Ein Casa Blanca(s) wie zum Anpinseln gemacht

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Ignoranz hat durch aus was – so generell im Leben und auch im Musikrezipieren oder -rezensieren. So gibt’s für mich so manch weißen Fleck in der Musikwelt, wo für andere schon ein prächtiges Haus steht. Die Strokes gingen mir aus welchen Gründen auch immer so komplett am Arsch vorbei. Nicht schlecht genug um sie mir zu merken, nicht geliebt genug um sie vorderen Hirnschubladen zuzuordnen. Wusste ich immer: Da gibts ne Band, die nennt sich The Strokes, oder vielleicht auch nur Strokes. Ist mir immer noch herzlich egal. Dann purzelte vor ner Woche oder so ne digitale Kopie von Julian Casablancas Album Phrazes For The Young in mein E-Mail-Postfach. Anbei der Promotext, der mir eben mitteilte, dass Casablancas Frontmann der Strokes ist. Der wird gerade total gehyped, teilte mir der immer besser informierte SomeVapourTrails mit. Ich hatt’s irgendwie ausgefiltert. Mach ich oft, überseh‘ grundsätzlich 80% aller Hypes. Dann las ich die Tage auf Twitter, dass Caro total enttäuscht ist, weil das Album so  absolut unstrokig ist.

Auch wenn ich Caro schätze, ist mir die Unstrokigkeit sowas von wurscht – aus oben genannten Gründen. Also hab ich die Platte einfach mal abgespielt – ohne Gedanken daran, gleich großartig bedeutungsschwere Urteile abzugeben. Mir vorher auch nicht die Mühe gemacht, irgendwelche Hintergrundinfos zu lesen.

Der werte Herr ist also nun das weiße (blanca) Zuhause (casa), das in meinen ganz eigenen Farben angepinselt werden darf.

Kurz und knapp: Die Musik gefällt mir, macht gute Laune. Nettes Wohlfühlgedöns, nicht grandios, ähnlich wie das neueste Werk der Editors, aber einfach hübsch und nett anzuhören. Musik muss eh nicht extraordinär und innovativ sein – sie muss positive Gefühle hervorrufen, oder passende zumindest. Manche Scheiben leg ich ein, um mich in Melancholie zu suhlen, andere sind toll zum Weinen bei Kummer. Julian Casablancas ist was für schöne Tage.

Da ja in so ne Review immer Vergleiche gehören und The Stokes schon nicht herhalten können: Sehr nach The Stranglers klingend ist der Titel Out Of The Blue, den hab ich sofort geliebt und geherzt. Gott Retro weilt eben im Moment im Olymp der 80er und auch die Musen flößen den Musikern mit ihren Küssen influenzaartig den Synth-Pop ein, so auch Herrn Casablancas.

Ein weiterer Favorite von mir, River of Brakelights, kommt rockiger (und vielleicht nun doch strockiger) daher, klingt schon eher nach garagigem  Gitarrensound mit hymnischem Touch.

Schlagt mich nun oder nicht, manche mögen das Solo-Debüt sehr zerrissen finden, ich finde gerade die Vielfalt an Stilrichtungen, die Herr Casablancas da auf die CD packt, sehr spannend. Sowieso klarer Pluspunkt für ihn – seine Stimme hat Charakter, das Rockstar-Rampensau-Appeal sowieso.

Aktuelle Single:

…wobei meiner Meinung nach der Song nicht zu den stärksten des Albums gehört… passiert mir in letzter Zeit öfter, dass ich mich frage, wieso nicht einer der besseren Songs als Single ausgekoppelt wurde, allerdings bin ich auch nicht das Radio und DifferentStars-friendly gilt (noch) nicht weltweit als Prädikat 😉

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Julian Casablancas „Phrazes For The Young“

VÖ: 30.10.2009
Label: Sony

Tracklist:

1. „Out of the Blue“
2. „Left & Right in the Dark“
3. „11th Dimension“
4. „4 Chords of the Apocalypse“
5. „Ludlow St.“
6. „River of Brakelights“
7. „Glass“
8. „Tourist“


Live erleben:

3.12. – Berlin – MARIA am Ostbahnhof

Link: Homepage

DifferentStars

2 Gedanken zu „Ein Casa Blanca(s) wie zum Anpinseln gemacht

  1. Ich sitze auch grad an dieser Platte (oder besser: beim Download) und stelle mit jedem Hördurchlauf eine Steigerung fest. Nicht innovativ, sondern „hübsch“ – das trifft es echt gut 🙂 Trotzdem ebbt das Ganze nach Song Nr.3 etwas ab, oder?

  2. Ach Shit. Michael! Die „ab dem 3. wegen mir auch 4. Song“-Sache wollte ich bringen. 😀
    Ich dachte mir noch, dass ist die einzige Review, die ich bis jetzt gelesen hab, in der es nicht gesagt wurde. Haha.
    Aber ich geb dir, ach was sag ich, ich geb all den da draußen Recht- es wird ein wenig lahm… aber nicht unbeding schecht, denke ich.

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