Radiohead und die Kollateralschäden – Ein ungläubiges Staunen

Nun da es in der Gerüchteküche zischt und brutzelt, will ich an dieser Stelle grundsätzliche Gedanken zur Chose um den neuen, vermeintlich von Radiohead stammenden Song These Are My Twisted Words benennen. Ich fasse einmal kurz zusammen: Auf einer Torrent-Seite namens what.cd taucht ein gleichnamiger Track auf und wird von der Radiohead-Fan-Seite Radiohead At Ease als bislang unbekanntes Werk der Briten identifiziert. Die der Mp3 beigefügte Info-Datei enthält Hinweise auf ein Album namens Wall Of Ice und ein Veröffentlichungsdatum, welches den 17. August 2009 avisiert. In der Folge türmen sich Spekulation auf Spekulationen, weitere Indizien verstärken den Eindruck. So leitet die Domain wallofice.com derzeit auf einen Radiohead-Download-Shop um. Die Spannung steigt ins Unermessliche…

Halten wir nun eine Sekunde inne und beleuchten eventuelle Auswirkungen des Tohuwabohus. Wenn die landauf, landab vertretene These eines erneuten Werbe-Coups der Band stimmt, dann stellen sich mir – bei aller Liebe zu Thom Yorke und seinen Mannen – doch die Zehennägel auf. Keine Firma der Welt würde ein neues, erfolgversprechendes Produkt zuerst mal über einen Hehler vertreiben – und nichts anderes sind Torrent-Seiten doch. Indem man einen Hype per illegaler Download-Seite kreiert, wirbt man doch gleichzeitig für diese Methode der kostenfreien, ohne irgendeine Art von Vergütung an Künstler und Label zahlende Beschaffung von Musik. Das mag die durch harte Arbeit, eisernen Willen und geniale Kreativität in den Olymp aufgestiegenen Mitgliedern Radioheads dank ihrer ergebenen Fanbase weitaus weniger schmerzen, bringt aber weniger etablierte Acts in die Bredouille. Ein Feldzug gegenüber der Musikindustrie mag angebracht sein, aber auch heftige Kollateralschäden anrichten. Warum wurde kein Blog zur Verteilung des neuen Songs auserkoren? Auch selbiger hätte das Mysterium nähren können, dabei jedoch nicht die Mär bedient, wonach man die tollen Sachen eben nur über Torrents und Co. zu finden seien. Da ja auch Radiohead zurecht dem schnöden Mammon huldigen und den Song Harry Patch (In Memory Of) zum Kauf feilbieten, wäre doch eine dergestalte Aktion letztlich kontraproduktiv.

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Herr Yorke entrückt - vielleicht auch beim Ersinnen dieses Coups (Foto: Silvio Tanaka)

Bis dato hat die Gruppe eisern geschwiegen. Dies könnte man nun als Element der Spannungssteigerung deuten, oder hingegen als Eingeständnis, dass dieser Leak keinesfalls beabsichtigt war. Und genau dies erhoffe ich. Es gäbe genügend Varianten Aufregung zu erzeugen, ohne gleich einen Impetus zur Nutzung illegaler Download-Portale zu forcieren. Thom Yorke habe ich bis dato als hochgradig vernunftbegabten Musiker mit intelligenter Impulsivität wahrgenommen.  Wenn diese Aktion jedoch mit seiner Billigung erfolgte, hätte sie sich die Auszeichnung als Dummheit des Jahres verdient.

Links:

Der Guardian-Bericht

Pitchfork-Artikel mit Hörprobe

78s mit einer Zusammenstellung der bisherigen Vermutungen

SomeVapourTrails

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