Unaufgetakelte Wohlfühl-Leckerbissen – Kristin Asbjørnsen

Ab 16. September tingelt ein Dame durch Deutschland, deren Stimmlichkeit exquisite Schlichtheit innewohnt. Dies erscheint insofern bemerkenswert, als dass die meist jazzige Note ihrer Lieder ja prinzipiell zu allerlei Schandtaten einlädt. Doch kein lautstarker, aufgetakelter Gesang ziert ihre Lippen, vielmehr konzentriert sich Kristin Asbjørnsen auf die Nuancen des Ausdrucks. Ob bluesiges Krächzen oder sinnliche Lieblichkeit, die Norwegerin beherrscht den Spagat. Vor 3 Monaten erschien ihre neue CD The Night Shines Like The Day, nun folgen Auftritte in hiesigen Breiten.

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Asbjørnsens Lieder bestechen durch detailreiche Kompositionen und Arrangements, die eine breite Palette von Stilrichtungen zu einem Ganzen schmieden. Folk-Songwriting trifft auf Gospel-Stücke, entspannte Jazz-Anklänge triefen überall hervor. Fast weichgespült, ohne Haken und Ösen, zu bemüht auf Wohlklang getrimmt, dergestalt wirkt das mitunter, doch verhindern ihre omnipräsenten Stimmbänder zu jeder Zeit ein Abdriften in die Niederungen von Fahrstuhlmusik. The Night Shines Like The Day ist das erste Album, welches ausschließlich eigene Songs enthält.  Deshalb darf man mildernde Umstände walten lassen, besonders wenn die Perfektion des Vortrags derart makellos schimmert. Das klingt alles weitaus weniger schnarchig als bei Metier-Kollegin Diana Krall.

Zu den Highlights gehört die zärtliche Ballade Moment, in dem Nils Petter Molvær zur Trompete greift. Seidensanft kuschelt sich selbige an Asbjørnsens Verlangen. Ebenso zu einem Fingerzeig für Qualität gerät die richtig dosierte Inbrunst des Gospel-Refrains bei If This Is The Ending. Afloat pflügt sich querbeet durch sämtliche Genre, entwickelt aus musikalischer Sicht die spannendsten 4 Minuten der Platte. Das vor allem gegen Ende dominante Piano paart sich mit World-Music-Flair, während die Sängerin desperate Intensität feilbietet. Aber auch weniger inspirierte Tracks enthüllen eine reife Interpretin mit viel Gespür für Finesse. Someday I’ll Carry You Home macht die hoffnungsvollen Lyrics allein durch Asbjørnsens Wärme zu einem hymnischen Wohlfühl-Leckerbissen.

Snowflake

Liebhaber jazziger Balladen sind mit dieser Platte ebenso gut beraten wie Freunde notorisch einnehmender Frauenstimmen. Beste Gelegenheit für eine nähere Inspektion bietet die oben erwähnte Tour.

Tour-Termine:

13.09. Bern (CH) – PROGR
15.09. Zürich (CH) – Moods
16.09. München – Unterfahrt
17.09. Wien (A) – Porgy & Bess
19.09. Berlin – Schloss Neuhardenberg
22.09. Köln – Stadtgarten
23.09. Hamburg – Stage Club
24.09. Everswinkel – Münsterlandfestival
25.09. Jena – Volksbad
08.10. Heidelberg – Enjoy Jazz Festival
09.10. Nürnberg – Stimmenfang Festival

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MySpace-Auftritt mit Hörproben

SomeVapourTrails

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