Gott Retro und ne beschwingte Opfergabe – Dublex Inc.

Die Geschichte des Souls ist eine voller Missverständnisse. Inbrüstiges, ohrenbetäubendes Gehopse über mehrere Oktaven, wie man es heutzutage von weiblichen Interpretin immer wieder hört, ist lediglich eine – zugegeben nervtötende – Spielart unter vielen. Wenn freilich vier Stuttgarter Produzenten & DJs ihr neuestes Werk als Soul-Album tituliert wissen wollen, dann schrillen bei mir doch die Alarmglocken und mein Riechkolben schnuppert im Geiste bereits den miefigen Trash-Faktor. Doch Fehlalarm! Dublex Inc. nennt sich die Formation, Phoenix das Album und das Ergebnis ist eine ansehnliche, kurzweilige, gut zusammengeschnipselte Mischung gefälliger Clubsounds, die dem Gott Retro ein federleichtes Easy-Listening-Album als Opfergabe spendieren.

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Felix Stecher, Florian Pflüger, Rino Spadavecchia und Robin Hofmann haben mit dieser Scheibe kein innovatives Meisterwerk verbrochen, vielmehr Wohlfühlklänge auf 12 Lieder gepfercht, die sattsam bekannte Lounge-Musik-Sampler an Klasse übertreffen und als stilsicheres Kleinod das Ambiente schicker Bars gewaltig aufpeppen können.  Auf dem Album werden Barry-White-Gedächtnisklänge gelungen in Szene gesetzt und Erinnerungen an die gute alte Zeit geboten, als Fernsehserien wie Hawaii Fünf-Null noch schmissige Erkennungsmelodien hatten.

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Für nahezu jeden Track holte man sich Sänger und Sängerinnen aus aller Herren und Frauen Länder, die man laut Presse-Mitteilung meist via MySpace rekrutierte. Eine Strategie, die Früchte trug und der Scheibe hörbar eine Vielfalt einhaucht.  Ein Highlight der CD ist das mit schön zackigem Rhythmus und der in der Tat prickelnd souligen Stimme Ashley Slaters vorgetragene The Game. Eine angenehm unschrille Stimme prägt auch das weniger retrolastige It Takes Time, das nie überkandidelt klingt und mit nobler Reduktion aufwartet. Bridgette Amofah glänzt hier wirklich. Rock Star ist die bereits von mir angedeutete Reverenz an die Hochblüte schwungvoller Soundtracks und gut abgekupfert. Und wenn bei Unfold Herr Spoonface seinen Bass durch den Äther brummt, knistern die Schlüpfer wie von allein gen Schlafzimmerbärenfell.

Dublex Inc. schaffen das Kunststück, dass Phoenix nicht überproduziert oder aalglatt durch die Boxen wabbert. Die Scheibe ist kein großer Wurf, aber eine Punktlandung, die zielsicher den Besucher relaxter Clubs avisiert und Althergebrachtes entmottet, ohne dabei völlig ideenlos zu wirken. Das erfreut nicht nur den Retro-Gott, nein, auch mich.

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Offizielle Webseite

MySpace-Auftritt

SomeVapourTrails

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