Geliebte Sängerin – Ungeliebte Platte

hannehukkelberg

Es gibt Rezensionen, die ich nicht schreiben will. Ich muss mein Ego nicht mit Verrissen pimpen. Mittelmäßiges zu besprechen langweilt. Genau aus diesem Grund fordern wir nur  Rezensions-Exemplare von Künstlern an, die Gutes oder Bestes hoffen lassen.

Auf die neuen CD von Hanne Hukkelberg haben wir uns beide sehr gefreut – vor allem SomeVapourTrails, der vor ner Weile ein Loblied auf Frau Hukkelberg sang:

Zur Einstimmung (auf die Berlin Stories) lauschen wir heute der betörenden Stimme einer Norwegerin. Hanne Hukkelberg ist ein Tausendsassa, auf kein Genre zu begrenzen, hochgradig facettenreich. Skandinavische Liedermacherinnen sind ja ohnehin mit exzentrischer Brillanz gesegnet. Man denke an Stina Nordenstam, Ane Brun, Anja Garbarek oder Anna Ternheim. Hanne Hukkelberg freilich wirkt noch weniger fassbar. Zu sehr greifen Jazz, Folk und Electronic ineinander, ergeben einen distinktiven Sound, welcher jedoch nie anstrengend wird.

Nun – man sollte nie den Tag vor dem Abend loben – und Hanne Hukkelberg nicht vor dem Hören von  Blood From A Stone. Andererseits darf man sie für alles, was sie vor ihrem aktuellen Werk veröffentlichte loben. Vielleicht muss und sollte man gerade den Tag vor dem Abend loben.

Hier geht auf jeden Fall die Sonne unter. Das mit dem Nicht-Anstrengend-Sein hat sich leider erledigt. Furchtbar, grässlich schimpfte SomeVapourTrails wollte nach dem ersten Hören zum Rechner eilen – mit den Worten: Jetzt schreibt ich meinen ersten richtig heftigen Verriss.
Aber halt, nein, nicht doch! Es ist doch die Hukkelberg, ne Gute….und wir wollen doch keine bösen Verreißer sein – versuchte ich den Liebsten aufzuhalten und appellierte an sein gutes Herz.

Nun denn – es blieb bei mehr als 3 Versuchen unsererseits uns mit dem Werk anzufreunden. Liebe ist es nicht geworden. Zu kopflastig, zu anstrengend ist Blood From A Stone. Klingt sehr nach dem Motto: Kunst muss wehtun – darf nicht gefallen oder gar gefällig sein. Es wird Kritiker geben, die genau dies als Qualität sehen. So schrieb der Spiegel: „Eine schöne Anleitung zum Einsamsein, die eines niemals sein wird: Popmusik.“, Plattentest.de mosert unverholen „Steinquälerei“ und spricht von Antipop.

Schauen wir uns den offiziellen Promotext nochmal genauer an:

„Selbst wenn einigen Liebhabern ihrer vorangegangenen Werke der Übergang vom leichtfüßigen „Cheater’s Armoury“ zum düsteren, alle Tiefen auslotenden „Salt Of The Earth“ ähnlich überraschend sein mag wie einst für Kate-Bush-Fans der Schritt von „Army Dreamers“ zu „Sat In Your Lap“, so ist die Offenbarung jener – bis dato kaum gekannten – Seite von Hanne Hukkelbergs Künstlerpersönlichkeit ebenso faszinierend!

Da muss ich leider widersprechen. Blood From A Stone klingt wie ein geträumter Mix aus Bergman und Lynch-Filmen. Menschen, die dieses lieben, die gerne intellektuell genießen, werden die Platte lieben. Sich hinsetzen – mit einem Glas Rotwein in der Hand – ganz bewusst hinhören – in bester Anti-Pop(ulär)-Musik-Manier. Ich für meinen Teil habe mich sehr gequält – wollte keinen Verriss schreiben – kam aber nicht umhin.

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Tracklist

  1. Midnight sun dream
  2. Blood from a stone
  3. Bandy riddles
  4. No mascara tears
  5. Seventeen
  6. Salt of the earth
  7. No one but yourself
  8. In here/out there
  9. Crack
  10. Bygd til by

Link: Myspace

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