Kuriositätenkabinett I

Weil es immer wieder wunderbar gelungene, mit stilsicherem Händchen verfasste Geschichten gibt, werden wir von nun an immer freitags aus dem Panoptikum des Internets kleine wie große Erheiterungen und Ärgernisse zitieren.

Immer dann, wenn die spitze Feder der Journaille gar stumpf wirkt und eine investigativ-geschliffene Qualitätsschreibe vor die Hunde zu gehen droht, dackelt ein verwegener Vertreter der Zunft daher und setzt ein neu dimensioniertes Schlaglicht auf das, was seriöse Medien zu leisten im Stande sind. Eine in den letzten Tagen dramaturgisch virtuos inszenierte Realsatire darf als mustergültig getarntes Fallbeispiel zum Abmahnwahn, Bloggern und dem Urheberrecht lobgehudelt werden. Hauptakteurin ist die in den Staaten und auch in Deutschland allseits bekannte Journalistin Eva Schweitzer, die ein Lehrstück darüber abliefert, was es mit dem steten Widerstreit zwischen professionellen Publizisten und dem Blogger-Gesindel auf sich hat. Das untrügliche Gespür dieser mit blendendem Timing agierenden Charakterdarstellerin wirkt als großes Plädoyer für das Anliegen all jener Urheber, die ihr Dasein eben nicht als Content-Lieferanten für exhibitonistische Hobby-Schreiberlinge zu fristen wünschen. Dass die auf der Vorstufe zum Digital Immigrant verhaftete Frau Schweitzer die Ureinwohner in derart sympathischer Manier entlarvt, sollte all den Bloggern ein Warnung sein. Hochwertige, essentielle Stories tragen den Gütestempel des von der Pike auf mit dem Handwerk vertrauten Print-Reporters. Chapeau, Frau Schweitzer!

Und hier nun die launige Geschichte in all der ungekürzten Frivolität:

Turn Quotes Into Profit

Finanzierungsmodell für den Zweitwohnsitz in New York

Auf das Gedeihen der zarten Blüte der deutschen Bloggoszene!

Das letzte Wort hat ein Anwalt

SomeVapourTrails

Update (von DifferentStars): Ja ich hab Fieber und ja, ich hab zweimal hingesehen und gelesen, vor Lachen unterm Tisch gelegen, aber das steht wirklich so da, die neue Stellungnahme der taz-Schreiberin. Bitte selber lesen: A New Hope… Ich frag mich nur: Wieviel Geld darf ich der Dame jetzt in Rechnung stellen. Immerhin das macht viel Mühe, das Über-sie-Berichten und nen qualifizierenden Hochschulabschluss hab ich auch…. Immerhin, meine E-Mails beantworte ich noch kostenlos, oder lösch‘ sie einfach, auch ganz gratis…

2 Gedanken zu „Kuriositätenkabinett I

  1. Na ja, für mich ist das schon grenzwertig. Bei allem Recht zum Zitat, aber was dieser Phillip da gemacht hat, ist doch schon frech. Ein ellenlangs Zitat kopiert und ein paar eigene karge Sätze vorangestellt. Fertig. Unter Zitieren verstehe ich was anderes.Und das so ein Hochnasenblog wie Spreeblick sich auf so etwas stürzt, war ja klar wie Klossbrühe. Das Ergebnis erscheint etwas unkrtisch und dumpf. Da wird wieder der arme, arme und so edle Blogger von einem bösen Menschen in die Pfanne gehauen.

  2. Das Zitat ist sicher etwas lang. Ich hätte den Blogbeitrag so auch nicht veröffentlicht… dennoch, er hat eben nicht den vollen Artikel kopiert, sondern einen Ausschnitt zitiert und auf den Zeit-Artikel verlinkt, de facto Werbung für die Autorin und die Zeit gemacht. Würde jemand so mit meinen Artikel verfahren, ich nähm es als Lob. Der Wert eines Autoren/Journalisten hängt ja auch immer vom Renommee ab. Je öfter man zitiert/verlinkt wird, desto höher ist eben auch der Wert/die Reputation.

    Frau Schweitzer lässt Wut und Hass an der falschen Person aus. Ich habe beide Stellungnahmen von ihr gelesen. Schlimm ist, wie die Zeitungsverlage mit ihr umgegangen sind. Ich kenne ähnliches aus eigener Erfahrung, hab selber knapp 2 Jahre für eine Zeitung als freie Journalistin gearbeitet. Auch hier wurden meine Texte + Fotos an Schwesterblätter weiter gegeben, ohne dass ich einen Cent dafür sah. Auch hier bekam ich zu hören, sollte ich mein Recht einfordern, bekäme ich keine Aufträge mehr. Das ist der blanke Horror und hinterlässt Spuren. Nur es rechtfertigt nicht, sich in nahezu sadistischer + arroganter Art an Bloggern zu vergehen. Dieses ständige „vom Haken nehmen“… den wie ich annehme vermeintlich fetten Fisch. Nach Wahl ausbluten, oder freilassen. Diese Verunglimpfung der ganzen Bloggerszene.

    Zur Zeit läuft eine richtige Schmutzkampagne der „seriösen“ Printpresse gegen die Blogosphäre. Schuld an der Misere für Journalisten sind nicht die Verleger oder Chefredakteure, jemand anderes muss als Sündenbock her, eben die Blogger, die Leser klauen, nur in Schlafanzügen vorm Computer rumsumpfen und den Qualitätsjournalismus zu Grunde richten.

    Frau Schweitzer hat keine Ahnung von den deutschen Blogs. Wer als deutscher Journalist Spreeblick nicht kennt, disqualifiziert sich nun mal (auch wenn ich kein riesiger Fan bin). Auch von deutscher Grammatik hat sich die taz-Schreiberin schon lange verabschiedet. Ist wohl für sie entschuldbar, sie lebt ja in Amiland. Dumm sind nur die Blogger.

    Letztendlich wird sie Opfer der Geschäftemacher/Anwälte, die ihre blasierte Naivität ausgenutzt und ihr den großen Reibach versprochen haben. Es wäre gewinnbringender für sie gewesen, nom nom nom eine E-Mail zu schreiben und sie entweder um Entfernung des Zitats oder noch geschickter um eine Rezension ihres aktuellen Buches zu bitten.

    Wie es jetzt läuft, wird sie (verdientermaßen) zum Hassobjekt. Zu Recht, wie ich finde. Aber wie schon erwähnt, ihr Stil ist nicht nur menschlich, sondern auch als Autorin schlimm.

    DifferentStars

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