Verquere Kohärenz – The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble

Eine reichlich verquere Mischung aus düster-elegantem Jazz, ausladend-symphonischen Post-Rock-Elementen und aufregend elekronischem Minimalismus bot die in den Niederlanden angesiedelte Formation The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble mit ihrem gleichnamigen Debüt 2006. In den kommenden Wochen wollen wir an dieser Stelle mehrfach die jüngsten Veröffentlichungen einer der originellsten, innovativsten Bands hervorheben und den werten Lesern dieses Blogs ans Herz legen.

The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble

Diesmal sei die im Januar dieses Jahres beim tollen Label Ad Noiseam erschienen EP Mutations ins Blickfeld gerückt, welche als Vorgeschmack auf kommende Glanztaten verstanden werden darf. Die Faszination des knapp 40 Minuten währenden Soundgewitters liegt in der Fusion verschiedenster Stilrichtungen zu einem stimmigen, unberechenbar eigentümlichen Ganzen, welches trotz aller Komplexität durch und durch kohärent ist.

Unter den 8 grandiosen Tracks ragt München hervor, in welchem die beiden Masterminds Jason Köhnen und Gideon Kiers eine hinreißende Melodie in einen elektronischen Schmelztiegel gießen und daraus eine formvollendete, entrückte Fantasie kreieren, die wuchtig scheppert und letztlich sacht entfleucht. Ebenso einnehmend kuschelt sich der verhuscht-ätherische Gesang Charlotte Cegarras in das oft und gern von Bass, Gitarre, Posaune, Cello und Drums gemachte Bett, um dort von elektronischen Ekstasen heimgesucht zu werden – wie im Opener Caos Calmo zu vernehmen. Es flirrt eine brennende Radikalität in Twisted Horizons, wenn sich zum anfänglichen Western-Flair das Schlagzeug gesellt und sich vor dem Hörer plötzlich eine bruchstückhafte Lärmwand auftut. Verschlumpft quillt Symmetry Of 6’s durch eine glasklare, von schöner Gitarre geladene Sphäre, erfährt die verhallte Abgehobenheit ihre Erdung in den Beats. Jeder Titel ist mit Eigenheit getränkt, mal schippert die Posaune in einen Strudel digitaler Effekte, dann lüpft lupenreiner Ambient den Schlüpfer.

Mutations

Die Weiterentwicklung von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble besteht in der Hinwendung zu verstärkter Elektronik und Gesang, der sich der dichten und düsteren Grundstruktur unterwirft. Die Post-Rock-Note des Erstlingswerks trat in den Hintergrund, allzu jazzige Harmonien wichen ebenso. Das schwungvolle Flair brechen nun vermehrt hackige Synthie-Töne, durchzuckt ein Ruckeln mediative Soundteppiche, wird eine getragenere Grundstimmung lanciert.

Wer die Formation bis dato noch nicht kannte, wird sie nach Erlauschen von Mutations nie mehr vergessen wollen. Ein formidabler Zwischengang, der – soviel darf ich bereits verraten – bereits mit der nächsten Scheibe an Köstlichkeit noch überboten wird.

Links:

Label-Seite mit Hörproben

Offizielle Webseite

SomeVapourTrails

4 Gedanken zu „Verquere Kohärenz – The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.