Der letzte Messias der Musikbranche – Google

Dieser Tage war allerorten zu lesen, dass Google in das Musikgeschäft einzusteigen plant und einen Service anstrebt, welcher iTunes Paroli bieten möchte. Bei der Suche nach Songs wird demnächst – vorläufig vermutlich lediglich in den USA – eine sofortige Kaufoption angezeigt, welche durch Dienste wie Lala realisiert werden soll. Dem Vernehmen nach haben die Majors selbst jene Idee Google ans Herz gelegt, um einen effektiven weiteren Vertriebskanal zu etablieren, der nebenbei noch die Vormachtsstellung und das Dikat von Apple ins Wanken bringen könnte. Was nach einem weiteren verzweifelten Versuch der Schadensminimierung klingt, zeitigt möglicherweise sehr positive Auswirkungen für kleine wie große Labels zeitigen.

Denn de facto existiert bereits seit Jahren eine Google-Musiksuche – die freilich kostenlose, überwiegend illegale Inhalte ausspuckt. Man gebe einfach den Titel eines Songs ein, hefte das Wort „Torrent“ hinzu und schon steuert man ins Nirvana der Gratis-Downloads. Dieser Stachel im Fleisch derer, die Urheberrecht nicht als obsolet ansehen und Künstlern – und sogar Plattenfirmen – eine Existenzgrundlage zugestehen, könnte nun nicht länger einer Entfernung harren. Der geplante Dienst birgt das Potential, dass Google verstärkt in Augenschein nimmt, was in den Treffer-Kanon Aufnahme findet. Denn bislang stahl sich der Suchriese immer ein wenig aus der Verantwortung. So wie man einem Alkoholiker nicht mit der Bierflasche vor dem Kopf herumfuchteln darf und sich dann am Ende gar noch verwundert zeigt, dass dieser zupackt – genau unter dem selben Aspekt sind die zahlreichen einschlägigen Ergebnisse auf Suchanfragen zu interpretieren.

Wenn es tatsächlich zu einer forcierten Filterung illegaler Download-Angebote kommen sollte, böte dies auch der jenseits des Mainstreams angesiedelten Indie-Szene Erfolgsversprechungen. Der durchschnittliche Internet-Nutzer ist schließlich simpel gestrickt und mit anerzogener Faulheit gesegnet. Was nicht bequem kostenlos auffindbar, würde vermutlich doch vermehrt gekauft oder eben in Abo-Angeboten gestreamt, was wiederum ebenso Tantiemen generiert. Notorischen Filesharern vermag dies natürlich kaum Einhalt gebieten, aber den unter das Schlagwort Gelegenheit macht Diebe subsumierten Menschen schon.

Ehe nun jemand auf die absurde wie populäre Idee kommt und von Zensur zu faseln beginnt, möchte ich noch einmal die in den vergangen Monaten auf diesem Blog wiederholt geäußerte moralische Komponente von Urheberrechtsverletzungen unterstreichen. Sobald man das Werk eines Künstlers konsumiert, muss dies mit einer Vergütung des Künstlers verbunden sein. Es ist nicht schwer dies zu begreifen, wenn man nur will. Wie also soll etwas den fahlen Beigeschmack von Zensur beinhalten, das den Zugang zu moralisch wie gesetzlich Unerlaubtem erschwert?

Jetzt freilich heißt es Daumendrücken, dass der neue Service Google aus rein wirtschaftlichem Interesse ein Handeln oktroyiert, welches in der Tat der Copyright-Debatte eine schicksalshafte Wendung verleihen könnte.  Wenn der neue Heilsbringer der Branche weniger Gelegenheiten bietet, wird sich auch die Spreu vom Weizen trennen und kleine Diebe den Weg in die Lauterkeit finden. Die großen Fische mit ihrem ignoranten Tun scheinen ob ihrer kriminellen Energie ohnehin nicht fassbar. Die Hoffnung auf Veränderungen lebt!

SomeVapourTrails

3 Gedanken zu „Der letzte Messias der Musikbranche – Google

  1. das problem was ich dabei jedoch sehe ist durchaus eine zensur, nämlich eine zensur der musikrichtungen, indie, alternative (die wahren) werden noch weiter in den hintergrund gedrängt … die webseiten die ausgespuckt werden werden all die schoenen kauftempel sein mit ihrem standard- und retortenangebot das ich auch auf amazon oder im karstadt finde.

  2. Also amazon würde ich genügend Vielfalt attestieren, man muss sie nur finden wollen. Und es kommt natürlich immer darauf an, was man sucht. Dass man bei der Suche nach Lady Gaga nicht unbedingt John Vanderslice mitausgespuckt bekommt, erscheint mir logisch. Schlimmer als der bereits bestehende Mangel an hochwertiger, „sichtbarer“ Musik kann es nicht mehr werden. Und für selbigen ist nicht nur die Musikindustrie verantwortlich, da darf man ruhig auch dem Konsumenten den Schwarzen Peter zuschieben.

    SVT

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