ – 7:06
* „Yes“ – 4:04
* „Chinese Sleep Chant“ – 3:02 (hidden song)

7. „Viva la Vida“ – 4:01
8. „Violet Hill“ – 3:42
9. „Strawberry Swing“ – 4:09
10. „Death and All His Friends“ – 6:18
* „Death and All His Friends“ – 3:32
* „The Escapist“ – 2:46 (hidden song)

Pregaps/Null-Hidden-Tracks/ o-Tracks:

Legendär ist auf jeden Fall Blurs auf der Think Tank versteckte „Me, White Noise“, aber auch deutsche Interpreten führen diese Tradition fort:

Bela B. – Bingo
„Theme from Bingowings“

Die Ärzte – 13
„Lady“ startet bei  -3:55 mit dem Vorwort von  Gene Simmons ( KISS)

Die Ärzte – Geräusch
„Hände Innen“

Die Ärzte – Jazz ist Anders
„Nimm es wie ein Mann (a.k.a. Kurt Cobain)“

Rammstein – Reise Reise

Mehr nen Hidden Noise – hier hört man die vermeintlich echten „Mayday“ Rufe eines Flugzeugabsturzes

Mit Rammstein haben wir dann auch die perfekte Überleitung zum letzten oder dem Letzten??? Prä – oder Post-Teenie-Körpergeräusche – versteckter Art: Gefurze (Alice in Chains “Sap”), Gerülpse (Tool “Salival”) oder Gekotzte  (Ash “1977″).

Links: Wikipedia – Easter Egg, Wikipedia Hidden Track
www.jansson.de/hidden/, The Easter Egg Archive

Lesetipps: Dr. Pop, ist der Hidden Track vom Aussterben bedroht?, ORF – Open Mike: Hidden Tracks

DifferentStars

1 thought on “Easter Eggs – bunte Überraschungen lauern immer und überall

  1. Frauke

    Lange Pausen am Ende eines Liedes sollte man unter Strafe stellen. Wirklich. Man lässt Musik im Repeat- oder Shuffle-Modus laufen um eine praktisch nie endende Musikuntermalung zu haben und hat plötzlich 20min Stille… Und auch beim überspielen auf den PC oder mp3-Player bleibt das erhalten und man muss die beiden Tracks erst manuell auseinanderschneiden, was einige Kopierschütze gar nicht zulassen. Diese Art von Hidden Tracks ist wirklich nur nervig.

    0 Tracks finde ich eigentlich gut. Das Problem ist nur, dass das nicht alle CD-Player mitmachen. Von unseren 5 CD-Playern im Haus funktionierte das nur mit meinem alten Discman, der mittlerweile aber auch kaputt ist. Und wie man die auf den PC zieht habe ich bis heute nicht kapiert.

    Ich bin großer Fan von Bonustracks, die einfach ganz normal als zusätzlicher, nummerierter Track auf dem Album sind und nur auf dem Cover nciht als offizieller Track aufgeführt sind 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.