Schatz im Schoß (Viarosa)

Manchmal fallen einem Schätze in den Schoß. Eigentlich hatten wir bei einem kleinen deutschen Label um ein Rezensionsexemplar einer von mir geschätzten Songwriterin angefragt. Da selbiger trotz Legionen von Musikmagazinen und -blogs nicht eben mit horrender Aufmerksamkeit begegnet wurde, dachten wir uns, dass das Label ein bisschen Werbung in Form einer Rezension nicht abgeneigt sei.  Von den Herrschaften bekamen wir keinerlei Rückmeldung, allerdings flatterte ein paar Tage später gewünschte Promo-CD ins Haus. Und als ebenfalls unkommentierte Beilage befand sich auch Send For The Sea von Viarosa im Päckchen. Wir empfanden die fehlende persönliche Note als nicht gerade einer Marketingbibel entnommener Idealfall und hörten uns wegen des Überangebots an feinen Alben besagte CD mehr zufällig denn beabsichtigt an.

SendForTheSea

Viarosa sind eine britische Band, die in den besten Moment stilistisch an Nick Cave & The Bad Seeds erinnern und folklastigen Rock mit ausgefeilter Instrumentierung abliefern. Mastermind der Gruppe ist der Sänger und Songwriter Richard Neuberg, dessen Stimme über ein gerüttelt Maß an Ausdruckskraft verfügt, aber das Quäntchen Wiedererkennungswert fehlt. Nicht jedem ist eben das Organ eines David Eugene Edwards (16 Horsepower) in die Wiege gelegt. Trotzdem sind Viarosa beachtenswert, da sie stimmige, eindringliche Songs fabrizieren, welche eine düstere Grundstimmung ebenso wuchtig wie fragil umzusetzen wissen.

Viarosa

Füllmaterial hat sich nicht auf Send For The Sea verirrt. Auf dem kohärenten Werk sticht das eifernde The Old Walls mit dem mantrahaften Refrain „Who needs a gun when you’ve already won?“ hervor, The Last Resolve wummert in brachialischer Westernmanier durch die Lautsprecher, während Ode To Sunlight in einer mediativen Verklärtheit schwelgt. Und mit Beggars And Thieves liefern Viarosa ein apokalyptisches Hörstück von ungezähmter Finesse ab. Die gesamte Platte flirrt und flackert warm und finster, torkelt zwischen verspielter Violine und präzisem Country-Geschrammel.

Dass die CD nun auch in deutschen Gefilden anspruchsvollen Hörern seine Aufwartung machen darf, ist dem Label dandyland geschuldet. Diesem möchte ich dringend eine größere Trommel zur Verkündigung dieses gelungenen Werks wünschen. Viarosa beackern mit ihrem Alternative-Folk-Country-Rock-Mix eine Nische, die in den letzten Jahren doch schon verstaubt schien. Weiter so!

Links:

Offizielle Webseite von Viarosa

MySpace-Auftritt mit Konzertterminen

SomeVapourTrails

3 Gedanken zu „Schatz im Schoß (Viarosa)

  1. Hallo, hier meldet sich Sonja vom Bremer Label Dandyland.
    Vielleicht kann ich ja doch noch eine persönliche Note setzen und mich für diese sehr gelungene Rezension bedanken!
    Wer Lust hat, Viarosa live in Deutschland zu hören, dem bietet sich ab Montag, 25. Mai 2009 die einmalige Gelegenheit dazu. Im Rahmen unserer Konzertreihe Songs & Whispers treten Viarosa in mehreren deutschen Städten auf.
    Näheres erfahrt Ihr auf unserer Myspace-Seite http://www.myspace.com/songsandwhispers.

    Im Juni tritt im Rahmen von Songs & Whispers übrigens auch Daisy Chapman mit ihrer Band Scarlatti Tilt an den gleichen Veranstaltungsorten auf!

    Liebe Grüße,
    Sonja

  2. Vielleicht wird die Freundschaft via Myspace ja auch persönlicher…und demnächst erscheint hier ne positive Review über Scarlatti Tilt?

    DifferentStars

  3. Das ist eine gute Idee…
    Wir veröffentlichen am 10. Juli 2009 „Gathering of the Haunted“ von Scarlatti Tilt (Re-Release) und schicken Dir demnächst das Album und Infos zu.
    Ein schönes Wochenende noch!
    Sonja

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