Die 6 Phasen zum Online-Marketing-Misserfolg

Musikblogger sind in der Regel Jäger und Sammler – immer auf der Pirsch, neue Künstler zu entdecken und die frohe Kunde weiterzugeben. Unsere bevorzugten Jagdreviere verrät euch unser Blogroll. Darüber hinaus ist es kein Geheimnis, dass wir – wie viele andere Musikblogs – von Labels und Promotionfirmen mit Infos + CDs versorgt werden.

Mein Email-Postkasten quillt an manchen Tagen derart über, dass ich mir 10 Ohren wünsche, um aus  der angebotenen Musik die Filet-Häppchen fischen zu können, mit denen sich nähere Beschäftigung lohnt. Newsletter sind immer wieder tolle Fundgruben für bisher von uns unentdeckte Künstler… machen aber auch extrem viel Arbeit. Im  Schnitt finden wir pro Woche 4 bis 5 CDs in unserem Briefkasten, über die wir uns wirklich freuen.

Uns ist dabei egal, ob eine Band 200 MySpace-Freunde/ Hörer auf Last.Fm oder 2 Mio Fans hat. Super-Indie oder Mainstream – gebloggt wird über das, was uns gefällt und wie es uns gefällt.

Falls jedoch hier jemand vorbei schaut, der nicht möchte, dass wir die von ihm betreuten Musiker besprechen, hier die Anleitung:

Wie es NICHT geht:

Uns blöd zuspammen!

Wir werden vermehrt angeschrieben von Leuten, die bei uns  Werbung abladen wollen. Die E-Mails zum Schreien komisch, wenn’s nicht so traurig wäre. Unfassbar, wer da so von Plattenfirmen beauftragt wird, uns zu nerven. Wer so richtig wissen will, wie man total in alle Fettnäpfen tritt und sich richtig unbeliebt macht, der google schnell mal nach Herrn Manke von folgender Firma – dieser gibt bestimmt irgendwo Kurse:

http://www.networking-media.de/

Der bisher misslungenste, grauenhafteste und dreisteste Versuch uns für vollkommen blöd zu verkaufen und als kostenlose Werbefläche zu missbrauchen. Für alle, die jetzt keine Seminare bei dem Herrn bezahlen wollen, die kurze 6-Phasen-Anleitung:

Phase 1:

Nicht vergessen, im Betreff der Email unbedingt „kein Spam“ unterbringen, so geschehen am 5.6 . Dort trudelte folgende  Mail (Auzug) in meinem Email-Postfach ein:

Guten Tag,

wir haben Dich als aktiven blogger im Netz entdeckt, finden gut über was du/ihr berichtet und erlauben uns hiermit, dir erstmalig ausgewählte Informationen zu ebenso ausgewählten Themen aus dem Bereich Entertainment zu senden.

Vielleicht entdeckst selbst du als Musikexperte noch die ein oder andere musikalische Perle. 🙂

Solltest du der Meinung sein, daß diese Informationen nur deinen Mail-Account verstopfen, schicke bitte kurz ein Reply und wir nehmen dich umgehend aus dem Info-Verteiler.

Andererseits freuen wir uns auch über positive Rückmeldungen, wenn dir ein Thema besonders gut gefallen hat, und über weitere Empfehlungen von Freunden und Bekannten, die ebenfalls als aktive blogger im Netz unterwegs sind und von uns mit Info beliefert werden möchten.

Mit besten, musikalischen Grüßen aus Hamburg

Es folgte noch ein unübersichtlicher Mix aus News über die aktuellen Releases von Regina Spektor und The Dave Matthews Band. Die Vielzahl an Rechtschreibfehlern zog selbst mir als Halb-Legasthenikerin die Schuhe aus. Pressemitteilungen sehen in der Regel anders aus – aber naja, die Musikbranche ist halt kreativ. Und sowieso… wieso übersichtlich. Augenkrebs ist auch ne schöne Krankheit.

Höflichkeit und Umgangsformen sind uncool, weiß auch Herr Manke, daher bitte folgenden Hinweis immer missachten:

Wer unser Impressum liest und Zeit genug hat, unsere E-Mail-Adresse dort zu finden, sollte auch Zeit finden, unsere Namen nicht zu vergessen. Zumindest unsere Vornamen… Liebe Brigitte, Lieber Christoph…

Phase 2:

Ok, dachte ich mir – Regina Spektor ist nicht so schlecht, Wilco haben die auch in ihrem Roster – schreib‘ ich mal zurück, dass wir die Alben besprechen wollen.

