Wollt Ihr das totale Filesharing? (Teil 3)

Kontrollgruppe aufgepasst! Heute beweisen wir das allzu Offensichtliche, die Chose plärren wir mit viel Tamtam in die weite Welt hinaus – und hui, plötzlich sind wir alle kleine Einsteins, die den letzten Schluss der Weisheit gefunden haben. Der schwerbäuchige Fritz gesellt sich jetzt bitte zum moppeligen Uwe. Danke! Jürgen, deinen Kasten Bier kannst du später trinken, stell dich auch zu den zwei Dicken. Mandy, Schätzchen, du stöckelst bitte auf die andere Seite. Prima! Mona, deinen Jutesack der Bio Company stiehlt dir niemand – du gehörst zu Mandy. So Kinders, die allerschönste Isabel leistet euch zwei noch Gesellschaft, dann ist alles schick. Kann los gehen. Ich stell Fragen und ihr hebt brav die Hände, wenn selbige auf euch zutreffen, okay? Gut. Wer geht gerne zu McDonald’s? Ah, alle Jungs, war ja logisch. Du auch Mandy? Sieht man dir gar nicht an. Was, du warst noch nie in so einem Lokal, Mona? Ne Bildungslücke! Nächste Frage:  Wem schmeckt es dort? Uwe, du sabberst. Ich werte dies als ein Ja. Fritz und Jürgen nicken auch. Wie steht es mit dir, Mandy? Der knackige Salat überzeugt dich nicht so. Gut, das muss ich akzeptieren. Vielen Dank die Herrschaften. Das Ergebnis ist eindeutig wie überraschend zugleich. Drei von drei übergewichtigen Männern lieben McDonald’s, weil’s dort lecker schmeckt. 33% der weiblichen Befragten jedoch haben noch nie ein Fast-Food-Lokal betreten. Wenn das die Presse erfährt!!!

So ungefähr stellen sich mir die Medienberichte über eine neue Filesharing-Studie der BI Norwegian School of Management dar. Diese Umfrage soll folgende sensationsheischende Conclusio bieten: Filesharer kaufen mehr Musik als Zeitgenossen, die niemals in ihrem Leben ein Lied illegal heruntergeladen haben. Heiliger Bimbam. Bevor nun Labels und Bands vom Saulus zum Paulus mutieren und die Torrents mit musikalischen Spenden beehren, sei mit hochgezogener Augenbraue auf ein winziges Detail verwiesen. Wenn ich 1900 zufällig erkorene Leutchen befrage und mich nach ihrem musikalischen Kaufverhalten erkundige, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Prozentsatz der Musikfans unter P2P-Nutzern und P2P-Verweigerern gleich ist? Kennzeichnet den P2P-Fetischisten nicht eben ein gesteigertes Interesse an Musik (oder Film/TV)? Würde er sich sonst des Filesharings bedienen? Wenn nun also die Testgruppe der Tauschbörsenheinis zum Beispiel 80% Musikliebhaber beinhaltet – und die Zahl scheint realistisch, da man ja Filesharing nicht nur aus purer Lust am Herumschubsen von Datenmengen praktiziert -, wie naheliegend ist es, dass auch unter den P2P-Muffeln ein ähnlicher Prozentsatz audiophilen Hörgenüssen huldigt? Genau solche Kleinigkeiten werden im medialen Radau zu jenen Studien nie mitgeliefert. Und eben dieser Pipifax sagt viel über die Einstellung zu diesem Thema, über pure Stimmungsmache der Studienmacher, aus.

Noch sind die Zimmer der Torrent-Freaks wegen dem Pirate-Bay-Urteil mit Tränen geflutet, man badet wohl in einem Meer an Trauer, weil man nicht mehr downloaden kann, was am Tage darauf dann beim Plattenhändler seines Vertrauens auch gekauft werden muss. Filesharer lieben die Labels und Musiker, wollen ihnen den Arsch vergolden. Alles nur ein Missverständnis, klar. Und Naivlinge glauben dies auch.

Ich kenne den genauen Wortlaut der Studie (noch) nicht und will den Norwegern nichts unterstellen. Das Gezeter in der Blogosphäre freilich hat den schalen Nachgeschmack billigster Meinungsmache.

SomeVapourTrails

5 Gedanken zu „Wollt Ihr das totale Filesharing? (Teil 3)&8220;

  1. Meiner Meinung nach sollte man heute sowieso nicht mehr danach sehen, wie genau eine Studie ist, oder wie nachhaltig, oder gar wie wissenschaftlich, sondern WER sie bezahlt hat. Dann kann man sich die „richtige“ Seite aussuchen und schon passt alles wunderbar ins eigene Bild. Wir – der Mob – glaubt heute ja sowieso alles, was nur oft genug in den Medien wiedergekäut wird. Ist ja auch bequemer als selber zu denken. Und außerdem, warum sollte man auch eine Studie „zurech biegen“, damit sie passt. Das wäre doch unlogisch …

    Das mag zwar zugegebenermaßen etwas polemisch sein, aber man beweise mir bitte das Gegenteil.

    Sehr schön geschrieben. Deshalb auch der Kommentar, sonst konsumiere ich lieber hier. Aber darüber gibt es sicher auch eine Studie. 😉

  2. ach ja, ein extrapunkt an l-i-t-s für die einhaltung von godwin’s gesetz in der überschrift. weiterhin viel spasss beim polemisieren (dies ist ein freies land etc.) und grüsse aus der digitalen gegenwart^^
    (btw: ich bin nicht schwerbäuchig!)

  3. Tja, was unsere beiden polemischen Betrachtungsweisen unterscheidet, ist das Hinterfragen der Dinge. Du bietest die simple Losung, wonach etwas nicht strafbar sein kann, wenn es alle machen. Und ich denke mir, dass die Arbeit (und nicht andres ist künstlerische Betätigung) entlohnt werden muss, wenn sie konsumiert wird. Und zwar nicht mit Flatrate-Almosen. Grüße an deine digitale Gegenwart, die anscheinend recht erfolgreich negiert, dass auch in Deutschland Filesharing nicht legal ist. Wenn du Godwin’s Law erfüllt siehst, dann gratuliere ich dir zu dieser Entdeckung. Der Name meiner Testesser ist purer Zufall und hat rein gar nichts mit dir zu tun. Eine solche Andeutung hatte ich nie und nimmer im Sinn, sorry.

  4. also gut. ich gebs zu: ich könnte auch ohne schaden 10 kilo weniger wiegen. und ich will, dass von den milliarden, die telekom-konzerne mit dsl-flatrates scheffeln, die urheber was abkriegen. so wie von leerkasstetten und cd-brennern.

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