Säuselnd Liebe machen bis zur Besinnungslosigkeit

…oh ja…seufzen die Einen, sinken nieder auf’s Sofa oder lassen sich zu so manchen Bewegungen – auch tanzender Art verführen. Die Anderen schreien: Oh weh! Wo bleibt da der Sinn, das Besinnen, auf die tiefe Bedeutung. Welch Sakrileg!

Die Rede ist hier natürlich von Nouvelle Vague, die nun ihr drittes Album, sinnigerweise „3“ betitelt, veröffentlicht haben. Ver-bossa-nova-ierte oder ver-bossa-nova-irrte Klassiker in die Welt senden, ist hier die Frage, die zu gleich beantwortet wird:

Säuselnd Liebe machen, bis zur Besinnungslosigkeit, ist ganz wünderbarr und alte Bekannte werden plötzlich zu heiß begehrlichen Objekten der Begierde. So geht’s zumindest mir, bekennender Weise mehr Genussmensch, als Rollkragenpullover tragende Existentialistin. Rotwein schmeckt auch gut, wenn er ohne entsprechende Attitüde, nur so zum Spaß getrunken wird 😉

Diesmal ist Marc Collin und Olivier Libaux eine Verführung der besonderen Art gelungen und sie haben einige Schöpfer der Originale gleich mit ins Studio geholt. Andererseits, da wo hübsche Französinnen locken, braucht man meist die Stars nicht lange zu rufen. Martin Gore, Ian McCulloch und Terry Hall gehen ihn mutig ein, den Reigen.

Glanzstück von 3 ist Master and Servant, Melanie Pains Duett mit Martin Gore. Hier gewinnt Song durchs scheinbar harmlose Gesäusel an Subtext und Subversion. Schon im Original war der Depeche Mode-Klassiker das beste, der aktuell von Nouvelle Vague gecoverten Lieder.

Besonders erfreulich für mich: Selbst Road to Nowhere wird wieder genießbar. Es gibt einfach so einige 80er-Sachen, die sind mir so über, einstige oder immer noch bestehende musikgeschichtliche Bedeutung, sind mir da so Schnuppe. Talking Heads adé sag ich da mal ganz frech und schäm mich keine bisschen dafür.

Nicht ganz gegen den Strich ist die Coverversion von Such A Shame gebürstet. Ohne 80er Pathos, immer noch nachdenklich und sentimental, mag mich der Song immer noch berühren und gehört zu den stärksten Momenten auf dem Album.

Einzig allein God Save The Queen verpufft belanglos. Hier war auch nie das Lied groß, sondern nur die Haltung, mit der es vorgetragen wurde. Dem Kontext beraubt, hätte hier jemand auch einfach nur lalala singen können. Irgendwie langweilig. Wirklich ärgern, werden sich jedoch nur echte The-Sex-Pistols-Die-Hard-Fans… alle anderen skippen mal schnell weiter.

Bevor ich nun beginne, sinnlos zu zerpflücken, was einfach nur genossen gilt: Selber hören und mit ein bisschen Glück der französischen Genusssucht anheim fallen macht Spass 😉

Nouvelle Vague – Master and Servant LIVE ON WFMU

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NOUVELLE VAGUE
3
1. DEPECHE MODE :Master and Servant (Melanie Pain, feat. Martin Gore)
2. VIOLENT FEMMES : Blister in the Sun (Eloisia)
3. TALKING HEADS : Road to Nowhere (Nadeah Miranda)
4. ECHO AND THE BUNNYMEN : All My Colors (Melanie Pain feat. Ian Mc Cullough)
5. SIMPLE MIND : The American (Silja)
6. PSYCHEDELIC FURS : Heaven (Karina Zeviani)
7. MAGAZINE : Parade (Nadeah Miranda feat. Barry Adamson)
8. GARY NUMAN : Metal (Eloisia)
9. PLASTIC BERTRAND : Ca Plane Pour Moi (Leelou)
10. THE GOGO’S : Our Lips Are Sealed (Marina Celeste feat. Terry Hall)
11. THE SEX PISTOLS : God save The Queen (Melanie Pain)
12. SOFT CELL : Say Hello, Wave Goodbye (Sophie Delila)
13. THE POLICE : So Lonely (Nadeah Miranda)

Label: PIAS Germany

Live erleben:

22.08.2009 Hamburg, Kampnagel
09.09.2009 Düsseldorf – Zakk
10.09.2009 Mannheim – Alte Feuerwache
11.09.2009 Dresden – Alter Schlachthof
12.09.2009 München – Theaterfabrik

Link: Homepage

DifferentStars

2 Gedanken zu „Säuselnd Liebe machen bis zur Besinnungslosigkeit

  1. Mmm, schweres Album! Für mich als Bossa Nova Fan ist das so ne Sache. Für Bossa Nova irgendwie zu sehr 80s. Andererseits ist „Such A Shame“ natürlich der Knaller – war es ja auch schon im Original (Talk Talk sind einfach toll)! Aber ihr wisst ja sicherlich: Wo hübsche Französinnen dabei sind, bin ich nicht weit ;o)

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