Schmuddelige Schönheit schmachtet schmissig – Palodine

Eine meiner spürnasigsten Entdeckungen 2009 war das Bremer Label dandyland, welches in den vergangenen Monaten mit Releases von Bands wie Viarosa handverlesenste Indie-Kost in deutsche Landen hievte. Auch diesmal wird ein Album, welches im weiten Erdenrund ungenügende Aufmerksamkeit erfuhr, in hiesigen Breiten mit einer Wiederveröffentlichung beehrt. Ein grundsolides Konzept, das mir bei Scarlatti Tilt imponierte – und nun erneut gelingt. Die aus Sängerin Katrina Whitney und Gitarrist Michael Aryn bestehende Formation nennt sich Palodine und gemahnt in den aufregendsten Momenten an exakt die Art von Musik, welche ein Nick Cave zusammen mit David Eugene Edwards und PJ Harvey verbrechen könnte. Und genau die Aufrichtigkeit, mit welcher sie in epigonenhafter Manier in Fußstapfen von Giganten treten, verursacht mein absolutes Wohlwollen. Die CD Garden of Deceit ist ein echter Geheimtipp.

Palodine

Um es auf das i-Tüpfelchen zu bringen: Atmosphärisch-düsterer Folk-Rock überlappt sich mit pathetischem Alternative Country – und flirtet dennoch mit dem Understatement kleiner Gesten. Nie wird zuviel gewollt und zuwenig gekonnt! Dies Fettnäpfchen zu umtänzeln, das verdient Anerkennung. Sweet Mouth, Black Heart wäre als fabulöses Beispiel zu benennen. Mit bestimmender Rohheit trommelt sich das Lied in Stimmung, zeigt Whitneys Stimme Zuckerbrot und Peitsche. Wenn schmuddelige Anmut eine versiffte Erdigkeit durch die Boxen treibt, schwingt sich die Sängerin in eine wilde Stimmung, die man doch nur Polly Jean vorbehalten glaubt. So rubbelt sich Woman of Cain mit der Anschmiegsamkeit einer Drahtbürste in die Gehörgänge. Toll und wuchtig. Freilich sind es auch altbekannte, aber eben nie und nimmer altbackene Gitarrenriffs, bei denen die mit Intensität gesattelten Gäule in den Sonnenuntergang durchgehen. Sorrow Has Opened Your Eyes ist ebenso eine Offenbarung wie das zärtlichere A Dozen Stones, dessen Entfaltung eine kräftigen Gitarren-Ballade birgt, die sich ein Solo Aryns gönnt und auch Mainstream-Zeitgenossen den Dahinschmacht-Faktor ins Ohrenschmalz stanzt. Palodine liefern durchgängig eine handwerklich überaus ordentliche Performance ab, die Genre-Enthusiasten Schuppen von den Äuglein perlen lässt. Einzig der Rausschmeißer Magdalene plätschert ein wenig vor sich hin, ehe sich die lärmende Klampfe mit sirenenhaftem Gesang paart und einen würdigen Abschluss bildet.

Garden of Deceit

Wenn ich der echt gehaltvollen Scheibe einen einzigen Makel anlasten will, dann vielleicht jenen: Man fühlt, dass Palodine noch ein wenig auf der Suche begriffen sind. So vielen Götzen gilt es nachzueifern. Doch ist dies wirklich notwendig? Die Verortung in einer gediegenen Eigenständigkeit mag vielleicht bereits mit dem nächsten Album Saints of the Sea noch famoser ausfallen. Bis dahin besticht Garden of Deceit jedoch sehr. Palodine sind demnächst auch live zu begutachten, tingeln allerdings hauptsächlich in der Provinz herum. Schade.

Tour-Termine:
19. Sep. 2009 Diepholz -Kulturgut Ehrenburg
21. Sep. 2009 Wildenhausen – Lindenhof Lichtspiele
22. Sep. 2009 Bremen – Hafencasino
23. Sep. 2009 Bremerhaven – Passage Kino
24. Sep. 2009 Osnabrück – Unikeller
25. Sep. 2009 Bremen – Hot Shots
25. Sep. 2009 Bremen – Townside
26. Sep. 2009 Oldenburg – Polyester
27. Sep. 2009 Achim – Katakomben
28. Sep. 2009 Göttingen – Blooming Bar
29. Sep. 2009 Hamburg – Astra Stube
30. Sep. 2009 Hamburg – Kompetent+Freundlich
01. Okt. 2009 Nienburg – Weserschlößchen

Links:

MySpace-Auftritt

Hörproben auf Last.fm

SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Schmuddelige Schönheit schmachtet schmissig – Palodine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.