Berlin Festival – Bei Rüpel-Pete rüpelten nur die Weiber

So meine lieben Leser, wir starten unsere Berlin-Festival-Berichterstattung mal mit meinem persönlichen Headliner des Abends, der werte SomeVapourTrails leckt derweil noch seine Wunden. Insgeheim hatte der Liebste wohl darauf gehofft, mich trösten zu dürfen, dass Pete doch nicht kam. Irgendwie hat ja kaum jemand damit gerechnet, dass Mr. Doherty wirklich erscheint. Seine Rüpel-Attacken fielen dann auch sehr enttäuschend aus – die BZ versuchte zwar nen Skandalbericht draus zu schustern und nur weil sie Peter gefühlte 100 Mal Rüpel-Pete nennen, die Rüpel-Ausbeute des Abends blieb eher traurig. Gerade mal ein Flugzeug verpasst, nur 50 Minuten zu spät in Berlin und einem lausigen Fotografen gegens Schienbein getreten. Seine Fans können da mehr – aber dazu später.

Nachdem wir beim Saint-Etienne-Konzert zum ersten Mal am Abend wirklich Stimmung und Star-Appeal erlebt hatten, setzte bei uns erstmal das Warten ein. Kurze Versuche anderen Acts ne Chance zu geben, scheiterten und ließen uns lieber auf dem Asphalt platznehmen. Wie man bei einem so tollen Gelände ausgerechnet den Rasen zur Sperrzone erklärt und lieber auf unterkühlte Hallenatmophäre setzen kann, ist uns beiden ein Rätsel. Sommerfestivals erlebte ich bisher anders und ähm… die Grundstimmung des ganzen Events war dann auch unterdurchschnittlich.

Also Warten auf Pete, mit Bier, dessen Farbe, Aussehen und Geschmack  im milchfarbigen Plastikbecher einer Pinkelprobe beim Arzt glich. Warsteiner war das glaub ich, trink ich sonst auch nie freiwillig, jetzt auch bestimmt nie wieder…

Aber ach was, es geht hier ja um Musik und so begaben wir uns zurück in die Halle, die sich erst gemächlich füllte und uns in der 7. Reihe brachte. Pete ließ nur ein wenig auf sich warten… dafür nahmen nach und nach immer mehr Konzertgäste immer öfter immer weniger freundlichen Körperkontakt mit uns auf.

Dann geschah das, was kaum jemand erwartet hatte: Pete stand auf der Bühne. Ohne Tamtam, ohne Band, nur mit Klampfe in der Hand und 2 im aktuell total en vogue-em Elfenlook gekleideten Ballerinas. Surreale Erscheinungen der dritten Art – aber ich mag so was ja. Für Rock ’n‘ Roll sorgen nur die weiblichen Fans, die mittels Ellbogen, Fingernägel und Tritten sich in die vorderen Plätze vorzukämpfen versuchten. Aber ich bin ja auch schon alt, so über 30 und geh trotzdem nicht aus dem Weg.

Zurück zu dem Herrn auf der Bühne. Stimmlich nicht ganz auf der Höhe, sich kunstvoll auf der Gitarre vergreifend, immer wieder so aussehend, als ob er gleich umkippe… lieferte der Gute doch ne gute Show ab. Schwer zu sagen, was hier Attitüde oder echter Wahnsinn. Niemand wischt sich den Schweiß so schön von der Stirn wie Pete mit der eigenen Krawatte 😉

Dank YouTube hier zwei Videos des Auftritts:

Peter Doherty – Lady don’t fall backwards (live at Berlin Festival 2009)

Peter Doherty – Music when the lights go out (live at Berlin Festival 2009)

Fazit: Das Warten hat sich gelohnt, nochmal werd ich mich aber nicht so hauen, um einen Blick auf den Herrn werfen zu können. Wer auf die Idee kam, Peter Doherty in der kleine Halle auftreten zu lassen, die in den hinteren Reihen nur stickige Luft und schlechte Soundqualität bot, gehört mit sofortiger Wirkung seines Jobs enthoben. Generell ist Tempelhof ja ne vielversprechende Location, die von den Organisatoren des Festivals vollkommen fehl- und verplant wurde. Die Durchmischung des Line-Ups unglücklich… aber wir haben einen der raren, nicht abgesagten Auftritte von Peter Doherty erlebt. Werd ich mir nicht unbedingt auf meinen Grabstein meißeln lassen. Ist aber wenigstens was.

Setlist und Fotos vom Konzert gibt’s auf dem taz-Blog.

PS: SomeVapourTrails denkt drüber nach sich, auf Last.fm ne neue Freundin zu suchen, die auf rein zivilisierte Dreampop-Klänge steht und nur Konzerte mit fester Sitzplatz-Verteilung besucht…

PPS: Er ist aber Fan der Babyshambles und selber schuld, dass er sich mich ausgesucht hat 😀

DifferentStars

Tempelhof_48-Sibilla Calzolari

Pressefoto: Sibilla-Calzolari

2 thoughts on “Berlin Festival – Bei Rüpel-Pete rüpelten nur die Weiber

  1. Sehr gut, trifft genau mein Empfinden, vor allem: „Generell ist Tempelhof ja ne vielversprechende Location, die von den Organisatoren des Festivals vollkommen fehl- und verplant wurde.“

    🙁

    Leider…

    Werden heute Abend desillusioniert hingehen…wünsche mir die Fusion zurück! 😉

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