Metrische Schönheit voller Wut und Lebenslust

Seit Tagen schon rotiert in meinem CD-Player Fantasies von Metric. Die Review sollte längst oben sein, das schlechte Gewissen nährt sich. Immerhin – ich hab ne gute Entschuldigung – unser Blog-Umzug war/ist doch ganz schön zeitraubend. Wie schon früher auf der alten Seite erwähnt, hab ich Metric gerade erst für mich entdeckt… auch wenn Fantasies nun schon ihr 4. Studioalbum ist. Daür gibt’s nun keine gute Entschuldigung. Shame on me und Vielen Dank an den Metric-mit-in-den-Umschlag-Schmuggler.

Ich muss mich immer ein bisschen reinhören, bevor ich die richtigen Worte finde – generell ist Musik dann immer am einfachsten zu beschreiben, wenn man die passende Genre-Schublade aufmachen kann. Genau dem entziehen sich Metric jedoch vehement.

Dies ist dann tatsächlich auch eine ihrer Stärken. Die ganze Platte bezieht ihre Kraft aus dem Spannungsfeld… zwischen Genres und Gefühlen. Der Blick auf andere Review-Seiten zeigt – man ist sich sehr einige, dass Fantasies ein tolles Album, welchem Genre das Werk zuzuordnen ist, nicht. So divers die musikalischen Referenzen auf Plattentest.de*- so auch die labeleigene Genre-Definition(en): Psychedelica, Disco, Electronica, Punk-Rock, Wave oder Bubblegum-Pop. Ein Blick auf die musikalischen Landkarte hilft bedingt weiter,  Metric befinden sich karthografisch genau hier.

Vereinfachen wir das Ganze mal und einigen uns für den Moment auf melodiösen Powerpop 😉

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Zentrale Figur von Metric ist Sängerin Emily Haines – eine Dame mit gehörig Wut und Trotz in der Stimme, aber auch unbändiger Lust, das Leben in sich aufzusaugen, mit jeder Faser des Körpers zu spüren. Ansingen, ankämpfen gegen die eigene Traurigkeit, die sie laut Band-Bio hinter sich lassen will. Die Stimmungslage trifft den Puls der Zeit, so wummert seit vergangenem Herbst erfolgreich Help I’m Alive aus den Boxen vieler Indie-Discos und Radios. „Help. I’m alive. My heart keeps beating like a hammer. Hard to be soft. Tough to be tender.“ Der perfekte Soundtrack zum Straucheln und Abtanzen zugleich.

Hypnotisch verführt Sick Muse zum Mitsummen – Vorsicht ist jedoch angebracht. Metric liefern mit Fantasies ein Meisterwerk der doppelten Böden ab. „I’ll write you harmony in C. Everybody just wanna fall in love. Everybody just wanna play the lead.“ Die Traurigkeit, von der sich Haines vor Publikum wirksam verabschiedete, ist bösem Spott und Wut gewichen… andererseits der Finger zeigt natürlich immer nur auf die anderen 😉

Schwere Kost eigentlich – jedoch im leicht verdaulichem Gewand. Party-Mucke der anderen Art.

Mein absolutes Lieblingsstück auf Fantasies ist  Blindness. Haines taucht tiefgründig in die eigene Seele, berührt den Schmerz – Musik zum Pulsadernaufschneiden ist’s zum Glück trotzdem nicht. Mit ihrer eigenen Mischung aus tröstlich umschmeichelnd und den Stinkefinger hebend führt Haines Stimme durch Blindness : „I wanna leave but the world won’t let me go. What is and where it stops nobody knows. You gave me a life I never chose„. Die Bitte um Messerklinge und Augenbinde um den Weg zu finden… die Nachricht an die Überlebenden „Help is on the way“. Bittersüßes-dunkel-pathetisches vom Feinsten kredenzen uns Metric hier.

Macht auch nichts, dass Metric längst im Mainstream angekommen sind und so ist es wenig verwunderlich, dass Grey’s Anatomy die Seelenschmerzen seiner ewig screwed-up, am Rande des Nervenzusammenbruchs agierenden Jungärzte in Metrics Klänge hüllte.

Das Leben tut halt weh – wir wollen trotzdem möglichst viel davon und singen bzw. hören an dagegen.

Tracklist:

1.Help I’m Alive
2.Sick Muse
3.Satellite Mind
4.Twilight Galaxy
5.Gold Guns Girls
6.Gimme Sympathy
7.Collect Call
8.Front Row
9.Blindness
10.Stadium Love

VÖ: 19.6.2009
Label: PIAS

metriccover

MP3: Metric – Front Row

Links: Homepage, Myspace

DifferentStars

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* Yeah Yeah Yeahs; Garbage; Howling Bells; Hidalgo; The Rogers Sisters; You Say Party! We Say Die!; Controller.Controller; Curve; Republica; Veruca Salt; Love Is All; Stars; Blonde Redhead; Broken Social Scene; Feist; The Cardigans; A Camp; Briskeby; The Sounds; Dragonette; Beangrowers; The Delgados; Emma Pollock; The Ting Tings; Black Box Recorder; The Organ; Lovers Love Haters; 50 Foot Wave; Kristin Hersh; Throwing Muses; The Duke Spirit; Pretty Girls Make Graves; Sister Vanilla; Amy Millan; Emily Haines & The Soft Skeleton; Mazzy Star; Tegan And Sara; Matt & Kim; Rilo Kiley; The Cranes; Lykke Li; The Knife; Fever Ray; St. Vincent; She & Him; Fiona Apple; Dover; The Kills; The Raveonettes; The Long Blondes; Tilly And The Wall; Heather Nova

4 Gedanken zu „Metrische Schönheit voller Wut und Lebenslust

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