Boulevard of the Nameless (VI)

Dieses Mal möchte ich dem Heer der Namenlosen gleich zwei Neuankömmlinge zuführen. Passend zur jahreszeitlichen Entfärbung der Blätter in ein glitschiges, auf dem Trottoir wogendes Meer trister Brauntöne soll Rachel Grimes mit ihrem soeben auf dem Label Karate Body Records veröffentlichten Album Book of Leaves eine Vorstellung erfahren. Connaisseuren mag die Dame als Mitglied der avantgardistisch gestrickten, von der Gattung des Minimalismus inspirierten, instrumental agierenden Band Rachel’s ein Begriff sein. Diese schuf sich seit Mitte der Neunziger mit interessanten Werken eine veritable Anhängerschaft und weilt mangels passenderer Alternativen gerne in der chaotischen Genre-Schublade des Post-Rock. Nun wandelt die Pianistin Grimes alleingängig und vollführt mit der konsequenten Reduktion auf ihr Instrument eine schwermütige Klavierstunde, die mit viel Sperrigkeit dem Herbst Akkorde auf den Leib schneidert.

BookOfLeaves

Book of Leaves schwelgt in klassisch komponierten Klavierstückchen, die in der innewohnenden Kürze Polaroids eines momentanen Eindrucks schnappschießen und in eindringlich zeitlose Tastengriffe überführen. Rachel Grimes liefert einen Soundtrack naturesken Verwelkens. Jeder dramatische Film der gehobenen Art würde nach solch Tönen lechzen. Doch solange die werte Dame in eben diese Nische nicht eintritt, wird ihr zu Unrecht wenig Aufmerksamkeit beschert sein. Ein Jammer.

Silent Retreat from on Vimeo.

Kommen wir nun zu Woodsman, einer ebenfalls instrumentalen Verlockungen verfallenen Band aus Denver. Selbige werden demnächst ihr erstes Album Collages veröffentlichen. Mit Fug und Recht darf ein erster kostenloser Vorgeschmack,  der Track Sunglass, als beschwingt-furioses Juwel abgekanzelt werden. Das Stück ist hier gratis erhältlich. Frühere EPs sind sogar komplett frei erhältlich, der Link dazu findet sich auf der MySpace-Seite der Band. Was Woodsman einen Hauch der Vielversprechung gibt und eine Flucht aus der Namenlosigkeit eröffnen mag, liegt in dem nicht zu gewagten, trotzdem abwechslungsreich melodischen Sound, der Post-Rock mit allzu scharfen Ecken und Kanten meidet und vielleicht in einer verlässlichen Erdigkeit mit für die Stilrichtung untypischem Percussion-Schwerpunkt seinen Erfolg findet. Die Hoffnung bleibt – und natürlich auch die Vorfreude auf das Debütalbum.

IndoorDays

Und wieder mehrt sich die Erkenntnis, dass ein Entlangspazieren auf dem Boulevard of the Nameless Traurigkeit und Fröhlichkeit vereint. Wehmut darüber, dass sich hier unbesungene, heldisch werkende Musiker aneinanderreihen. Freude, ob der famosen Lieder die ohne Ende hier erschallen.

Links:

Offizielle Webpräsenz von Rachel Grimes

MySpace-Auftritt mit Hörproben von Rachel Grimes

MySpace-Auftritt mit Hörproben von Woodsman

SomeVapourTrails

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