Phase 3:

Keine Reaktion. Networking-Media antwortet nicht. Wieso auch – die haben mir ja schon alle Infos gesandt – da gibt’s nichts mehr zu reden.

Phase 4:

Ich melde mich nochmal. Diesmal bekomme ich auch ne Antwort. Man hält mich höflich hin. Ich hake nach, irgendwann rück er raus mit der Wahrheit. Der Chef des Ganzen, Kai Manke, denkt überhaupt nicht daran, uns Rezensionsexemplare zu senden, wollte nur seine Werbung bei uns kostenlos platziert sehen.

Originalzitat:

Wenn wir JEDEN bemustern würden, der CD haben möchte, hätten wir einen Verteiler von x-hundert CDs.
Soweit zum Verhältnis.

Du betreibst einen Blog und betreibst es höchstwahrscheinlich als hobby, stimmt’s?

Ich bin sehr fasziniert, dass Herr Manke blogger konsequent kleinschreibt… bitte  immer missachten, dass eingedeutschte Wörter evtl. großgeschrieben werden, vor allem Hauptwörter. Noch toller finde ich sowieso als Hobbybastler bezeichnet zu werden. Weiß doch eh jeder, Musikblogger sind willige und billige Huren…

Phase 5:

Teile dem Herrn mit, das ich an einer Zusammenarbeit kein Interesse habe. Er schimpft mich daraufhin unprofessionell! Herrn Manke – ich bin auch keine Professionelle und lasse mich von Ihnen auch nicht ficken – wir gehen d’accord.

Phase 6:

Wir schreiben keine Reviews über Wilco „The Album“ und Regina Spektor „Far“.

Wer auch keine Review haben möchte, folge bitte dem Verhalten des Herrn Manko – ähm Verzeihung – Manke heißt der…

DifferentStars

16 thoughts on “Die 6 Phasen zum Online-Marketing-Misserfolg

  1. So eine Mail wird von mir sofort gelöscht. Oder sie ist so dämlich, das ich mich lustig drüber mache.

  2. r3lite

    Frechheit, dir erst die Zusammenarbeit anzubieten, dann aber Dich anzumotzen, wenn Du das annehmen willst. Die Alben nicht zu rezensieren ist aber auch unsinnig. Die Firma ist nicht der offizielle Vertrieb und schon gar nicht das Label dieser Alben, sondern nur ne kleine Online-Agentur, die irgendwas mit Musik nebenbei macht. Einfach ignorieren. Zumindest Wilco haben das nicht verdient ;).

  3. Der hat halt versucht, mich total zu verarschen… der Beitrag war noch viel wütender… hab ihn nicht gleich gepostet. Gibt aber auch eine Menge Promoter, die sehr fair sind und von denen dann auch gute CDs kommen…

    Solcher Unsinn wie oben wird in Zukunft auch direkt in den Papierkorb landen.

  4. @r3lite: Du hast ja Recht… ist nicht Schuld der Band… genau deshalb war ich auch so sauer. Das Schicksal guter Bands wird in die Hände von solchen A*** gelegt.

  5. Falk

    Fällt vielen Promotern oder Agenturen eben immer noch schwer, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Weil sie oft genug auch das Internet nicht verstehen oder sich eben meist nur als (Aus)sender von Informationen verstehen. Ich frag grad umgedreht sogar oft nach Downloads, statt CDs (denn das Argument ist durchaus schlüssig), aber da scheiterts dann sehr häufig ebenfalls. Nur dann brauch sich Agentur/Label/Band auch nicht beschweren.

  6. Es gibt immer wieder Fälle, in denen wir uns auf digitale Bemusterung einlassen. Kommt immer darauf an, wer wie fragt. Nur dieser Herr wollte ja noch nicht mal Mp3s von Wilco oder Regina Spektor rausrücken.

    Grundsätzlich schreiben wir bei von uns selbst entdeckten Künstlern ja auch ohne Rezensionsexemplare erhalten zu haben. In vielen Fällen gelingt es mir jedoch, einen Kontakt zum Label/ zur Promofirma herzustellen und nach freundlicher Bitte werden wir dann bemustert.

    Manchmal gilt auch, erst mal nur ne digitale Kopie, gegen Review-Link folgt dann die CD. Finde ich auch fair.

    Viele ahnen nicht, dass es durchaus viele Stunden kostet, sich in eine Platte reinzuhören um sie dann ordentlich zu rezensieren. Besonders bei mir neuen Künstlern, brauch ich ein paar Tage, bis ich die richtigen Worte finde. Würd ich den Wert einer CD in Stundenlohn umrechnen und unsere Fixkosten abziehen… es kämen nur wenige Cent bei raus.

