Fata Morgana aus tausendundkeiner Nacht – The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble

Über den Strudel hypnotischer Stimmungen, welche das Werk von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble durchströmt, habe ich in den letzten Monaten bereits hier und da referiert. Nun ist es an der Zeit, auch das neue, auf dem Label Ad Noiseam erschienene Album Here Be Dragons in den Fokus der werten Leser zu rücken. Diesmal kokettiert die niederländische Formation mit dem Zustand von Träumereien und exotischen Sehnsüchten. Kaum greifbar scharwenzeln befremdlich verlockende Sinneswahrnehmungen in Schwaden durch sorgsam gezimmerte Kulissen, gewähren ein Ab- und Eintauchen in die markante musikalische Vision der Band.

HereBeDragons

Das verstärkte Bekenntnis zu Jazz-Elementen definiert den dominanten Mittelteil der gesamten Platte, reduziert die noch auf der EP Mutations omnipräsenten elektronischen Muster phasenweise ein wenig. Gerade dieser reizvolle Ansatz überzeugt besonders als die ohnehin wie gewohnt hervorragenden Kompositionen. Der Eröffnungstrack Lead Squid hegt und pflegt noch die Tradition eines sich sacht aufbauenden, mit kräftigem Ambient beginnenden und final von Beats und Samples dominierten Electronica-Stücks, zu dessen Opulenz die post-rockig gespielte Gitarre, das verhuschte Gelalle Charlotte Cegarras und die von Hilary Jeffery gespielte Posaune beitragen. Bereits Caravan! verschiebt den Blick auf ein streicherlastiges Trugbild, das vor dem geistigen Auge erscheint, ehe mit Embers einem Ausflug in Trip-Hop-Gefilde Genüge getan wird. Cegarra verdeutlicht hier, wie sehr sich ihr Gesang normalerweise als Teil des Ensembles selbigem unterordnet. Dieses Lied erfährt viel Flair durch ihre Stimme, die inmitten eines dramatischen Soundgewands glockenhell aufschlägt. Der gleich dem anfänglichen Stimmen der Instrumente bei einer Orchesterprobe dissonante Beginn von Sirocco mutiert zu einer düster flirrenden, minimalistischen Beats huldigenden Brise. Auf den eigentlichen Kern von Here Be Dragons mit all der die Scheibe prägenden Exotik und jazzigen Melancholie stößt man bei dem überaus eleganten Mists Of Krakatoa. Sirenenhafte Vocals schmiegen sich an Violine, Cello und Schlagzeug und gestalten eine Atmosphäre der Entrückung. Nahtlos führt Sharbat Gula mit schleppendem Rhythmus die Trance weiter, forciert die Posaune, welche nun virtuos den erzählerischen Part einnimmt. Die meditativen Tracks Samhain Labs und Seneca bedeuten eine letztes verschnaufendes Nachklingen, bevor The MacGuffin sich nochmals zu einem rockigen Klanggewitter steigert, den Weckruf aus der Einlassung auf fein ziselierte Bilder erschallen lässt.

TDKE

Die Fortentwicklung auf hohem Niveau macht Here Be Dragons einmal mehr zu einem Leckerbissen für fortgeschrittene Hörer und solche, die diesen Status zu erlangen suchen. Wäre es erforderlich einen Makel des Albums zu definieren, dann könnte ich am ehesten die fehlenden wabbernden Beats und die frenetische Wucht nennen, die besonders München und Twisted Horizons von der Mutations EP so prägen. Nichtsdestoweniger ist dem The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble mit den Masterminds Jason Köhnen und Gideon Kiers eine hoch interessante Fata Morgana wie aus tausendundkeiner Nacht gelungen, wurde wiederum die surreale Trumpfkarte perfekt ausgespielt und die Düsterheit bisheriger Veröffentlichungen ein Stück weit zurückgenommen. Dem werten Leser sei ein Erlauschen der Platte dringendst empfohlen.

Links:

Offizielle Homepage

Label-Seite mit Hörproben

Kostenlose Downloads auf Ad Noiseam

Gratis-Download von Embers auf Last.fm

SomeVapourTrails

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