‚O Sole Mein Mio – Eine Band feiert ihr Debüt

Die von mir an dieser Stelle vor wenigen Tagen gepriesene Band Mein Mio gab sich am Samstag im Festsaal Kreuzberg die Ehre und lud zum Record-Release-Konzert. Natürlich wollte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, die werten Herren in Aktion sehen zu können. Das ist durchaus mehr als nur kurzweilig, denn vor allem Gitarrist Simon Goldfain ist auf der Bühne ein Derwisch, der gleich einem Rhythmusmonster mit viel Vergnügen über die Bühne trapst. Sänger Sebastian Block wirkte wie ein Vater mit zurecht vor Stolz geschwellter Brust, welcher nach überlanger Schwangerschaft endlich sein Baby feierlich vorzeigen durfte. Und ich bleibe auch nach dem nunmehr zweiten Live-Auftritt, den ich Augenschein nehmen konnte, dabei, dass diese Truppe sich in jeder Beziehung wohltuend vom oft durchaus talentierten Rest abhebt. Da wäre einerseits die Authentizität zu nennen, mit der zu Werke geschritten wird. Unprätentiös, ungekünstelt werden mit nachdenklicher Leichtigkeit eingängige Songs präsentiert, denen man sich – zumindest als Deutsch-Pop-Fan – kaum entziehen kann. Das mag auch die überwiegend positive Rezeption erklären. Die bis dato einzige negative Kritik, welche ich über das Debüt Irgendwo in dieser großen Stadt las, strotzte nur so vor Gehässigkeit und machte Mein Mio Radiotauglichkeit zum Vorwurf. Da sei Gott vor, dass nun Pop sogar Funk und Fernsehen erobert!

MeinMio(live)

Doch ich schweife ab. Ein weiterer Pluspunkt der Band liegt in der Instrumentierung. Mal rückt das von Daniel Darius gespielte Klavier in den Vordergrund, dann wieder die Gitarre. Bei Live-Auftritten wird die Band von einem zweiten Gitarristen, Michél Kroll, verstärkt. Der abwechslungsreiche, nie eindimensionale und eben nicht langweilige Sound gefiel auch gestern. Spätestens bei Es gibt immer verfiel auch die zahlreiche Zuhörerschaft dem Charme des Abends, der Mein Mio nun bangen lässt, ob das Album Käufer findet. Sofern man heutzutage nicht ultraleichgeschürzt über die Bühne huscht oder als DSDS-Schönling permanente Fernsehpentration erfährt oder gar vor über 20 Jahren eine feine Platte aufgenommen und danach nur durch Pigmentstörungen und spektakuläres Löffelabgeben von sich reden gemacht hat, sofern all dies nicht zutrifft, scheint pekuniärer Erfolg schwer möglich. Nun gut, manchmal reicht es sogar sich krümmend über die Bühne zu hampeln, aber Chris Martin bleibt Chris Martin – und ist noch nicht mal wirklich gut. Abgesehen von Clocks sticht mir bei Coldplay nichts ins Ohr.

Doch ich verfehle abermals das Thema. Die Mannen um Herrn Block wagen sich demnächst auf eine kleine Deutschland-Tour. Nach dem überzeugenden Auftritt im Festsaal Kreuzberg kann man einen Konzert-Besuch nur anraten. Gut gelaunt und bescheiden präsentierten sie ihre Songs, mit viel Freude am Spiel. Eine rundum sympathische Band mit richtig feiner Mucke. Demnächst vermag der werte Leser – im Rahmen unseres Specials – Mein Mio hier in einem Interview noch näher kennenzulernen. Und dies lohnt sich – da habe ich keine Zweifel daran.

Tourdaten:

11.09.2009 BERLIN, Hofperle Neukölln, Benefizkonzert zugunsten von Krebshilfe e.V.
25.09.2009 MAGDEBURG, Sackfabrik
26.09.2009 BRANDENBURG, Haus der Offiziere
03.10.2009 LEIPZIG, Horns Erben
09.10.2009 USEDOM Heringsdorf, Kursaal Maritim Hotel Kaiserhof
10.10.2009 HAMBURG Silber mit der rest
11.10.2009 NEUMÜNSTER mit Enno Bunger
12.10.2009 SCHWERIN, KuBu mit Enno Bunger
16.12.2009 BERLIN, Schokoladen mit Tim Brownlow / BELASCO

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SomeVapourTrails

5 Gedanken zu „‚O Sole Mein Mio – Eine Band feiert ihr Debüt

  1. also gehässig fand ich diese eine rezi da nicht, ich glaub dann hätte der simon, der da kommentiert hat auch anders reagiert.

    radiotauglichkeit habe ich da auch als negativ empfunden, denn überleg mal, shakira ist auch radiotauglich und die willst du doch nun wirklich nicht als offenbarung bezeichnen, oder?

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