Wehe, wenn die Gitarre die erste Geige spielt!

Oftmals erhascht man ein Album, legt es mit zittriger Hand in den CD-Spieler ein, verbarrikadiert Gedanken und Gefühl vor den Einflüssen der Außenwelt und spürt die Bereitschaft zur Transzendenz. Alle Sinne liegen geschärft auf der Lauer, die Spachtel in der Hand, um Schicht für Schicht des Hörerlebenisses abzutragen. Genussvoll werden Bedeutungsstränge auseinanderklamüsert, sucht man ein essentielles Mehr an Musik als lediglich zum Behufe der Berieselung.

Auf den ersten glubschäugigen Blick verspricht die neue Platte des britischen Songwriters Fink einiges, was bei eingehender Betrachtung letztlich aufgeplustert scheint. Das Werk Sort Of Revolution zieren feine Ansätze, die in der Gesamtheit freilich einen meist unaufdringlich-angenehmen, mitunter zahmen Nachgeschmack hinterlassen. Dabei setzt Fin Greenall den mit Biscuits For Breakfast und Distance And Time eingeschlagenen Weg konsequent fort, fabriziert nette Songs, deren besonderer Makel in der Absenz genialer Momente besteht, die beim Hörer ein jähes Aufhorchen verursachen.

Fink
Fin Greenall aka Fink

In der Stärke Finks fußt auch die Schwachstelle. Die bewußt zurückhaltenden Arrangements verleihen Liedern wie Sort Of Revolution eine Aura von intimer Nachdenklichkeit, die mit kleinen Höhepunkten wie Background-Gesang oder Verhallungen jegliche Monotonie vermeidet, aber eben bei nochmaliger Inaugenscheinnahme ihr Pulver bereits verschossen haben. Verdammt unauffällig versickert der Track, blutet rasch aus. Das weitaus bluesigere, mit Piano veredelte Move On Me offeriert exemplarisch eine gefinkeltere Seite im Songwriting, die eindringlicher und gleichsam aufregender auf den Hörer überschwappt. „So much changes“ trällert Fink bei Six Weeks gegen die immer gleichen Akkorde an, erkennt nicht, dass diejenigen seiner Songs, in denen die Gitarre die erste Geige spielt, so herrlich leicht aus dem Gedächtnis flutschen – wie dies leider auch Nothing Is Ever Finished tut. Sobald er die Lieder für Piano, Percussion oder A-Cappella-Einlagen öffnet, sieht die Chose bereits anders aus. See It All und vor allem das einen Flying-Pickets-Gedächtnisorden verdienende Q & A haften besser als Kukident in den Gehörgängen. Hier wird die dröge Klampfe in die Ecke gestellt und das Rezept kammermusikalischer Noblesse sehr gut umgesetzt. If I Had A Million führt die im Titel suggerierte Betrachtung mit der vermaledeiten Gitarre vor und verblasst. Wenn auf Pigtails die Mundharmonika brummt, wird schon eher ein Stiefel daraus, zwirbelt Abwechslung das Schnurrbärtchen. Das Highlight des Albums ist Maker, dank des gospelartigen Refrains, dem dezenten Beat und der im Hintergrund verzerrt schnarrenden Gitarre. Derart trumpft Fink zu selten auf – auch textlich. Walking In The Sun bildet einen versöhnliches Abschluss: Fink zupft und schlägt Gitarre, singt sehr präsent und gönnt sich ein vielkehliges Gesumme als Rausschmeißer.

SortOfRevolution

Ich möchte ein versöhnliches Ende mit Sort Of Revolution finden. Trotz zeitweiliger Schwächen bietet es auch gelungene Momente, die Fink als ambitionierten Songwriter mit starken Ansätzen charakterisieren. Er wird mir noch viel Freude bereiten – und vielleicht schon mit dem nächsten Album mehr essentielle Musik bescheren.

Links:

MySpace-Auftritt

Hörproben auf der Label-Seite Ninja Tune

SomeVapourTrails

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