Im Gespräch mit Hope Sandoval

DifferentStars:

If your best friend had to describe you with one word, which word would that be?“

Hope Sandoval:

Sunny…  silly.

hopesandoval

Freitag 13.00 Uhr – nach dem uns fast alle guten Geister der Technik verlassen haben, tippe ich die Nummer des Park-In Berlin in die Tasten meines Handys – dann blitzschnell von der Rezeption weitergeleitet, hab ich eine etwas überraschte Hope Sandoval am Apparat. Empört tönt mir ein „We said one“ entgegen. Oh weh, denk ich mir.  Es ist 13.00.26  und ich sehen schon fast das Interview als wieder beendet an. Hope Sandoval gilt als eine der Interview-scheusten Künstlerinnen unserer Zeit. Gestandene Musikjournalisten sind schon gescheitert am Versuch, der Sängerinnen mehr als nur einsilbige Antworten zu entlocken. Mein Verstand schaltet schneller, als ich denken kann. Sommerzeit-Winterzeit-Umstellung „maybe that’s causing the trouble?“ Ich biete an, eine Stunde später nochmal anzurufen – aber nein, Miss Sandoval mag doch jetzt mit mir reden.

Smalltalk zum Warmwerden. Ob sie einen besonderen Bezug zu Deutschland oder Bayern habe, will ich wissen und beziehe mich auf den Namen des ersten Hope Sandoval & the Warm Inventions Albums „Bavarian Fruit Bread„.

„It’s a secret message to somebody“ antwortet mir Hope. Nettes Geplänkel meiner- und ihrerseits folgt. Geheimnisse müssen Geheimnisse bleiben – das Bavarian hätte mich interessiert, da ich bayrischer Abstammung sei… Sie wär noch nie in Bayern gewesen, würde aber gerne mal dorthin reisen, plaudert Hope gutgelaunt, meine Erwiderung, dort hätte sie auch mehr Glück mit dem Wetter als in Berlin, wird von ihr mit einem fast empörten „but the sun is shining“ quittiert.

Wie ihre beste Freundin sie mit einem Wort beschreiben würde, beantwortet Hope mit „sonnig“ nach kurzem Zögern fügte sie noch ein kleines „töricht“ hinzu.

Die Frage aller immer wieder an alle Songwriter gestellten Fragen: Was sie dazu bewege, Songs zu schreiben? – „No Idea – I have always done it“. Es ist einfach so – sie hat es schon immer gemacht. Sie sei umrundet von Menschen, die Musik machen aufgewachsen, erzählt Hope Sandoval. „It was just supposed to be“. Es gäbe nicht den einen Songwriter oder Musiker, der sie inspiriert habe. Musik war schon immer Teil ihres Lebens. Sie höre im Moment gerne die Musik von  Beach House, verrät sie, diese klängen ähnlich wie Opal (Anm.: Die frühere Band ihres Mazzy Star-Partners David Roback).

Teil der Faszination von Mazzy Star und Hope Sandoval & the Warm Inventions Songs sind für mich die Lyrics, die meist eher in emotionalen Bildern sprechen denn Geschichten erzählen. Da lag die Vermutung nach lyrischem Schaffen abseits der Musik nahe. In ihrer herzlich direkten Art erwiderte sie:   Nein – Gedichte sind nicht ihre Sache. „Not that I hate poetry, I don’t hate poetry… I like Dylan Thomas, that’s all, he’s getting away with it.“

Zurück zur vermeintlichen Einsilbigkeit, die der Sängerin zugeschrieben wird. Darauf angesprochen, dass sie auf der Bühne nur wenige Worte – ein kurzes „Hallo“ und Dankeschön ans Publikum richte und sonst nicht mit den Zuhörern rede, kontert sie: “ But I am talking to the audience. Cause when I sing I am talking. I am already talking…you know“. Kurz und knapp übersetzt: Sie spricht mit ihrer Musik zum Publikum.

