Kuschel-Spock – Newton Faulkner

Auf unserem Schreibtisch vermodert seit ein paar Wochen eine CD, die von meiner werten Co-Bloggerin in einem Anflug von Wahnsinn unserer Sammlung untergejubelt wurde. Die Narretei liegt darin begründet, dass meine DifferentStars normal einen riesigen Haken um alles schlägt, was nicht mit britischem Gitarrensound oder als Electro-Pop durch die Boxen kocht. Und meine Wenigkeit versinkt ohnehin bis an die Mundwinkel in neuen Alben – und wäre diese meine Mundwinkel nicht schwerkraftgemäß nach unten verzogen, hätte ich ein veritables Problem. Dennoch fällt mir nun die Aufgabe zu, einen sympathischen Liedermacher, welcher auf der Insel bereits mit großen Erfolg tätig ist, auch in hiesigen Gefilden mit einigen Worten zu bedenken.

Newton_Faulkner-pic03_(c)Kayt_Jones

Foto von Kayt Jones

Newton Faulkner heißt der Brite, der radiotaugliche Songs für radioliebende Menschen fabriziert und dennoch meist erfolgreich Seichtigkeit meidet. Viele seiner Lieder sind von einer unerschütterlichen Schmusigkeit, dass vor allem der Gefühlshaushalt weiblicher Hörerinnen Dammbrüche erfährt. Herzschmerzelnd geträllerte Lieder, überwältigend oft mit dem nötigen Pathos, den es für große Emotion braucht, füllen Rebuilt By Humans. Speziell behaglich gerät das Hörerlebnis, wenn man sich den knuffigen Lieblings-Teddybären in die Arme drückt und auf sanften Klängen die Segel gen Entspannung streicht. Faulkner ist im besten Sinne ein Kuschel-Spock. Der mit Rastaverzopfungen und einem Bärtchen, wie es sonst die Amischen gern tragen, auftretende, durchaus exotisch anmutende Barde entspricht so gar nicht meinem Bild eines Frauenverstehers.

Newton_Faulkner-Cover

Die Musik bildet zusammen mit der viel Wärme und Charakter verströmenden Stimme das Prunkstück eines Albums, dessen Lyrics euphemistisch als verbesserungswürdig eingestuft werden dürfen. Zeilen wie „If I like you, and you like me,why the hell are we wasting our time?“ oder „Come in can you hear me? Am I even talking? There is so much that I want you to know.“ stammen nicht gerade aus Shakespeares Feder. Für einen flauschigen Refrain mag dies ausreichen, doch textlich hinkt das Werk doch deutlich hinter den ohrwürmelnden Klängen her. Lipstick Jungle zählt zu eben diesen und macht die Genre-Primusse Jack Johnson und James Morrison zweifelsohne verdammt neidisch. Die gezupfte Gitarre und die fröhliche Mundharmonika geben dem Lied eine unwiderstehliche Note. Auch Resin On My Heart Strings als schmachtende Ballade zeitigt mit dick aufgetragenem Sentiment ein unpeinliches Wohlbehagen. Newton Faulkner betört mit Inbrunst und der Aura eines sehnsüchtigen Gefühlsmenschen. Hand aufs Herz, So Much gelingt die Gratwanderung am Rande des Kitschs mustergültig, da braucht es nicht mal Eierstöcke, um die Schönheit zu verinnerlichen. Dennoch bleibt der Sänger eine Offenbarung für Frauen, welche den sensiblen Mann anstelle eines Machos zu erspähen suchen.

Meine Anerkennung des Charmes eines massenkompatiblen Romeos, dessen eigenes Herz den einen oder anderen Sprung aufweist, mag die Stammleserschaft vielleicht verwundern. Doch gut gemachte, wirkungsvolle Unterhaltungsmusik, die bis auf textliche Mängel durchaus Kniffe parat hat, darf ruhig Gefallen finden. Newton Faulkner vollbringt das Kunststück über weite Strecken und verbricht selten Rohrkrepierer, wie First Time leider einer ist. Der Kuschel-Spock hat meinen Sanctus und wird auf meinem Mp3-Player eine Heimat finden. Das können Jack Johnson und James Morrison nicht von sich behaupten.

Tour-Daten:

17.11.2009 Köln – Luxor

18.11.2009 Berlin – Lido

19.11.2009 Hamburg – Knust

Link:

Offizielle Homepage

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