Becircender Parforceritt – Soulsavers

Arrivederci, sommerliche Veröffentlichungsflaute. Ein erster musikalischer Knallfrosch lässt uns vom Dösen unter sengender Sonne hochschrecken und aus dem Brackwasser sommerlichen Seins in die lichten Höhen absoluter Tiefgründigkeit tauchen. Mit dem Album Broken hat das unter dem Namen Soulsavers agierende Produzenten-Duo Ian Glover und Rich Machin einen nahezu perfekten, erbaulich-eleganten Parforceritt auf CD gestemmt, dessen Aushängeschild die in Mark und Knochen fahrende Stimme Mark Lanegans ist. Die vielfältig gestalten Lieder gemahnen im Ausdruck an einen in Höchstform agierenden Nick Cave, schallen predigend und nie penetrant, atmen Düsterkeit und schönste Traurigkeit.

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Das für die Ewigkeit gemeißelte Highlight der Platte mag die von Will Oldham geschriebene Ballade You Will Miss Me When I Burn mit sehr reduziertem Klavierspiel, dezentem Streichereinsatz und einem völlig unhysterisch flehenden Lanegan sein. Hier tritt ein, was alle Jubeljahre einmal geschieht: Eine Cover-Version tilgt die Erinnerung an ein bereits im Original famoses Lied komplett, macht es sich ganz und gar zu eigen. Doch becircen weitere Leckerbissen den Hörer. Als Beispiel wäre ein in bester Tom-Waits-Manier dargebrachtes Hobo-Lied namens Can’t Catch The Train, dessen sehnsüchtiges Bedauern herzbrecherisch gelingt, zu nennen. Oder das mit Western-Flair punktende Pharaoh’s Chariot, welches als schwermütiger Abgesang flirrt und textlich eben an die Wortgewalt des oben erwähnten Herrn Cave heranreicht. Nur selten wird das Mikro weitergereicht, darf Frau Rosa Agostino als Red Ghost leidend durch verhallte Kulissen stapfen. Was auf Praying Ground nur bedingt funktioniert, fasziniert mit Lanegans Unterstützung auf dem von schrägem Saxophon malträtierten Rolling Sky. Dunkel ummantelt seine Stimme die helle Agostino, behübscht mit einer jazzigen Trip-Hop-Prise.

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Glover und Machin haben in Broken zahlreiche Stile verwurstelt – vom souligen All The Way Down bis hin zum sinister-psychodelischen Rock von Death Bells. Und trotzdem ergibt dies in der Summe ein überaus stimmiges Album, dessen erhabene Wucht und leiser Schmerz den audiophilen Schöngeist in den Bann ziehen. Für solch geniale Düsterkeit lohnt sich der Abschied von jeglichem sommerlichen Gute-Laune-Gejaule allemal.

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MySpace-Auftritt mit Hörproben

SomeVapourTrails

2 Gedanken zu „Becircender Parforceritt – Soulsavers

  1. Donnerwetter! Eine Überschrift die es in sich hat. Als Baumschüler müsste ich beide Wörter im Duden nachblättern. Potzblitz.

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