Begehrliche Spärlichkeiten – Shelley Short

Oft bedarf es lediglich einer Stimme und kalkuliert spärlicher Instrumentierung, um die Begehrlichkeit des Erlauschens zu wecken. So wie ein streng den Regeln der Grammatik und Rechtschreibung abgerungenes Geschreibsel noch lange nichts über Inhalt oder Wirkung kundtut, ebenso braucht es keine komplexen Melodien, wenn die Simplizität des Ausdrucks blendend funktioniert. Eben dies darf man der US-amerikanischen Singer-Songwriterin Shelley Short bereits über weite Strecken ihres Albums A Cave, A Canoo bescheinigen. Die aus Portland im Bundesstaat Oregon stammende Musikerin wartet mit sorgsam arrangiertem Folk auf, der nicht nachäfft und phasenweise gelungen zeitlos wie altmodisch anmutet. Klug und effektiv vermeidet Short jeglichen Ballast und zieht damit den Hörer in den Bann.

ShelleyShort
Suchbild: Wo versteckt sich die Sängerin?

Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Dies ist eine selten unspektakuläre Platte, deren Intention Liebhaber von Folk, Alternative Country oder sogar filigran gepolten Pop zu umgarnen weiß. In A Cave, A Canoo finden sich keine kunstvoll aufgebrezelten Texte oder Botschaften, es fehlen erinnerungsschwere Harmonien und selbst die glockenhelle Stimme zeigt keinerlei Charakteristika, welche besonderen Wiedererkennungswert aufweisen. Doch nichtsdestotrotz schwelgt das Album innerhalb klar definierter Grenzen des Machbaren in einer tagträumerischen Versunkenheit, die man gern mit den Attributen lieblich und gedankenvoll auskleiden darf.

ACaveACanoo

Eine der schlichten Attraktionen der CD ist Familiar, in dem der Gesang wie ein Echo von prägnanten Streichereinsätzen oder E-Gitarre verstärkt wird. Mit geringen Mitteln wird eine wirksame Atmosphäre erschaffen, die sich aus feinen Nuancen speist. Oder nehmen wir den Song A Cave, auf dem ein leierndes Bar-Piano das sperrig antiquierte Geträller Shorts vorantreibt. Ganz klassisch in schwermütiger Tradition verhaftet mündet Mockingbird in ein im wahrsten Sinne des Wortes pfiffiges Solo. Jedes Lied birgt sein eigenes Kalkül, verziert mit einem anderen Reiz. How Was The Water? ergreift mit für Dream-Pop typischem Gitarrengeschrammel, während Hard To Tell im Ambiente einer Seemannsballade schippert. Dies Kolorit feinster Schattierungen lädt zu vielerlei Entdeckungen ein, nimmt mit jedem Hördurchlauf an Fahrt auf.

Shelley Short besticht als Musterbeispiel für sehr durchdachtes,  feinsinniges Songwriting, an dessen konsequenter Umsetzung sich viele Singer-Songwriter mit eindringlicherem Organ oder zarterem Händchen für Melodien mehr als nur ein Scheibe abschneiden können. Vor dieser Finesse ziehe ich den Hut und empfehle die Dame als Lehrbeispiel uneingeschränkt weiter. A Cave, A Canoo werden Connaisseure zu schätzen wissen.

Via Hush Records gibt’s den Free Download von A Cave.mp3.

Tourdaten:

08.11.09 Genf (CH) – L’Usine
10.11.09 Leipzig – Galerie D21
11.11.09 Frankfurt – Ponyhof
12.11.09 Berlin – Schokoladen
13.11.09 Köln – Limes Club

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