Expatriate – „In The Midst of This“

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Schon ne Weile und immer wieder rotiert In The Midst of This von Expatriate in meinem Player. So ganz zu Greifen hab ich’s aber zu lange nicht bekommen. Die Jungs aus Australien, über gesiedelt in unsere schöne Hauptstadt, um den europäischen Kontinent zu erobern, machen nichts falsch. Die Platte läuft schön rund, ein gutes Rock-Album, radiotauglich, mit Kraft, nichts gegen zu sagen. Also fast, so ein bisschen schon. Den Sprung zwischen gut/solide und grandios, er will erst noch gemeistert werden. So plätschert ein Teil der Songs etwas belanglos vorbei.

Gestern hab ich mich zum virtuellen Plausch mit Bloggerfreund Peter von den Schallgrenzen getroffen. An seiner Aussage, ich würd‘ mich in die Musiker über, die ich schreibe immer total verlieben, ist schon viel Wahres. Anders ausgedrückt, wenn dieser spezielle Funke nicht überspringt, hab ich wenig Lust drüber zu schreiben und quäle mich an der Tastatur, die den Blog füttert.  Hat mich Amors Pfleil getroffen, gibt’s kaum ein Halten mehr. Expatriate sind zur Zeit mit einer der Bands unterwegs, die von mir hier und dort und fast überall ganz fangirlmäßig bejubelt werden. Die Rede ist, mancher ahnt es schon, natürlich von Placebo. Dazwischen liegen Welten. Live jedoch sollen Expatriate ne Wucht sein, vielleicht schließt sich dort auf der Bühne die Lücke, die mich noch etwas Abstand halten lässt.

Bei In The Midst of This ist für mich Rosinenpicken angesagt. Blackbird ist einer der Songs, die mich wirklich packen. Ebenso Times Like These, schöne Rockhymnen, mit Pathos und Melancholie. Einen Tick zu glatt poliert. Die musikalischen Einflüsse von Expatriate sind hörbar im 80er-Sound von U2 und hier und da ner Prise The Cure zu finden. Are You Awake tönt dann auch mit sehr Bono-esquen Vocals durch die Boxen. Was mir fehlt, ist das ganz eigene Gesicht, die ur-patriatische Persönlichkeit, die sich die Jungs aus Sydney vielleicht erst noch erspielen und erkämpfen müssen. Mein werter Co-Blogger hatte euch im Juli schon die EP Home vorgestellt. Auch SomeVapourTrails sah Blackbird klar als Favorit vorne, attestierte der Band aber mehr als nur Potential:

Ohne viel Federlesens gerät Home zu schweißtreibender Musik mit ordentlichem, mitunter wunderbar melodischem Songwriting, dessen Lyrics keine Klischees – aber auch selten poetischen Meisterleistungen – offenbaren. Unter den 4 Tracks sticht Blackbird hervor. Mit schmissigen Twists wird Spannung aufgebaut und die Zeilen “And the passengers sleeping/ High above your head/ On the aeroplane’s journey/ To the moon and back again” evozieren eine nettes Bild. Eben dieser Song ist derzeit als kostenloser Download bei einer Newsletter-Registrierung verfügbar. Das viel zu kurze Aviation At Night als geschmeidige Referenz an den derzeitigen 80er-Hype markiert die Stärken der Herren Ben King, Christo Kollias, Damian Press und Dave Molland, deren Spiel extrem engagiert und leidenschaftlich anmutet. Man erspürt diese absolute Hingabe, die auf den Hörer überschwappt und derart auch kleine Schwächen kaschiert.

Die aktuelle Single Crazy ist auch zu einem kleinen Ohrwurm geraten:

EXPATRIATE ‚CRAZY‘ from EXPATRIATEBAND on Vimeo.

So lautet denn mein Urteil: Hörenswert: Ja – Verliebenswert: Nee, kleiner Flirt schon, wir sehen und hören uns jedoch wieder 😉

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VÖ: Album: 30.10.09
Label: PIAS/Rough Trade

Live erleben
Als Support für Placebo

21.11. Leipzig – Arena
22.11. Berlin – Arena
24.11. Mannheim – SAP Arena
26.11. München – Olympiahalle

Free Dowload: Blackbird (Link)

Mehr Info: MySpace, Homepage

DifferentStars

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