Bashing Athlete’s Black Swan???

athlete

Auf meiner Watch-Liste für Oktober standen Athlete ganz weit oben. Mit ihren 3 Alben Vehicles & Animals, Tourist und Beyond the Neighbourhood haben sie sehr feinen intelligenten Gitarren-Pop vorgelegt, wurden von den Kritikern mit Lob überschüttet und prägten das Genre Indie mit. Ebenso wie Coldplay, die natürlich lange schon nicht mehr Indie sind.

Eben dank dieser Nähe scheinen sie jetzt zum Abschuss freigegeben, für die, die sie einst mit auf den Indie-Thron hievten. Ist Black Swan wirklich so schlecht – oder Athlete nur in Phase 3 der Presse-Dramaturgie „Hochjubeln, Abfeiern, Abschießen“ angekommen?

Amüsant, lesen sich natürlich folgende Zitate:

This is music for a Hollyoaks montage, or for waving mobile phones in the air to at V festival. It’s hard to love.

Quelle: The Guardian

It would be crass to bang on about how, well… Coldplay-like Athlete are. Perhaps the trouble is that no-one’s actually come up with a genre name for this kind of music. It oozes with emotion, with earnestness and with an uncanny knack for the grand, empty gesture.

Quelle: BBC

Nur haben sie recht, die werten Alpha-Rezensenten? Beim Opener Superhuman Touch meinte ich ein super lautes JA schreien zu müssen. Nicht weil langweilig, sondern weil dieses 80ies Synthpop-Gedöns, dass zur Zeit fast jede Indie-Rock-Band bis zum Erbrechen ihrer Musik beimischt, einfach nicht mehr zu ertragen ist. Ein paar deutliche Worte werden hierzu demnächst noch anlässlich des Editors Soundcheck auf den Schallgrenzen.

Superhuman Touch sollte wohl eine dem Trend angepasste, auf die Heavy Rotation schielende Radio-Hymne werden. Nervig!

Auch der Titelsong Black Swan Song bleibt hinter alter Größe zurück und wirkt bemüht. Es klingt sehr nach wie gemacht als Serienuntermalung von The OC,  Grey’s Anatomy & Co. Wenig subtil kommt dann auch das neue Video daher. Für alle, die es noch nicht wissen: Krieg ist böse, da sterben Soldaten und die Frauen trauern dann sehr. Ohne Krieg hingegen, ließe sich gut und romantisch Kastaniensammeln im Walde.

Sind jetzt Athlete nicht nur the most Coldplay-like Band, sondern noch schlimmer Coldplay für Fußgänger?

Mit The Getaway (Stream) und Don’t Hold Your Breath (Stream) liefern sie zwei solide, energetische Stücke. Von bösen Zungen auch Stadion-Rock „zum Handy in der Luft wedeln“ genannt.  Awkward Googbye (Stream) klingt zarter und hat gefälligen Ohrwurm-Charakter. Fast versöhnlich stimmt einen der letzte Song Rubik’s Cube (Stream).

Vollkommen uneingelöst bleibt jedoch  das Versprechen, dass Athlete mit ihrem Titel und dessen mythologischem Kontext gegeben haben. Potential, dass ungenutzt bleibt und von dem nur der Promo-Text kündet:

Nahezu fünfzehn Jahrhunderte lang waren die Europäer fest davon überzeugt, dass alle Schwäne weiß sind. Der schwarze Schwan fungierte bei unseren Vorfahren genau genommen sogar als Metapher für etwas, das es nicht geben kann. So wird man sich gewiss ein Bild davon machen können, wie perplex sie waren, als ein Entdecker im späten 17. Jahrhundert schließlich doch ein Exemplar in irgendeinem australischen Fluss auffand. „Millionen von Menschen hatten jahrhundertelang ein gewisses Bild von der Welt habt“, setzt Joel Pott, der Frontmann von Athlete, an. „Und dann genügte diese eine Sichtung eines schwarzen Schwans, um das Bild zunichte zu machen.“
So lautet die Kurzversion der „Schwarzer-Schwan-Theorie“, nach der Athlete ihr fantastisches viertes Album betitelt haben: „Black Swan“.

Die Lyrics sind platt und blass, jegliche Metaebene fehlt. Auch musikalisch ist Black Swan einfallslos – stinkt ab im Gegensatz zu den Vorgängeralben. Gesungen wird von der Sehnsucht nach der heilen Welt, das Album gerät zur Flucht ins kindlich Naive. Joel Pott singt es selbst in Rubics Cube:  „I’m like a kid that just won’t let it go“… „lost in the playground“. Ein kleiner miefiger Vorstadtspielplatz scheint’s – von Abenteuer keine Spur. Hier hätte ich mehr erwartet: Psychedelischen Mut, Subversion, Elan und Kraft.