  7. Falk

    Ich bin ja, wie du weißt, grad bei digitalen Medien durchaus ein Befürworter von digitaler Bemusterung. Schlicht wegen dem enormen Kostenfaktor, der grad für kleine und Indielabels entsteht, wenn du alle relevanten Medien mit Promos versorgen möchtest. Da fehlt meines Erachtens auch noch ein gutes Stück Verständnis dafür seitens der Autoren. Denn nur, weil wir kein Budget wie etwas Universal & Co. haben, heißt das ja nicht, daß wir weniger Aufwand betreiben. Nur eben mit viel weniger Geld in der Kasse – und bei dann vielleicht 50 – 500 verkauften Einheiten im Jahr, stellt sich die Frage nach Sinnigkeit diverser Werbemaßnahmen immer wieder und vor allem sehr intensiv. Da beißt sich der Hund leider zu oft in den eigenen Schwanz…

  8. Bei af-music akzeptieren wir daher auch ohne Klagen digitale Bemusterung 😉 Unser Geschmack ist halt leider meistens zu unterschiedlich – sonst würde ich mehr über euch schreiben…

    Ich hab immer noch ein schlechtes Gewissen, dass ich Rebentisch nicht besprechen konnte – die CD landete ja unerwartet in unserem Postkasten… ist halt ganz anders, als die Musik, die ich so höre…

    War richtig froh, dass ich mit Light In Your Life eine Band bei euch gefunden habe, die mir richtig zusagt 😉

  9. Falk

    Unser Geschmack ist halt leider meistens zu unterschiedlich

    Genau das find ich allerdings grad interessant – ich schau ja auch öfter über den düsteren Tellerrand. Und zu Rebentisch: Das ist ein gaaaaaaaaaaaaanz schwieriges Thema für Viele…entweder es wird gemocht oder gehasst, ein Dazwischen gibt es da nicht.

  10. Ach was…bekommst ne Review in einem Satz:

    Samstagnacht mit mind. 3 Bier intus – in ner schwarz gestrichenen, Kunstnebel durchfluteten Kelller-Disco… gar nicht mal so schlecht. Also hassenswert ist die Musik jetzt auch nicht, sonst hätte ich ja nen ganz schlimmen Verriss schreiben können 😉

  11. falkmerten71

    Ganz groß – danke! Das mit dem schwarz gestrichenen Diskokeller gefällt mir…

  12. Pingback: Tagesbericht No.28
  13. Tom

    Am Übelsten find ich aber immer noch die Mails/Kommentare, die einfach auf einen der neuesten Beiträge „eingehen“, indem sie schreiben: „Oh, toller Artikel über blabla, wirklich interessant! Vielleicht interessiert dich ja dann auch blablablabla.“

    Boah…

  14. @Tom:

    Haha… das ist so Myspace. „I have seen you are a fan of X – check out my music…“

    Wobei ich bei Privatpersonen immer dankbar bin, wenn sie mir nen Tipp hinterlassen – und das auch selber hin und wieder tue.

  15. Absolut korrekt, Brigitte! Nur für Regina und Wilco tut es mir leid.

  16. Naja.. ich gehöre auch zu den Grammatik/Ortographie-Terroristen und aus blanker Unsicherheit, tendiere ich auch dazu, eine halbwegs fehlerfrei verfasste email immer wieder als Vorlage zu verwenden 🙂

    Allerdings mache ich mir die Mühe, wenigstens den Vornamen (wenn es jüngere Leute sind) oder sogar Vor-und Zunamen (alles dann in der „sie“ Form) in die Ansprache reinzutippen.

    Wir als Indie-Label haben keine Kohle, extra irgendwelche Promo-Firmen zu beauftragen. Einerseits können wir immer persönlich reagieren, andererseits umgeht man dann Idioten, wie die von dir beschriebene Firma.

    Trotzdem habe ich bis heute noch nicht herausgefunden, wie man einen sauberen Kompromiss hinbekommt, so dass unsere Rezensions-Anfragen, dem BLOGGER / der BLOGGERIN den ihr sauer verdienten Respekt entgegen bringt und man aber auch nicht nach „Schleimer“ klingt. Versteht ihr was ich meine?

    Zumindest bedanken wir uns immer nach einer veröffentlichten Rezension, persönlich per mail, bei denen die eine Rezension geschrieben haben.

    Vielleicht habt ihr noch ein paar Tipps für mich 🙂

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