Mach mir den Mozart!

Ich und mein Querulantentum. Wenn es um die allgemein anerkannten, gottgleichen, epochalen, stilprägenden Überkünstler geht, bedeutet mir das Orgelgeschnarre Bachs wenig, ordne ich Mozarts Zauberflöte niveautechnisch in die gleiche Schublade wie Andrew Lloyd Webber, scheinen mir die Beatles im Kanon der Musikgeschichte ein überbordender Irrtum. Unter diesem Aspekt weckt der neue Titel des vierten Studioalbums der französischen Band Phoenix nur bedingt positive Assoziationen. Wolfgang Amadeus Phoenix prangt auf dem Cover der CD und wirkt wie eine willkürlich überspitzte Selbsteinschätzung. Vielleicht hadern die Herrschaften ein wenig mit dem Schicksal, weil sie im Schatten großer französischer Exportschlager wie Air oder Daft Punk ihr Dasein fristen müssen.

Phoenix

Die Crux im Schaffen der talentierten Franzosen liegt im steten Schielen auf anderer Leute Musik. Ob sie in heimatlichen Gefilden luftige Sounds nachkrakeln, ungelenk Mozart und Franz Liszt bemühen, immer schweift der Fokus vom eigenen Können ab. Potential versiegt, verträllert sich in Schablonen bereits vorhandener Ideen. Bezeichnenderweise ist das zweiteilige Love Like A Sunset, dessen erster Teil sich ausladend instrumenal entfaltet, wunderbar gelungen und von angenehmster Eigenständigkeit beseelt, während einige der übrigen Tracks auf die eine oder andere Spielweise bereits die Plattenläden dieser Welt gesehen haben.

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Lisztomania ist ein durchaus geglückter Track, spannend und und rhythmisch trapsend, bietet eine ansprechende Eröffnung, welche jedoch von 1901 nahezu kontakariert wird. Hektisch wuseln die Instrumente, scheppern die Synthesizer, tuckert ein sirenenhafter Refrain nervig daher. Fences ist so funkig, dass man der CD den Gnadenschuss verpassen möchte. Mit dem bereits angesprochenen Highlight Love Like A Sunset wird jedoch gerade rechtzeitig die Reißleine und alle Register gezogen. Anfänglich plätschernd nimmt der Titel Fahrt auf, entwickelt sich, um in einer elegisch verträumten Ballade zu münden. Hiermit machen Phoenix Lust auf mehr. Ein Versprechen, welches in abgespeckter Form von den rockigen Gitarrenklägen auf Lasso auch bestätigt wird. Für solcher Art Musik muss man der Band Tribut zollen. Auch Rome flirrt wuchtig durch die Boxen, bestätigt das Potential. Doch abermals verliert die Formation um Thomas Mars die Orientierung und langweilt mit Countdown – und mehr noch mit dem strukturlosen Girlfriend. Den Abschluss eines durchwachsenen Albums bietet Armistice, das trotz lediglich dreiminütiger Spielzeit langatmig scheint.

Wen kann, darf, soll Wolfgang Amadeus Phoenix erfreuen? Die Antwort auf diese Frage entzieht sich einer etwaigen messerscharfen Erkenntnis meinerseits. Wunderbare Songs duellieren sich mit seichtem Gejodel. Überfrachtete Klänge treffen auf konzentrierte Lieder. Ratloses kratzen am Kopf bringt mich einem finalen Verdikt auch nicht näher. Nur soviel: Ich für meinen Teil werde auch weiterhin ein wohlwollendes Auge auf die Band haben – aus sicherer Entfernung.

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