Sie selber ginge nicht gerne zu Konzerten, bei denen die Musiker über die Songs redeten, oder übers Wetter, sie ginge hin um die Musik zu hören. Es sei genug „Hello“ , „Thank you“ und „Goodnight“ zu sagen. Die Leute kämen auch nicht zu ihren Konzerten, um sie reden zu hören, außerdem wisse sie auch nicht, was sie sagen sollte.

Wie in unserem Konzertbericht und auch anderenorts beschrieben, Hope Sandoval tritt im Halbdunkel auf, meist abgewandt vom Publikum. Ihre Schüchternheit ist legendär. Darauf angesprochen, kommt sie schnell auf den Punkt. Ja, sie sei schüchtern, aber das sei normal, jeder normale Mensch würde sich unwohl fühlen, wenn er vor 300-500 Menschen auftreten würde und alle Augen auf ihn gerichtet wären, sie halte das auch nicht für natürlich: “ It’s just not natural… it’s not in our nature to do it. Some people are really good at it, but… that’s not a normal thing to do.“

Mit einem Wortschwall und dennoch ausweichend beantwortet sie die Frage, ob es auf der Tour Highlights gegeben habe, die die Mühe wert gewesen seien. Touren sei wichtig, es mache keinen Sinn eine Platte aufzunehmen und dann nicht live zu spielen. Es gehöre dazu…. Man lernt sehr schnell beim Interviewen von Hope Sandoval, dass ihre Musik ein Geheimnis ist, dass sie nicht analysieren oder kommentieren möchte. Gefragt, was für sie der Unterschied zwischen einem Soloalbum und einem Mazzy Star-Album sei, erwidert sie  schlicht und einfach: Sie arbeite mit unterschiedlichen Menschen zusammen, fügt noch hinzu, dass sie bei Hope Sandoval & the Warm Inventions auch Gitarre spiele, während sie bei Mazzy Star nur singe und die Songs mitschreibe.

Hope Sandoval arbeitet gerne mit anderen Musikern zusammen, dass wird schnell im Gespräch deutlich. Das aktuelle Album ist zusammen mit den Mitgliedern von Dirt Blue Gene entstanden, die auch sie auch auf Tour als Liveband begleiten und als Support-Act spielen.

Vielversprechend klingen die Pläne für die nächsten Monate:  „A decent recording in the next couple of month“, nach Abschluss der Tour wird im Studio an neuen Tracks gearbeitet. Diesmal sollen auch keine ganzen 8 Jahre vergehen, genau kann und will sich Hope Sandoval jedoch nicht festlegen, was den Release-Termin betrifft. „Bald“… „whatever that means“, fügt sie selbstironisch hinzu.

Konkreter wird’s was ihre Kollaboration mit Massive Attack betrifft, der Release von Weather Underground stünde kurz bevor. Hope Sandoval wird auf dem Album, das Anfang 2010 erscheint, bei zwei Liedern als Gastsängerin mitwirken. Gerade 2 Tage sei es her, da habe sie die fertigen Songs zum ersten Mal gehört. „I can absolutely relate to it. So far it’s pretty amazing“. Es sei sehr angenehm mit Massive Attack zusammen zu arbeiten, sie seien wirklich sehr talentiert, schwärmt Hope Sandoval.

Bleibt nur noch eins zu sagen: Das verdammte Aufnahmegerät wollte nicht so, wie es sollte. Entweder die Gerüchte um Miss Sandovals Einsilbigkeit sind maßlos übertrieben, oder dies war die nun schriftlich dokumentierte Weltausnahme aller Zeiten, die auf Band, noch viel länger geworden wäre  😉

Vielen Lieben Dank fürs Interview Hope Sandoval!

Gruß und Kuss nach Hamburg an Patricia Nigiani von Nettwerk fürs Möglichmachen.

DifferentStars


5 Gedanken zu „Im Gespräch mit Hope Sandoval

  1. Schönes Interview! Kenne die Musik zwar noch nicht, werde aber definitiv mal reinhören. Übrigens mag ich auch keine Konzerte, auf denen die Musiker zu viel reden. Bestes Beispiel ist der Radiomitschnitt von The Swell Season. Glen Hansard nervt nach kurzer Zeit nur noch…

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