Authentisch transportierte Stimmungen – Max Herre

Max Herre gehört zu den wenigen Menschen, die ich, obwohl ich ihm nie persönlich begegnet bin, als gut bezeichnen will. Er vermittelt mir das Gefühl authentischer Wahrhaftigkeit und idealistischen Denkens. Ob als Frontmann von Freundeskreis oder auf Solo-Pfaden, ich schätze seine Fertigkeiten, erachte ihn als leisen, weisen, von hörenswerten Gedanken erfüllten Künstler. Und so mag es kaum verwundern, wenn seine neue Scheibe Ein geschenkter Tag zum dankbar angenommenen Präsent gerät. Seine Entwicklung vom engagierten Hip-Hop-Gewissen zum mit zahlreichen Nuancen verbrämten Songwriter beeindruckt mich. Herre kritzelt nicht einfach Reime auf ein Stück Musik, er transportiert Stimmungen und Nachdenklichkeiten, welche den Hörer erreichen und nachhaltig wirken. Keine bombastischen Größenwahn-Attitüden, die von Platzhirschen wie Westernhagen angeboten werden, verdecken die Sicht auf den musikalischen Kern.

MaxHerre

Wie ein Kissen, in das man weint oder auf welchem man sich zu schönen Träumen bettet, gleich einer Decke, in die man sich sehnsüchtig oder gedankenwund kuschelt, vermittelt Ein geschenkter Tag eine sachte Anschmiegsamkeit. Unaufgeregte Reflexionen, die im Trüben fischende Zeitgenossen vermutlich mit Langeweile verwechseln, dominieren über weite Strecken. Bereits Blick nach vorn zeichnet eine sehnsüchtige, optimistische Textlichkeit aus: „Mit jeder Wahrheit, die du erkennst, mit jedem Zweifel, gegen den du kämpfst, mit jedem Schlage, der dich taumeln lässt, Blick nach vorn.“ Ich hör die Botschaft und in mir wächst der Glaube.

Max Herre – Blick Nach Vorn

Und in eben dieser poetischen Bedachtheit haften Lieder wie das traurige, jedoch nie verbitterte, von Abschied handelnde Scherben oder das berührende Weg von hier, das Liebe eben nicht weichzeichnet, sie als erstrebenswertes Wagnis eines Aufbruchs skizziert. Die Aura eines persönlichen Neuanfangs trägt auch Es geht, doch verkommt es nie zur nabelschaulichen Aufarbeitung von Herres Trennung von Joy Denalane. Dazwischen lockern das nett altmodische Baby Mama Rag oder das ebenfalls mit Patina versetzte Cover von Udo Lindenbergs Wir wollen doch einfach nur zusammen sein die Atmosphäre auf, schütteln Titel wie Alles da eine Wohlfühlstimmung aus dem Ärmel, lädt das groovige Wo rennen wir hin? zur Körperertüchtigung ein.

eingeschenktertag

Der sich bereits auf dem Solo-Debüt andeutende eigenständige Sound wurde auf dem Nachfolgealbum nochmals verfeinert. Max Herre hat ein reife, gelungene CD vorgelegt, die mir viele Stunden behübschen wird. Dies allerdings stand für mich als glühender Fan eigentlich nie in Zweifel.

Links:

Offizielle Homepage

MySpace-Auftritt mit Hörproben

Blick nach vorn als kostenloser Download

SomeVapourTrails

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