Macht doch einfach ein Kloster draus!

Dieses ganze Nölen und Klagen der Blogosphäre und Musikjournaille über den unterirdisch bis überhaupt nicht mehr erträglichen Sound muss ebenso in den Ohren und Eingeweiden der Veranstalter schmerzen, wie der Grund des Wehklagens.

Wieso, wie kann man nur und was haben die sich dabei gedacht. Vor unseren Augen tanzten mehr Fragezeichen als Leute vor der Bühne. Fast vom Stuhl gerissen hätte mich dann heute ein Artikel der Morgenpost vom 5.8.2009. Das Festival war tatsächlich… wie naheliegend, als Open Air gedacht, zumindest die Hauptbühne sollte im Freien stehen, nur…

Laut Morgenpost gibt’s seit geraumer Zeit Probleme mit den Anwohnern, die sich durch zugeparkte Wohnstraßen, Stau, Verkehrschaos und Lärm belästigt fühlen. Hinzu kommt

„das Kompetenz-Wirrwarr bei den Genehmigungsbehörden des Senats und auf Bezirksebene“,

so sei der  zuständige Stadtrat, Oliver Schworck (SPD) am  Dienstag vergangener Woche plötzlich total überrascht von der Veranstaltung gewesen.

„Von dem Festival habe er bislang gar nichts gewusst. Dass bis morgens um 7 Uhr Musik auf dem Flugfeld ertönen soll, erzürnt den Stadtrat.“

[…]

Schworck ging am Dienstag noch davon aus, dass wie bei dem Musikfeuerwerk Konzerte nur bis 23 Uhr zulässig seien.

Der Traum vom perfekten Musikfestival hätte wohl nach Meinung der Anwohner eher so ausgesehen:

berlin festival randnotizen 2

Mir ist natürlich schon klar, dass die ganze Anwohner-Initiativen, die für die Schließung von Tempelhof als Flugplatz gekämpft haben, jetzt einen neuen Grund brauchen, um weiter zu existieren. Mit dem Zorn der Gerechten, wird jedes verdächtige Geräusch an die Behörden gemeldet. Einmal im Jahr ein Musikfestival ist wirklich zuviel… da kann man nicht einfach mal die Fenster geschlossen halten. Ruhe und Einkehr muss her… so plädiere ich für ein Kloster als neue Nutzungsform. Touristisch könnte man das Areal auch prima für Schweige + Fasten-Kuren nutzen.

Immerhin die SPD bewies hier einmal mehr, dass sie nun endgültig nur noch Schwachsinns Partei Deutschland genannt werden sollte. Wieso sollte man auch von einem Stadtrat wie Oliver Schworck verlangen, dass a) weiß was ein Musikfestival ist und b) mehr als nur 2 Tage vorher bemerkt, dass ein solches in Tempelhof stattfindet. Er müsste dazu ja hin und wieder mal die Berlin betreffende Presse lesen. Vielleicht hat die Bild ja verpasst irgendwas außer Skandal-Rüpel-Rocker zu schreiben.

Die Schuld allein auf unfähige Politiker und Tempelhof-Verwalter zu schieben, scheint mir dann dennoch nicht gerecht.

Ein weiteres Festival-NO-GO wurde mit Anwohnerinteressen und Denkmalschutz begründet: Wer einmal drin war, durfte nicht mehr raus. Keine Bändchen. (Naja, für uns schon, wir waren auf der Gästeliste). Die normalen Besucher durften fürs Tagesticket 40 Euro hinlegen und… folgten sie  der ärtzlichen Empfehlungen bezüglich Hitze und Flüssigkeitsbedarf, mindestens 15 Euro allein für Wasser. Schlappe 3 Euro kostete der halbe Liter, Getränke-Mitbringen war nicht erlaubt. Schon klar, dass sich so ein Festival irgendwie rechnen muss, nur diese Preise grenzen schon fast an fahrlässige Körperverletzung. Zurück zum Denkmalschutz. Angeblich hätte der Vorplatz unter zuviel vom Festival weggehenden und wiederkehrenden Besuchern gelitten… Daher hieß die Devise einmal rein, da bleiben und irgendwann wieder heim gehen…

Warum man das Festival-Gelände nicht wie bei anderen Veranstaltungen einfach vom Columbia-Damm aus zugänglich machte, mir ein Rätsel… So umwerfend stylisch + schick fand ich den Gang durch die Abfertigungshalle jetzt auch nicht… an Passkontrollen erinnert zu werden, weckt keine Hochgefühle (mir wurde natürlich auch ne mitgebrachte Wasserflache weggenommen…)

Achja… irgendwie witzig fanden wir noch dies:

berlin festival randnotizen 1

Und sehensüchtig schweifte mein Blick immer wieder auf den entfernten Rasen… ein Sommernachtstraum… die Realität ist allerdings aus Beton 🙁

DifferentStars

PS: Mehr zu den NO-GOs hat direkteingabe geschrieben.

