Boulevard of the Nameless (IV)

Seit knapp 8 Wochen schon will ich den geneigten Lesern unseres Blogs ein Perle unter das Näschen halten und dabei nicht müde werden, den kleinen Schatz prahlerisch vorzuzeigen. Pājaro Sunrise nennt sich das Projekt des Spaniers Yuri Méndez, dessen Zusammenarbeit mit Pepe López nun im Doppelalbum Done/Undone kulminierte und Ende April in unseren Breiten erschien. Wenn ich die Anzahl der Hörer auf Last.fm durch den derzeitigen deutschen Amazon-Verkaufsrang dividiere, erhalte ich die Zahl 0,066561. Was dies nun genau aussagt, vermag auch ich nicht zu erläutern. Nichtsdestotrotz ist das Ergebnis derart gering, dass sich Pājaro Sunrise ein ausgewählt schönes Plätzchen auf dem Boulevard of the Nameless verdienen.

Done-Undone

Stilistisch pendelt Pājaro Sunrise zwischen folkigen Elementen und entspanntem Pop der 60er-Jahre. Eigentlich eine erfolgversprechendes, nie aus der Mode kommendes Konzept, welches in besagtem Falle auch keine Langeweile kennt. Méndez singt unaufdringlich-elegant und klar, ohne zuviel heißblütiges Schmalz oder Herumgejammer. Der im Kern meist auf Gitarre und Gesang fokussierte Sound reduziert sich freilich eben nie auf rein akkustisches Geschrammel, sondern packt schon mal ab und an die elektrisches Spielzeug aus. Die Lyrics sind oft fragil und meist unspektakulär pfiffig. All diese Zutaten ergeben zwangsläufig ein Album von feiner Qualität.

Von der Ausrichtung auf leise, intime Töne her werden Yuri Méndez und seine musikalischen Begleiter nie Hitparaden stürmen, riesige Hallen füllen und in heutiger Zeit auch wenig Geld verdienen. Was mit viel Herzblut gefertigt und unwiderstehlich überzeugend Stimmungen flicht, wird als Kleinod rasch verwittern. Leider.

Unter den 22 Titeln, die fein säuberlich in die Kategorien „Done“ und „Undone“ einsortiert sind, empfehlen sich das hübsch zum Mitsummen einladende Beggar/Lover, das mit Glockenspiel verzierte und der netten Zeile „I’m becoming my own neighbor/ a shadow in the yard/ too scared to search the sun“ ausgestattete Disabled oder auch Ruby Girl (Lullaby for Irene), welches ohne weiteres aus der Hochblüte von Simon & Garfunkel stammen könnte. Kinda Fantastic bedient die Mitwipp-Fraktion, atmet viel Verspieltheit und gerät zu einem poppigen Ohrwurm, dessen Ausgelassenheit einen gelungen Kontrapunkt setzt. Auch die Cover-Version des Springsteen-Klassikers Hungry Heart mit A-Cappella-Rhythmus grinst toll verschmitzt, während ein Point Of No Return weniger luftig, fast schon einem dreckigen Blues huldigend klingt. Das von Nachdenklichkeit beseelte Come Down gerät mit seiner Schlichtheit zu meinem persönlichen Favoriten.

Was heute namenlos, muss nicht immer das Dasein als Geheimtipp fristen. Darum seien Pājaro Sunrise die besten Wünsche auf den Weg und dem Leser ein kostenloser Download zwecks Möglichkeit einer intensiveren Bekanntschaft mitgegeben. Anhören lohnt sich.

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SomeVapourTrails

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