Weht da eine frische Brise aus Österreich auf dem Oberdeck?

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Gut abgelagert und jetzt mit schlechtem Gewissen wieder rausgekramt komme ich nach dem Umzugsstress endlich dazu, mich ein wenig näher mit den orangen Liegestühlen – Deckchair Orange – zu befassen. Grundtenor vieler Reviews  über die Österreich lautet in etwa so: Schadet nicht beim Hören – muss aber auch nicht unbedingt sein. Irgendwie nettes Indie-Rock-Pop-Gegplänkel, „radio friendly“ und eigentlich nur bemerkenswert, da aus Österreich ja nicht so wahnsinnig viel Musik zu uns rüber schwappt (von Christina Stürmer mal abgesehen).

Dabei verstecken sich auf dem Album ein paar sehr nette Lieder, die richtig gut sein könnten, würden sie eine Spur dreckiger klingen. Eingängige Melodien, schön instrumentiert und umgesetzt. An den Songwriter-Qualitäten ist nichts auszusetzen – nicht brillant, aber unterhaltsam und als Soundtrack für den Alltag durchaus angenehm. Leider stehen sie mit ihrem Stil jedoch in Konkurrenz zu einer Vielzahl an jungen Bands, die derzeit ähnliche Musik machen und besser sind. Tönen wie die brave, langweiligere  Variante von The View & Co. Leider keine frische Brise aus dem Nachbarland.

Ganz Abschreiben sollte man die Jungs sicher nicht. Da klingt viel Potential und manchmal ist natürlich das, was den Kritikern zu wenig, für die Massen gerade passend. Für mich persönlich, das größte  Manko von Deckchair Orange, ist ihr Sänger Alex Wieser. Der kann zwar singen  – nur man hat immer so ein bisschen das Gefühl, da versucht jemand wie ein verlebter Rocksänger zu klingen, ein wenig Mick Jagger zu imitieren. Bildlich sehe ich dann jedoch  einen durchschnittlichen Studenten vor mir, der zugegeben mal ne Nacht durchfeiert und so halt das wilde Leben genießt.

Wer zu bemüht Englisch singt und international klingen will, bei dem bleibt die Authentizität auf der Strecke… wer weiß, vielleicht würde auch hier ein bisschen mehr Mut zur eigenen Sprache helfen.

Bonuspunkte bekommen die Österreicher von mir für das  verspielte Arrangement ihrer Songs. Gekonnt werden klassische Instrumente wie Bläser und auch ein Banjo miteingeflochten. Leider immer mit angezogener Handbremse. Nicht über die Stränge schlagen – ja nicht auf die Pauke hauen. So verpufft Lied über Lied in belanglosem Wohlgefallen.

Highlight der Platte ist für mich Facts & Fiction – nicht ohne Grund, die post-rockig singenden Gitarren haben’s mir angetan. Fast schon ein wenig entfesselt trumpft der Song im hinteren Drittel auf. Mehr davon wär schön gewesen.

Ein bisschen fraglos bleib ich zurück. Wie rezensiert man ein Album, dass zu gut zum Verreißen und zu belanglos für Lob ist, bei dem wenig falsch gemacht wurde und dass trotzdem nicht richtig gut geworden ist. Hm, man wünscht den netten Jungs alles Gute – wünscht ihnen jedoch mehr Ecken und Kanten.

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VÖ: 29.05.09

Label: Dienje (Rough Trade)

Tracklist:
01. Solid Lie
02. Rose
03. Golden Place
04. Fine Wine
05. Bullet In Your Mind
06. Still Happening
07. Facts & Fiction
08. Amsterdam
09. Edge Of The World
10. Colorado
11. Crossword

Link: Myspace

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