4 Gedanken zu „Macht doch einfach ein Kloster draus!

  1. Hach ja… *nörgel* wo man hinhört…
    Aber eins muss ich noch sagen: Selbst wenn man dazu gezwungen wurde, die Veranstaltung nach drinnen zu verlegen, hätte man eben einige Vorkehrungen treffen müssen. In anderen Hallen erreicht man auch durch Abhängungen, Papp-Aufsteller-Dingens oder was auch immer…einen guten Sound.

    Na ja, meine Hoffnung ist, dass die Veranstalter sich die Kritik zu Herzen nehmen…. und dass diese teilweise echt unsinnigen Bügerinitiativen endlich mal nicht mehr so beachtet werden. Man lebt schließlich in einer Weltstadt (die als Partystadt bei Technofans weltweit bekannt ist) und nicht in einer schwäbischen Kleinstadt!
    😉

  2. Mich wundert im Moment nichts mehr. Zweidrittel aller Politiker scheinen im Moment an einer Profilneurose zu leiden und begeben sich bei der „älteren“ (konservativen) Generation auf Stimmenfang, welche in Deutschland ja den weitaus größeren Teil der Wählergemeinschaft ausmachen dürfte. Und diese Generation ist nicht nur besonders anfällig für „deutsche Phrasen-Politik“, sondern auch für eben solche, wie oben beschriebene, „Einlenkaktionen“ zu Wahrung der bürgerlichen Ruhe.
    Ich hoffe nur, dass dieser seltsame Wahlaktionismus ein baldiges Ende findet und sich die Herren Politiker endlich wieder geschäftlich normal verhalten, die Ärmel hochkrempeln und das erledigen, wofür wir sie gewählt haben.
    Die momentane Situation finde ich unerträglich.

  3. DANKE für reflektierte Darstellung und die gebotenen Umstände einbeziehende Reflektion!
    Seitens der „unwissenden“ Besucher ist all die Kritik natürlich berechtigt, aber als Erklärung wichtig zu erwähnen (ohne damit eine bloße Rechtfertigung zu liefern), dass die Verlegung der Mainstage vom Rollfeld in den Hangar, einzig dem Umstand geschuldet war, den kurzfristigen und weiteren Auflagen hinsichtlich Vermeidung von „Lärmbelästigung“ überhaupt angemessen nachkommen zu können.
    Medienberichte und Schüren von Ängsten haben neben Bürgerinitiativen (vor allem vom Wohngebiet jenseits des Rollfelds – und trotz 3km Entfernung!) dazu geführt, dass die die eh schon schwierigen Voraussetzungen ein Gelingen der FESTIVAL- & LIVE/KONZERT-PREMIERE in Tempelhof zusätzlich erschwert wurden!
    Wenn man bedenkt, dass die hieraus resultierenden (neben den durch die Örtlichkeit eh zu bewältigenden) Problemstellungen, innerhalb weniger Tage zu bewältigen waren und für den Aufbau gerade einmal 36 Stunden(!) zur Verfügung standen, sollte das Ergebnis (trotz Einschränkungen hinsichtlich Sound der Mainstage und suboptimaler Geländenutzung) letztlich als OK und durchaus beachtlich bewertet werden.
    Essentielles Anliegen der Veranstalter (bestehend aus den Gründern und deren Verstärkung durch das MELT!-Team) war es ja eh, mit dem BERLIN FESTIVAL einen NEUSTART mit Schaffung der Grundlage für langfristige Perspektivplanungen erreichen zu können – auf die sowohl wirtschaftlich wie auch inhaltlich AUFGEBAUT werden kann! Und mal ehrlich: dies darf/sollte doch durchaus als „GELUNGEN“ bezeichnet werden, oder?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.