Hol den Whiskey, meine Seele brennt! – Eamon McGrath

Ich versuche mich angesichts des Titels der vorliegenden Scheibe in eine nüchterne Betrachtung zu flüchten. 13 Songs Of Whiskey And Light nennt sich das am 9. Oktober in Deutschland erscheinende Album des im kanadischen Edmonton beheimateten Songwriters Eamon McGrath. Und obzwar den werten Herren hierzulande wohl nur Genre-Fetischisten kennen, handelt es sich bei besagter Platte um ein Zusammenstellung der Höhepunkte seines bisherigen Schaffens. Aus über 20 im Home-Recording-Verfahren aufgenommenen CDs wurden die besten Tropfen herausdestilliert und vom Label White Whale Records einer weltweiten Veröffentlichung preisgegeben. Was bleibt ist blankes Staunen über einen Ausnahmekönner, dessen kompositorische Fertigkeiten mit einem intensiven Vortrag einhergehen.

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In den vergangenen Monaten durfte ich hier die exquisite junge Garde amerikanischer Songwriter mit Worten beehren, Namen wie Mike Bones, Justin Townes Earle oder Miles Anthony Benjamin Robinson mit Lorbeer bekränzen. Doch Eamon McGrath kann mehr. Er hätte Tom Waits in der Stimme und Bruce Springsteen im Spiel, meint das kanadische Musikmagazin Exclaim! und treffender kann die Einschätzung eigentlich nicht ausfallen. Mit 13 Songs Of Whiskey And Light erleben wir eine Sternstunde, eine energetische Meisterleistung, die in unbehauener, roher Manier eine singuläre Ansammlung von Rock, Folk und Blues bietet und ungefilterte Authentizität abliefert.

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Dieser unbekannte, aus musikalischem Zwergenland stammende Songwriter fixiert alkoholgeschwangeren Trübsinn auf den Punkt, postuliert tiefsinnige Rage und bittere Traurigkeit. Schwer wiegt die Scheibe, welche an großen Momenten reich die Seele in Flammen führt. „Do you think that in heaven peoples lives become the dreams we get at night?“ sind Gedankenfetzen, deren imaginative Wucht den Hörer in eine Nachdenklichkeit peitschen, eine Stimmung entfachen, die kein Alltag zu bieten vermag. Der Song Holy Roller, dem diese Worte entnommen, stellt jedoch genau genommen keinen Höhepunkt dar, weil diese 13 Lieder ohne Ausnahme Glanzlichter sind. Mit dem Fokus auf eine angenehm verlebte Stimme, die voll Erfahrungen krächzt, einem simplen, schleppenden Rhythmus und dem lautstarken Gitarrensolo greift die Ballade ins Eingemachte. Oder nehmen wir Darby Crash And Burn Guitars. Was McGrath hier stemmt, ist die Zähmung seiner Dämonen. Piano, Schlagzeug und verhallter Gesang fließen in eine Mundharmonika, ergeben ein kämpferische Hymne voller Inbrunst, die ich mal nebenbei mit zum erlesesten Stück Musik zähle, die ich jemals hören durfte. Doch wie bereits angesprochen hat der werte Herr auch wüst-urtümlichen Rock für sich gepachtet, wie auf Big River oder dem frenetisch dröhnenden Retro-College-Rock-Stück  File Under Fire zu erlauschen.

Ich könnte alle 13 Songs als extraordinär bezeichnen, den folkigen Flair von Chained To My Love loben, der die glorreiche Tradition des Genres in Wortgewalt fortsetzt und keine Sekunde lang nur Klischees wiederholt. „The kids are all in limbo, must be their parents‘ fault.“ zielt herrlich gegen stockkonservative, religiöse Doktrinen. So – und nicht anders – stelle ich mir ausdrucksstarke, emotionsschürende, gedankenschürfende, relevante Musik vor. Auch das schwermütige Caves bringt meine Tränendüsen ins Wanken. Was zum Teufel dieser Eamon McGrath auch macht, er berührt ungemein mit aller Leidenschaft und Kunstfertigkeit, mit textlicher Stärke, welche zu nachhaltiger Beeindruckung verführt. Eamon McGrath macht aus Musik ein kostbares Lebenselixir, an welchem man andächtig nippen sollte. Diese Werkschau enthüllt einen Künstler, dem man Schreine in den Herzen bauen sollte. Zusammen mit Hombre Lobo von den Eels ist 13 Songs Of Whiskey And Light für mich das Album des Jahres.

Tour-Termine:

14.10.: Wittenberg – Crush
15.10.: Freiburg – Beatbar
16.10.: Offenbach – Der Waggon
18.10.: Winterthur (CH) – Club Dimensione
21.10.: Kassel – Kunsthochschule Underground

(Warum ein Bogen um sämtliche Großstädte gemacht wird, ist mir ein absolutes Rätsel.)

Links:

MySpace-Auftritt

Künstlerseite auf White Whale Records

Hörproben auf Last.fm

SomeVapourTrails

3 Gedanken zu „Hol den Whiskey, meine Seele brennt! – Eamon McGrath

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