Wollt Ihr das totale Filesharing? (Teil 5)

Eine neue Studie zum Thema Filesharing, welche im Auftrag der britischen PRS erstellt wurde, formuliert wenig Überraschendes sehr deutlich. Künstler, welche in den Charts vertreten sind, werden auch auf P2P-Plattformen bevorzugt runtergeladen. 80 Prozent aller getauschten Songs konzentrieren sich auf gerade einmal 5 Prozent der vorhandenen Titel, während es bei legalen Song-Downloads sogar über 90 Prozent sind. Will also meinen, dass die Diversität des Angebots sowohl im Filesharing-Bereich als auch bei digitalen Stores wie iTunes von den Konsumenten kaum genutzt wird. Welche Lehren darf man nun aus diesen Zahlen ziehen?

Knabbern wir zuerst an der Grundsatzfrage. Soll uns die Tatsache, dass sich der Konsum von Musik auf eine überschaubare Zahl von Künstlern fokussiert, Grübelfalten in die Stirn zaubern? Fällt dies in die Kategorie natürlicher musikalischer Auslese? Verdienen eben lediglich benannte 5 Prozent unsere Aufmerksamkeit, weil sie aus kompositorischer, interpretatorischer oder auch vermarktungstechnischer Sicht gelungen sind? Oder fesselt uns ein schwer definierbarer Kulturbegriff an eine Fürsorgepflicht bezüglich nicht Mainstream-kompatiblen Outputs? Anders gefragt: Ist Kunst jenseits jedweden Kommerzes eine Säule gesellschaftlicher Entwicklung, die im Verborgenen blüht? Wenn dem so ist, wie definieren wir selbige und wie wird sie bewahrt?

Sollten wir uns zu der Festlegung aufraffen mögen, dass auch der kostenfreie P2P-Tausch der Vielfalt musikalischen Schaffens nicht zum Durchbruch zu verhelfen scheint, müssen wir bei Bejahung der Relevanz von Musik als Bereicherung des Menschseins eines der meist verwendeten Argumente von Filesharing-Aposteln als Humbug verifizieren. Filesharer sind ebenfalls nur bedingt audiophile Gourmets. Das ohne viel Federlesens mögliche Kennenlernen und Ausbuddeln unbekannter Acts wird kaum genutzt. Das Katrinchen aus Rostock sucht im P2P-Universum doch auch nur nach Daniel Schumacher und käme nicht eine Sekunde auf die Idee Bands wie Viarosa oder The Alexandria Quartett entdecken zu wollen. Der Bastian aus Bonn wühlt doch auch ausschließlich in den Untiefen nach Metallica und schert sich einen Dreck um Rockettothesky. Mehr noch: Die Studie unterstreicht die Annahme, wonach viel der via Filesharing akquirierten Musik nie angehört wird. Die kulturelle P2P-Bereicherung bleibt eine Mär.

Welche Lösungen hält der digitale Dschungel vorrätig, damit mehr Facetten kreativen Schaffens die Masse an Nutzern erreichen? Keine? Oder braucht es eine Idiotensteuer, auch Kulturflatrate genannt, welche allen Künstlern Einnahmen beschert? Wenn diese oft geforderte Steuer ihre Umsetzung erfährt, wird ja der Teil des Kuchens ebenso anteilig verteilt. An gegenwärtigen Zuständen würde dies absolut nichts ändern. Was Otto Normalkonsument nicht kennt, das lädt er weder legal noch illegal. Gehört wird, was im Gespräch ist. Medial großgekotzte Hypes bestimmen die Hörgewohnheiten, der Wille zu eigenständiger Erkundung des Angebots hält sich in Grenzen. Warum nach Perlen buddeln, wenn uns vermeintlich funkelnd Glitzerndes vor die Nase gehalten wird?

Was jedoch ist der sozio-kulturelle Sinn von Filesharing, wenn es doch nur die digitale Durchdringung finanziell erfolgreicher Acts widerspiegelt? Wenngleich die oben angeführten 20 Prozent natürlich über den mit 10 Prozent bezifferten legalen Downloads stehen, bleibt der Umstand, daß mittels P2P auch gesaugt wird, was in der Folge ungehört auf der Festplatte verschimmelt. Bravo!

Vorangegangen Filesharing-Betrachtungen: 1, 2, 3, 4

SomeVapourTrails

5 Gedanken zu „Wollt Ihr das totale Filesharing? (Teil 5)

  1. Weisste, SVT, P2P ist nunmal da und wird nie wieder weggehn. Also müssen wir damit klarkommen. Und die Internet-Pauschalabgabe muss deswegen eingeführt werden, weil Telekomkonzerne indirekt mit P2P Geld verdienen. So dass der Künstler ein Recht auf Vergütung hat (Die dann per 1000 Downloads etc abgerechnet wird). Und der „sozio-kulturelle Sinn“, wie du fragst, von P2P ist: Jeder kann veröffentlichen, so viel er wil. Marketing musst du trotzdem selber machen, ein Produkt allein genügt nicht.

  2. Man kann auch mit legalen Angeboten (MySpace, YouTube-Streams, Creative-Commons-Alben bei Jamendo, etc), die Leitung zum Glühen bringen. So zu tun als sei jedes Anbieten einer Flat automatisch ein Schielen der Telekomkonzerne auf P2P-Kunden, ist eine willkürliche Annahme. Und indem du den Künstlern, welche wenig Erfolg haben, schwaches Marketing unterstellst, nimmst du jeden einzelnen illegalen Downloader aus der Verantwortung. P2P gibt es, deshalb muss man sich damit arrangieren, so deine These. Nun, Mord und Totschlag existieren auch, soll man das deshalb auch gleich legalisieren?

    SomeVapourTrails

  3. Super Vergleich, lieber SVT: Mord und Totschlag, Raub, Vergewaltigung, Holocaust und P2P. Und bei Rot über die Ampel gehn. Oder Kiffen. Und ja, wenn ein Künstler keinen Erfolg hat, liegt es nicht an den Downloads, sondern daran, dass ihn keiner haben will. Aber ob P2P-Downloads Verkäufe reduzieren oder nicht, brauchen wir hier nicht mehr zu diskutieren. Haben wir ja schon zur Genüge.

  4. Du bist ein unbelehrbarer Verfechter von Diebstählen und erklärst dies damit, dass es Gesetzesbrecher halt so wollen. Und: Viele Künstler waren bettelarm und haben die Menschheit oft erst nach ihrem Tod bereichert. Was Kunst ist und wie man sie schützen muss, das sollte keinesfalls von Leuten entschieden werden, die stets das plakativ aufbereiten, was ein schnöder Mob auf der Suche nach simplen Wahrheiten hören will. Dein Blog ist ein tolles Beispiel für Kleinkariertheit.

  5. @lieinthesound: Dein „Raubkopier sind Verbrecher“ Habitus zeugt leider auch von einer gewissen Kleinkariertheit.

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