Schade!

cover_athlete_blackswan

Tracklist:

1. Superhuman Touch
2. The Getaway
3. Black Swan Song
4. Don’t Hold Your Breath
5. Love Come Rescue
6. Light The Way
7. The Unknown
8. The Awkward Goodbye
9. Magical Mistakes
10. Rubik’s Cube

Label: Fiction Records (Universal)
VÖ: 9.10.2009

Live erleben:
11.10.2009 Hamburg, Übel & Gefährlich
14.10.2009 Köln, Luxor
15.10.2009 Berlin, Frannz
21.10.2009 München, 59:1

Album-Stream: Last.Fm

Free Download: Athlete – Summer Sun auf Fiction Records

DifferentStars

Gott Retro und ne beschwingte Opfergabe – Dublex Inc.

Die Geschichte des Souls ist eine voller Missverständnisse. Inbrüstiges, ohrenbetäubendes Gehopse über mehrere Oktaven, wie man es heutzutage von weiblichen Interpretin immer wieder hört, ist lediglich eine – zugegeben nervtötende – Spielart unter vielen. Wenn freilich vier Stuttgarter Produzenten & DJs ihr neuestes Werk als Soul-Album tituliert wissen wollen, dann schrillen bei mir doch die Alarmglocken und mein Riechkolben schnuppert im Geiste bereits den miefigen Trash-Faktor. Doch Fehlalarm! Dublex Inc. nennt sich die Formation, Phoenix das Album und das Ergebnis ist eine ansehnliche, kurzweilige, gut zusammengeschnipselte Mischung gefälliger Clubsounds, die dem Gott Retro ein federleichtes Easy-Listening-Album als Opfergabe spendieren.

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Felix Stecher, Florian Pflüger, Rino Spadavecchia und Robin Hofmann haben mit dieser Scheibe kein innovatives Meisterwerk verbrochen, vielmehr Wohlfühlklänge auf 12 Lieder gepfercht, die sattsam bekannte Lounge-Musik-Sampler an Klasse übertreffen und als stilsicheres Kleinod das Ambiente schicker Bars gewaltig aufpeppen können.  Auf dem Album werden Barry-White-Gedächtnisklänge gelungen in Szene gesetzt und Erinnerungen an die gute alte Zeit geboten, als Fernsehserien wie Hawaii Fünf-Null noch schmissige Erkennungsmelodien hatten.

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Für nahezu jeden Track holte man sich Sänger und Sängerinnen aus aller Herren und Frauen Länder, die man laut Presse-Mitteilung meist via MySpace rekrutierte. Eine Strategie, die Früchte trug und der Scheibe hörbar eine Vielfalt einhaucht.  Ein Highlight der CD ist das mit schön zackigem Rhythmus und der in der Tat prickelnd souligen Stimme Ashley Slaters vorgetragene The Game. Eine angenehm unschrille Stimme prägt auch das weniger retrolastige It Takes Time, das nie überkandidelt klingt und mit nobler Reduktion aufwartet. Bridgette Amofah glänzt hier wirklich. Rock Star ist die bereits von mir angedeutete Reverenz an die Hochblüte schwungvoller Soundtracks und gut abgekupfert. Und wenn bei Unfold Herr Spoonface seinen Bass durch den Äther brummt, knistern die Schlüpfer wie von allein gen Schlafzimmerbärenfell.

Dublex Inc. schaffen das Kunststück, dass Phoenix nicht überproduziert oder aalglatt durch die Boxen wabbert. Die Scheibe ist kein großer Wurf, aber eine Punktlandung, die zielsicher den Besucher relaxter Clubs avisiert und Althergebrachtes entmottet, ohne dabei völlig ideenlos zu wirken. Das erfreut nicht nur den Retro-Gott, nein, auch mich.

Link:

Offizielle Webseite

MySpace-Auftritt

SomeVapourTrails

Lasziv-schwüle, kostenlose Downloads von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble

TheKilimanjaroDarkjazzEnsemble

Wenn The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble zu Werke schreitet, sind Finesse, Anspruch und vor allem Hörvergnügen immer eine fixe Konstante. Auch das unter dem Namen The Mount Fuji Doomjazz Corporation firmierende Alter Ego der Band betört die Sinne. Dies habe ich schon mehrfach hier und da zum Ausdruck gebracht und will es nimmermüde auch diesmal tun. Grund dafür ist die Veröffentlichung des neuen Albums Here Be Dragons, welches ich in Kürze schwelgerisch durchforsten und auf eben unserem Blog mit liebevollen Argusaugen begutachten werde. Ein erstes Beschnuppern erlaubt der kostenlose Download zweier Tracks und eines Videos, denen man auf der Seite des Labels Ad Noiseam habhaft wird. Der lasziv-schwüle Tenor von Mists of Krakatoa (im Remix von Kava Kon) ist eine einzige sirenenhafte Verlockung, welcher sich selbst der wackerste Eunuch lustvoll hingeben darf.

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