Keine fett brummende Eintagsfliege? – The Dead Weather

Immer wenn sich eine sogenannte Supergroup formt, bin ich versucht, dies als launiges, wenig relevantes Intermezzo abzutun. Ein Nebenprojekt, welches Musiker bei unverkrampftem Spiel vereinigt. Geht die Chose schief, kehren die Herrschaften zu ihren alten Acts zurück, und falls sich Erfolg – sowohl in künstlerischer wie kommerzieller Hinsicht – einstellt, dann untermauern die Protagonisten lediglich ihren Ausnahmestatus. Doch Bands funktionieren dauerhaft nur dank klaren Hierarchien und sauberer Arbeitsteilung – es sind fragil gewachsene Gebilde. Und eben jener Mangel an Strukturen macht derartige Kollaborationen zwar für einige Live-Shows tauglich, aber das Songwriting bleibt oft albinohaft. Und in diesem Punkt überraschen The Dead Weather mit ihrem ausgefuchsten Debüt Horehound.

Horehound

Psychodelischer-bluesiger und gern auch straighter Rock wird von den Mitgliedern Alison Mosshart, Jack White, Dean Fertita und Jack Lawrence superb kredenzt. Bereits mit dem Opener 60 Feet Tall ist die Stoßrichtung definiert. Mosshart krächzt mit Reibeisenstimme, die im Laufe der Platte in den besten Momenten die Verstörtheit einer PJ Harvey und eine Energie gleich Juliette Lewis erreicht, während die Spannung intensiv angeheizt in einer verzerrten Gitarre kulminiert. Auch Hang You From The Heavens tönt lärmig mit feinem Schlagzeug-Punch und aufreizenden Atempausen, ehe die Instrumente richtiggehend durchgemolken werden. Und bereits nun scheint evident, dass es sich um ein Mehr an Musik handelt, als es die auf Jack White zugeschnittene Vermarktungsstrategie vermuten lässt. White schmummelt sich nur selten ans Mikro und hielt sich auch – laut Credits – beim Songwriting nobel zurück. Treat Me Like Your Mother gerät mit treibendem Sound und einer im Mittelteil ekstatisch schreienden Mosshart ebenso zu einem Highlight wie das von Lawrence am Bass und Fertita an der Gitarre mit Western-Flair gesegnete Rocking Horse, bei dem sich White zu einem Duett aufschwingt und sinister röhrt. Die Serie der Highlights wird auch durch das Dylan-Cover New Pony fortgeführt, wenn das Background-Geschrei sogar die Präsenz Mossharts desavouiert. Neben gitarrenschweren Songs findet sich auch das funkige, von toller Orgel getragene I Cut Like A Buffalo auf Horehound wieder, zeigt den Abwechslungsreichtum des Albums. Und am Ende sorgt die bluesige Ballade Will There Be Enough Water? mit reduzierter atmospärischer Dichte für einen düster, gänsehäutigen Ausklang, gerät zum Hörstück für Whites Talent.

Mein Fazit kann nur positiv ausfallen, besonders da ich keine hochgeschraubten Erwartungen hegte. Hier wurde ganze Arbeit geleistet und eine spannende, kurzweilige, aufregende Rock-Platte vorgelegt, welche auch diejenigen Hörer erfreuen wird, welche Jack White und The White Stripes nicht in ihr Herz geschlossen haben. Bleibt zu hoffen, dass The Dead Weather mehr als nur eine fett brummende Eintagsfliege sind.

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