Kein weißer Fleck auf der Landkarte

Der Gedanke an Belgien – sofern man ihn überhaupt irgendwann im Leben mal denkt – weckt kaum spektakuläre Assoziationsketten. Natürlich gibt es Brüssel und natürlich lümmelt dort die EU herum, aber sonst? Seltsam, dass jedes Volk so seine speziellen Talente aufbietet. Engländer können rocken, Franzosen Liebe machen, Italiener Pasta kochen und Deutsche Autos bauen (noch!) – aber Belgier? Noch niemandslandiger wird die Gehirnmassage, wenn man belgische Musiker aus dem Gedächtnis kramen soll. Der einzige Sänger von Weltformat war Jacques Brel und gerade selbigen ordnet man im Regelfall französischen Gefilden zu. Heute jedoch wollen wir einen belgischen Sänger präsentieren, der das Bauklötzchen zum Aufbau Belgiens als musikalische Großmacht schon mal hingestellt hat.

Novastar nennt sich das Projekt des Masterminds Joost Zweegers, der mit dem kürzlich erschienenen Almost Bangor sein drittes Album vorlegt. Entdeckt 1996 und seit 2000 mit Plattenveröffentlichungen in Belgien zu einem Local Hero avanciert, schickt sich Novastar nun an auch den Rest der Welt zu erobern. Und dank feiner Ingredienzien darf man getrost ein kräftiges Toi, toi, toi! entgegenschmettern.

Novastar
Novastar

Erschnuppern wir gemeinsam die Stärken von Almost Bangor. Die Scheibe ist von angenehmer Poppigkeit, mal retroesk geklittert und dann wieder zeitlos balladesk wummernd. Es ist Musik für die Massen, dennoch nicht weichgespült, vielmehr unkompliziert und direkt. Man könnte auch das so abgedroschene Wort ’schön‘ benutzen. Joost Zweegers hat ein Gespür für Melodien, die haften bleiben, für Refrains, die ein Mitlispeln erlauben. So bleibt die Gefälligkeit der Lieder als hochgradig positiver Eindruck zurück.

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Bereits der Opener Mars Needs Woman hat eingängiges Radio-Mitträller-Potential. Worüber der Text handelt – scheißegal! Sehnsucht durchblutet den Refrain und das ist gut so. Weller Weakness torkelt in zornvolle Klage und in quietschende Gitarrensoli, ehe sich bei der Ballade Making Waves Streicher heranschleichen und kräftig an der Tränendrüse sägen.  Eingängig flirtet Novastar bei Tunnelvision mit den besten britischen Pop-Traditionen, so einen Track würde auch Richard Ashcroft höchstpersönlich trällern. Dass die 80er Jahre reanimiert werden können, unterstreicht das Soundkleid von Because. Softe Lederjackenheinis mit schwülstigen E-Gitarre stülpen sich beim Anhören über das geistige Auge. Eine gut gewählte erste Single-Auskopplung. Bangor wiederum gemahnt durch seine Wärme an den California-Rock der 70er. Pianogeklimper schmiert das bedächtige Sundance, ehe Me nochmalig ins große Retro deutet und Zweegers hohe Töne spuckt. Miles skizziert nochmal zusammenfassend Novastars Stärken und Schwächen. Eine ausdrucksstarke Stimme wird durch feine Melodien und charmante Instrumentierung gestützt, textlich erscheint durchaus noch eine Steigerung möglich. Das letzte Lied All Day Long bildet einen netten Unplugged-Abschluss, entlässt den Hörer relaxt.

Resümieren wir kurz und bündig. Auch Belgier können gefälligen, wohltuenden Pop fabrizieren. Novastars einnehmendes Album ist der beste Beweis. Ein weißer Fleck auf der Landkarte weniger.

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